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Klomb

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Beruf: Wächter der Rechtgläubigkeit ;)

21

13.06.2017, 18:49

"Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört!" Mt 22, 21 Das ist die Aufforderung die geforderten Steuern zu zahlen.


Nein, ist es nicht. Dafür muß man die Situation im Mt. 22,21 verstehen.

Der Kaiser hat sich damals als Gott verehren lassen. Deswegen war es für fromme Juden tabu, mit römischen Geld zu bezahlen, weil auf den Münzen ein Götzenbild eingeprägt war (1. Gebot). Es wäre nun das Privatvergnügen der Juden gewesen, ob sie mit Münzen oder Naturalien bezahlen oder bezahlt werden möchten. Für den Staat wäre es gleichgültig gewesen. Der Staat hat aber nichtsdestotrotz auch von Juden Steuern erhoben, und diese mußten in Münzen mit Kaiserabbild entrichtet werden. (Technisch wurde die römische Steuererhebung übrigens an Privatleute wie Zachäus übertragen. Diese Steuerpächter bekamen den Befehl, einen Steuerbetrag an den Fiskus abzuführen und durften dafür bei den Einwohnern kassieren. Vorgesehen war, daß sie etwas mehr erheben, als sie abführen müssen, um die Arbeit des Steuerneintreibens entlohnt zu bekommen. In Judäa und Samarien, das damals keine Provinz des römischen Reiches sondern ein tributpflichtiges "Schutzgebiet" Roms war, fungierte König Herodes als "Obersteuerpächter" für die Römer.)

An diesem Verstoß gegen das 1. Gebot stießen sich die Zeloten. Das nutzen die heimtückischen Fragesteller, um Jesus in eine Zwickmühle zu bringen. Auf die heuchlerische Frage in Mt. 22 hätte Jesus nämlich korrekt antworten müssen: "Nein, ihr dürft nicht mit dem Götzenbild bezahlen. Ich habe euch doch schon gesagt, daß ihr die Gebote des Mose einhalten sollt." Dann hätte er sofort als Aufrührer angezeigt, verurteilt und hingerichtet werden können (wie es Karfreitag ja auch geschah). Hätte er aus Angst vor dieser Gefahr gesagt, daß hier eine Ausnahme vom 1. Gebot zu machen sei, dann hätten ihn seine Anhänger enttäuscht verlassen (wie es am Karfreitag ja auch geschah).

Jesus durchschaut die Heuchelei. Aber er sagt nicht "Pfui, ihr wollt mir eine Falle stellen! Ich werde nicht antworten!", sondern er benutzt die "Taube-Schlange-Strategie" (Mt. 10,16). Er geht also aufrichtig wie eine Taube auf die Frage ein, bleibt dabei aber vorsichtig wie eine Schlange angesichts der erkannten Falle.

Er läßt sich ein Anschauungsbeispiel für die inkriminierte Münze bringen. Die Heuchler fallen prompt in die "Gegenfalle", die Jesus ihnen stellt: Woher haben sie die Münze mit dem Götzenbild, wenn sie sich doch als fromme Juden ausgeben? Dann fragt Jesus, wessen Name und Bild auf der Münze sei. Hier stellt er dem Kaiser eine Falle, in die die Heuchler ebenfalls fallen: Es ist schon immer üblich, daß man sein Eigentum mit dem Namen beschriftet. Die Münze sieht also so aus, als wäre sie Eigentum des Kaisers. Natürlich weiß Jesus, daß der Kaiser seinen Namen in der Anmaßung auf die Zahlungsmittel schreibt, um göttliche Verehrung zu bekommen, nicht, um sie als sein Eigentum auszugeben. Denn mit den eingenommenen Münzen bezahlt der Staat seinerseits, wenn er etwas kauft. Das wäre nicht möglich, wenn die Verkäufer kein Eigentum an den Münzen erwerben könnten, wenn sie also für die Verkäufer wertlos wären. Aber das haben die Heuchler nicht angesprochen. Also war Jesus als Jude nicht gezwungen, auf diese absurde heidnische Denkweise in seiner Antwort einzugehen. Vielmehr antwortet er nach dem jüdischen Recht, das vorschreibt, daß man fremdes Eigentum dem Eigentümer (hier: dem Kaiser) zurückgebe.

Eine sehr elegante Lösung! So können Juden Münzen mit dem kaiserlichen Götzenbild den Bütteln des Römerstaates geben, ohne sich gegen den Gott Moses zu versündigen. Sie geben ja in frommer Befolgung des Gebotes Moses bloß dem Kaiser zurück, was ihm gehört, und nicht ihnen. Jesus hat es also geschafft, mit seiner Antwort die gegensätzlichen Positionen der Zeloten und des römischen Fiski zu vereinen!

In Mt. 22 ist nicht Thema, ob man dem Staat überhaupt Steuern zahlen soll, die echten Wert haben, etwa Naturalien oder verbriefte Ansprüche auf Produkte, wie sie Giral- oder Bargeld sind. Diese Frage war schlichtweg nicht das historische Thema in Mt. 22. Was man allenfalls aus Mt. 22 ersehen kann, ist, daß die einseitige Forderung des Staates sie noch lange nicht für einen Christen verbindlich macht, denn kein Staat kann von einem Christen erwarten, etwas gegen Gott zu tun.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Klomb« (13.06.2017, 18:56)


herzrosenduft

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22

13.06.2017, 20:13

"Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört!" Mt 22, 21 Das ist die Aufforderung die geforderten Steuern zu zahlen.


Nein, ist es nicht. Dafür muß man die Situation im Mt. 22,21 verstehen.

Der Kaiser hat sich damals als Gott verehren lassen. Deswegen war es für fromme Juden tabu, mit römischen Geld zu bezahlen, weil auf den Münzen ein Götzenbild eingeprägt war (1. Gebot). Es wäre nun das Privatvergnügen der Juden gewesen, ob sie mit Münzen oder Naturalien bezahlen oder bezahlt werden möchten. Für den Staat wäre es gleichgültig gewesen. Der Staat hat aber nichtsdestotrotz auch von Juden Steuern erhoben, und diese mußten in Münzen mit Kaiserabbild entrichtet werden. (Technisch wurde die römische Steuererhebung übrigens an Privatleute wie Zachäus übertragen. Diese Steuerpächter bekamen den Befehl, einen Steuerbetrag an den Fiskus abzuführen und durften dafür bei den Einwohnern kassieren. Vorgesehen war, daß sie etwas mehr erheben, als sie abführen müssen, um die Arbeit des Steuerneintreibens entlohnt zu bekommen. In Judäa und Samarien, das damals keine Provinz des römischen Reiches sondern ein tributpflichtiges "Schutzgebiet" Roms war, fungierte König Herodes als "Obersteuerpächter" für die Römer.)

An diesem Verstoß gegen das 1. Gebot stießen sich die Zeloten. Das nutzen die heimtückischen Fragesteller, um Jesus in eine Zwickmühle zu bringen. Auf die heuchlerische Frage in Mt. 22 hätte Jesus nämlich korrekt antworten müssen: "Nein, ihr dürft nicht mit dem Götzenbild bezahlen. Ich habe euch doch schon gesagt, daß ihr die Gebote des Mose einhalten sollt." Dann hätte er sofort als Aufrührer angezeigt, verurteilt und hingerichtet werden können (wie es Karfreitag ja auch geschah). Hätte er aus Angst vor dieser Gefahr gesagt, daß hier eine Ausnahme vom 1. Gebot zu machen sei, dann hätten ihn seine Anhänger enttäuscht verlassen (wie es am Karfreitag ja auch geschah).

Jesus durchschaut die Heuchelei. Aber er sagt nicht "Pfui, ihr wollt mir eine Falle stellen! Ich werde nicht antworten!", sondern er benutzt die "Taube-Schlange-Strategie" (Mt. 10,16). Er geht also aufrichtig wie eine Taube auf die Frage ein, bleibt dabei aber vorsichtig wie eine Schlange angesichts der erkannten Falle.

Er läßt sich ein Anschauungsbeispiel für die inkriminierte Münze bringen. Die Heuchler fallen prompt in die "Gegenfalle", die Jesus ihnen stellt: Woher haben sie die Münze mit dem Götzenbild, wenn sie sich doch als fromme Juden ausgeben? Dann fragt Jesus, wessen Name und Bild auf der Münze sei. Hier stellt er dem Kaiser eine Falle, in die die Heuchler ebenfalls fallen: Es ist schon immer üblich, daß man sein Eigentum mit dem Namen beschriftet. Die Münze sieht also so aus, als wäre sie Eigentum des Kaisers. Natürlich weiß Jesus, daß der Kaiser seinen Namen in der Anmaßung auf die Zahlungsmittel schreibt, um göttliche Verehrung zu bekommen, nicht, um sie als sein Eigentum auszugeben. Denn mit den eingenommenen Münzen bezahlt der Staat seinerseits, wenn er etwas kauft. Das wäre nicht möglich, wenn die Verkäufer kein Eigentum an den Münzen erwerben könnten, wenn sie also für die Verkäufer wertlos wären. Aber das haben die Heuchler nicht angesprochen. Also war Jesus als Jude nicht gezwungen, auf diese absurde heidnische Denkweise in seiner Antwort einzugehen. Vielmehr antwortet er nach dem jüdischen Recht, das vorschreibt, daß man fremdes Eigentum dem Eigentümer (hier: dem Kaiser) zurückgebe.

Eine sehr elegante Lösung! So können Juden Münzen mit dem kaiserlichen Götzenbild den Bütteln des Römerstaates geben, ohne sich gegen den Gott Moses zu versündigen. Sie geben ja in frommer Befolgung des Gebotes Moses bloß dem Kaiser zurück, was ihm gehört, und nicht ihnen. Jesus hat es also geschafft, mit seiner Antwort die gegensätzlichen Positionen der Zeloten und des römischen Fiski zu vereinen!

In Mt. 22 ist nicht Thema, ob man dem Staat überhaupt Steuern zahlen soll, die echten Wert haben, etwa Naturalien oder verbriefte Ansprüche auf Produkte, wie sie Giral- oder Bargeld sind. Diese Frage war schlichtweg nicht das historische Thema in Mt. 22. Was man allenfalls aus Mt. 22 ersehen kann, ist, daß die einseitige Forderung des Staates sie noch lange nicht für einen Christen verbindlich macht, denn kein Staat kann von einem Christen erwarten, etwas gegen Gott zu tun.


Jede einzelne Euromünze gehört auch den europäischen Staaten... du darfst auch nicht hingehen und das Kupfergeld einschmelzen...
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Der Papst betont die Wichtigkeit eines „christlichen Stils“ der Präsenz auch in der digitalen Welt:

„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

Klomb

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23

13.06.2017, 20:27

Jede einzelne Euromünze gehört auch den europäischen Staaten... du darfst auch nicht hingehen und das Kupfergeld einschmelzen...
Das verwechselst Du wahrscheinlich mit Ausweisdokumenten. Das Euro-Geld hingegen darf man einschmelzen, Scheine verbrennen usw. Schau hier!.

herzrosenduft

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24

15.06.2017, 17:08

"Führt unter den Heiden ein rechtschaffenes Leben, damit sie, die euch jetzt als Übeltäter verleumden, durch eure guten Taten zur Einsicht kommen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung. Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung: dem Kaiser, weil er über allen steht, den Statthaltern, weil sie von ihm entsandt sind, um die zu bestrafen, die Böses tun, und die auszuzeichnen, die Gutes tun. Denn es ist der Wille Gottes, dass ihr durch eure guten Taten die Unwissenheit unverständiger Menschen zum Schweigen bringt. Handelt als Freie, aber nicht als solche, die die Freiheit als Deckmantel für das Böse nehmen, sondern wie Knechte Gottes. Erweist allen Menschen Ehre, liebt die Brüder, fürchtet Gott und ehrt den Kaiser!"
1 Petr 2, 12ff
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herzrosenduft

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25

15.06.2017, 18:11

"Erinnere sie daran, sich den Herrschern und Machthabern unterzuordnen und ihnen zu gehorchen. "
Titus 3,1
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Der Gärtner

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26

15.06.2017, 20:38

@ herzrosenduft

Das alles enthebt aber auch nicht davon, sich der bischöflichen Verkündung der Farbenlehre zu erinnern.

https://www.youtube.com/watch?v=V1b4WynGFk8


Diese gilt immer, nicht nur wenn es denn ganz schlimm kommt. So völlig vorbehaltlos und undifferenziert kann ich da sonst nicht folgen. Da fand ich die kurze und bündige Antwort von @quia_absurdum durchaus nahe liegend.
Herr, lehre mich deine Gebote

herzrosenduft

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27

17.06.2017, 13:38

Kardinal von Galen hat "dem Kaiser gegeben, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört". Er hat sich ganz an das Wort Gottes gehalten und es treu befolgt. Ein konsequenter Glaube kann etwas Großes bewirken.
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herzrosenduft

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02.07.2017, 13:03

Sozialenzyklika "Laborem Exercens" von Papst JPII (1981)
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herzrosenduft

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29

02.07.2017, 13:09

Weitere Sozialenzykliken:

...
Quadragesimo anno von Pius XI. (1931)
Mater et magistra von Johannes XXIII. (1961)
Octogesima adveniens von Paul VI. (1971)
Laborem exercens von JPII (1981)
Centesimus Annus von JPII (1991)
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herzrosenduft

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30

02.07.2017, 13:13

Katholische Soziallehre im Überblick: 100 Jahre Sozialverkündigung der Kirche; hrsg. von Walter Kerber u.a., Frankfurt 1991; enthält alle Sozialenzykliken bis einschließlich solicitudo socialis, leider nicht centesimus annus. Die letzte Sozialenzyklika ist aber die interessanteste, da man in ihr - direkt nach der Wende - sehr ausführlich die Abgrenzung der kirchlichen Lehre zu Sozialismus und Kapitalismus findet.

Ein guter Überblick ist in
"Soziale Gerechtigkeit
Wurzeln und Gegenwart eines Konzepts in der Christlichen Soziallehre
"
von
Winfried Löffler
(7.10.2003)
siehe hierSoziale Gerechtigkeit
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