18.10.2017, 07:39 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden
  • Registrieren

Beiträge: 2 361

Wohnort: 1010, WIEN

Beruf: Kath.Priester des röm.Ritus (Stephansdom) u.Erzpriester des byzant.Ritus(für Ukrainer) / Gymnasiallehrer ( Rk ) i.R.

21

04.05.2017, 12:47

@herzrosenduft

Ich halte es für gefährlich GLAUBEN und BILDUNG gegeneinander auszuspielen, noch dazu in Zeiten wie diesen. Ich zitiere den heiligen Hieronymus († 420): "Die heilige Einfalt nützt nur sich selber, sie schadet aber umso mehr der heiligen Kirche, weil sie destruktiven Kräften nicht Widerstand leisten kann!"
Der heilige Albertus Magnus (Lehrer von Thomas von Aquin) beschäftigte sich unter anderem mit Mathematik und Geometrie, weil in dieser Zeit über die Araber die von den Indern erfundenen "arabischen Ziffern" zu uns gekommen sind. Nikolaus Cusanus beschäftigte sich mit Kosmologie und der Frage nach der Gestalt der Erde.
Pius XII und Johannes Paul II zitierten die Arbeiten des belgischen Jesuiten Abbe Lemaitre, der im 20. Jahrhundert als erster die Urknalltheorie formuliert hat. Der berühmte Erzbischof von Wien, Kardinal Dr. Franz König beeindruckte viele Zeitgenossen durch sein universales Wissen und seine unglaublichen Sprachkenntnisse.
Die Vertreter der Wissenschaft der Universität Wien waren von der Ansprache des Papstes Johannes Paul II zum Thema "Naturwissenschaft" fasziniert, ich habe selten einen so großartigen Text zu diesem Thema gelesen.
Ich möchte auch etwas Persönliches hinzufügen. Eine 6. Klasse meiner Schule (vor mehr als 20 Jahren) hatte schon 3 Religionslehrer fertig gemacht, als ich die Klasse bekommen habe. Ich habe versucht den jungen Leuten etwas zu bieten, habe aber auch für diverse Prüfungen viel verlangt. Allerdings habe ich auch bei Schwierigkeiten mit Latein geholfen, was den Schülern sehr gefallen hat.
Während der Darlegung der Moraltheologie, beim Thema Bioethik sind 4 Schüler, die schon länger abgemeldet waren, gekommen und haben gefragt, ob sie zuhören dürfen. Natürlich habe ich zugestimmt, wobei die 4 Schüler nach vier Wochen zum Direktor gegangen sind und sich wieder für den Religionsunterricht angemeldet haben. In der 7. Klasse fragten sie, ob sie in Religion maturieren dürften. Nach dem Gesetz war dies aber nur möglich, wenn sie den gesamten Stoff der 5. und 6. Klasse nachlernen und eine Prüfung darüber ablegen. Das haben wir mit dem Direktor besprochen und gemacht. Die Schüler haben auch begonnen in die Messe zu gehen, haben eine sehr gute Matura abgelegt und 2 von denen habe ich selbst getraut.
Die Mutter eines Schülers war Muslima (Fachärztin für Radiologie aus dem Iran), der Vater war Protestant, wie das Kind katholisch getauft worden ist, habe ich nie ganz herausbekommen. Jedenfalls kam die moslemischen Mutter zu mir in die Sprechstunde, um sich persönlich zu bedanken, dass ihr Sohn gläubig sei und in die Kirche ginge. Vor der Trauung hat sie mich mit dem Brautpaar zu einem iranischen Abendessen, das sie selbst gekocht hat, eingeladen. Das war für mich sehr bewegend. Der junge Mann ist Arzt geworden, sein 1. Kind habe ich auch getauft, leider sind die dann aus Wien in ein anderes Bundesland weggezogen.
Vielleicht noch ein Argument; wenn ich mich nicht ganz gut in Theologie und anderen Gebieten auskennen würde, könnte ich wohl in diesem Forum nicht schreiben, um diverse Fragen zu klären.Msgr. Franz Schlegl

herzrosenduft

Erleuchteter

Beiträge: 5 770

Wohnort: Deutschland

Beruf: Gärtner

22

04.05.2017, 20:22

Soviele Leute sind gebildet, wer weiß wieviel. Sie haben auch Philosophie, Theologie und sonstige Geisteswissenschaften kennengelernt. Warum geht von denen kaum einer zur Kirche... ? Warum hat das Theologiestudium und moderne Theologie bei vielen den schlechten Ruf vom Glauben abzubringen? Es ist echt gut, wenn man sich in Kirchengeschichte, Glaubenslehre und Kulturgeschichte auskennt. Es ist sehr gut, wenn man Disziplinen der Wissenschaft unter den Hut des christlichen Glaubens bringen kann. Aber wo sind sie denn bitteschön, die Vielen... die es tun könnten und die es nicht tun und wohl nicht mehr tun werden? ... Die Kirche wird heute im Wesentlichen von den kleinen, einfachen Leuten getragen.... sie sind es, die durch Gebet und christliches Leben den Geist Gottes in der Kirche wirken lassen. Von den Supergebildeten ist in der Kirche meist wenig zu sehen und zu spüren... natürlich gibt es Ausnahmen... Sie zu Beispiel, lieber Herr Monsignore, ... aber irgendwo hat irgendwas in der Kirche in den letzten Jahrzehnten nicht richtig funktioniert... die Bildung der Aufklärung hat dazu geführt, dass der Glaube verloren gegangen ist. Die Kirche hat sich stark angepasst. Die Lehre der Kirche ist nicht mehr klar und deutlich für jedermann zu erkennen. So sehe ich das...
_______________________________________________________________________________________

Der Papst betont die Wichtigkeit eines „christlichen Stils“ der Präsenz auch in der digitalen Welt:

„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

herzrosenduft

Erleuchteter

Beiträge: 5 770

Wohnort: Deutschland

Beruf: Gärtner

23

04.05.2017, 20:29

Es funktioniert nicht, wenn ich mir ein Buch nehme und mir wissenschaftliche Abhandlungen über Naturwissenschaft und Glauben reinziehe... damit werde ich mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht zum Glauben kommen. Den Glauben kann man sich nicht nehmen, indem man ihn studiert... das funktioniert nicht... der Glaube ist ein Geschenk von Gott, der die Verborgenheit liebt. Ein wissenschaftliches Buch kann eine Anregung zum Nachdenken sein... aber mehr nicht... zum Glauben gehört immer auch ein "Ja, ich will glauben, ich will dienen, ich will anbeten!" Erst dann eröffnet Gott nach und nach die Erkenntnis. Keinem Menschen ist es gegeben sich den Glauben durch Nachdenken zu nehmen...
_______________________________________________________________________________________

Der Papst betont die Wichtigkeit eines „christlichen Stils“ der Präsenz auch in der digitalen Welt:

„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

Thema bewerten