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Dammerl

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1 501

26.07.2017, 20:55

Das habe ich auch schon oft gehört. Ich frage mich nur warum dann der Mann aus Mt 22,13 an Händen und Füßen zusammengebunden wird, wenn er doch angeblich freiwillig in die Finsternis geht. Gottes Barmherzigkeit zu verschmähen muß ja noch nicht bedeuten, dass man dann in die Verdammnis will. Die fünf dummen Jungfrauen wollten ja auch nicht vor der Tür versauern, wenngleich man auch nicht sagen kann, dass sie zum Seelenbräutigam wollten. Sie wollten auf die Hochzeitsparty.

Wenn man sich der rein wortwörtlichen Bibelauslegung weiter anvertraut, darf man dann auch fragen: Kann dann nicht auch das Binden des Bösen in der Finsternis ein letzter Akt der Barmherzigkeit Gottes sein? Und
Warum wollten die dummen Jungfrauen das Öl kaufen, wenn sie es vielleicht geschenkt bekommen hätten?

Servus
Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
https://emmauspilger.wordpress.com/

Klomb

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1 502

27.07.2017, 10:17

Ich frage mich nur warum dann der Mann aus Mt 22,13 an Händen und Füßen zusammengebunden wird, wenn er doch angeblich freiwillig in die Finsternis geht.
Das tat er allerdings nicht. Aber er ist freiwillig der Einladung zur Feier gefolgt, um dann ebenso freiwillig unfeierlich gekleidet zu sein.


Gottes Barmherzigkeit zu verschmähen muß ja noch nicht bedeuten, dass man dann in die Verdammnis will. Die fünf dummen Jungfrauen wollten ja auch nicht vor der Tür versauern, wenngleich man auch nicht sagen kann, dass sie zum Seelenbräutigam wollten. Sie wollten auf die Hochzeitsparty.
Sie hätten ja auch auf der Öl verzichten können, wenn sie schon neben dem Bräutigam gewohnt hätten. Haben sie aber nicht. Sie wußten, daß ein Weg in Dunkelheit vor ihnen lag und waren trotzdem saumselig. Man kann sagen, daß man nur dann etwas will, wenn man sich auch auf die (unangenehmen) Begleitumstände einlassen will, und sei es nur Dankbarkeit.

El Dakhel

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1 503

27.07.2017, 12:02

Aber er ist freiwillig der Einladung zur Feier gefolgt, um dann ebenso freiwillig unfeierlich gekleidet zu sein.
So ist es katholisch. Luther und Clavin, die den freien Willen des Menschen leugneten, haben dagegen geglaubt, dass Gott erst aller Menschen Kleidung selbst beschmuddelt, dann einige nach reiner Willkür wieder weiß wäscht und andere, wieder willkürlich in ihren Lumpen und Dreckwäsche in die Hölle wirft. Aber um mich von dieser grauenhaften Vorstellung zu distanzieren, muß ich doch nicht deswegen behaupten (also nichts gegen Schwester Faustyna, aber die kann sich auch irren), der Mensch würde sich selbst zur Verdammnis verurteilen? Ich denke, dass dies seinen Grund vor allem in der Konfliktvermeidung hat.
Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde erschaffen hat“
Ps 124,8

Klomb

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1 504

27.07.2017, 13:29

Aber um mich von dieser grauenhaften Vorstellung zu distanzieren, muß ich doch nicht deswegen behaupten (also nichts gegen Schwester Faustyna, aber die kann sich auch irren), der Mensch würde sich selbst zur Verdammnis verurteilen? Ich denke, dass dies seinen Grund vor allem in der Konfliktvermeidung hat.
Doch, gewissermaßen schon:

Zitat von »"Johannes Chrysostomos"«

Darum heißt es auch:

V.12: " er verstummte".

Ersiehst du hieraus, dass der König trotz der Offenkundigkeit der Sache doch nicht eher straft, als bis der Sünder selbst sein Urteil gesprochen hat? Eben dadurch, dass er nichts entgegnen konnte, fällte er sein eigenes Urteil. Dann erst wird er der unbeschreiblichen Pein überantwortet.

El Dakhel

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1 505

27.07.2017, 13:46

Eben "gewissermaßen". Wenn einer eine Free solo-Kletterunternehmung macht, dann sagt man auch, was er tut sei Selbstmord. Der Absturz kommt aber von höherer Gewalt her. So ähnlich ist das mit der Selbstverurteilung.

Ich sehe die Gefahr dieses Vorstellung darin, dass sie dem Menschen eine Art Autonomie in der letzten Entscheidung über das eigene ewige Schicksal vormacht. Im Youcat, bevor er revidiert wurde, war von der Möglichkeit die Rede, dass (sinngemäß) der Mensch in articulo mortis im Angesicht des barmherzigen Gottes sich letztgültig für oder gegen diesen entscheiden könne. Das hat man dann wieder herausgenommen. Die Lehre von der Selbstverurteilung lässt sich jedenfalls gut mit dieser Vorstellung verbinden.
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Ps 124,8

Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von »El Dakhel« (27.07.2017, 19:41)


El Dakhel

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1 506

27.07.2017, 20:24

Kann dann nicht auch das Binden des Bösen in der Finsternis ein letzter Akt der Barmherzigkeit Gottes sein?
Das muß es sogar sein, oder? Gott ist ja die Liebe (Deus caritas est). Ich glaube, dass wir das nur von dieser Wesenseigenschaft Gottes (Liebe und Barmherzigkeit) sagen: Gott ist die schlechthinnige Liebe, er ist die Barmherzigkeit. Ja und muß dann nicht jede Tat Gottes am Menschen auch aus und in Liebe (Barmherzigkeit) geschehen? Wie man natürlich diesen Akt des In-die -Hölle-Werfens (oder nenn' es Binden des Bösen in der Finsternis, ist ja bloß netter ausgedrückt, oder: Gott wendet sein Angesicht von einem ab) nun als Barmherzigkeitsakt verstehen kann, da braucht es dann mal wieder einen beredten Theologen, würde ich sagen.
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MaxJosef

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1 507

29.07.2017, 09:48

Das ist natürlich schon ein ungewöhnlicher, zum Nachdenken anregender Satz, wie er im geistlichen Tagebuch der hl. Schwester Maria Faustyna steht, dass nur die Seele verdammt werden wird, die auch verdammt werden will. Ich verstehe diesen Satz so, dass Glaube natürlich in erster Linie ein Geschenk ist, aber Glaube ist eben auch ein Willensakt. Jesus sagt im Evangelium: "Seit den Tagen Johannes des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich." (Mt 11,12)

Es ist ein Willensakt, wenn du sagst, so, jetzt bete ich den Rosenkranz; es ist ein Willensakt, wenn du sagst, ich gehe jetzt zur Beichte; es ist ein Willensakt, wenn du sagst, so, auf geht's zur heiligen Messe. Mit all diesen Gnadenmitteln unserer heiligen Mutter Kirche "reißen wir das Himmelreich an uns".

Und das ist ja das Fatale an dieser Friede-Freude-Eierkuchen Verkündigung, die in Deutschland seit Jahrzehnten praktiziert wird, dass sie zur totalen Wurschtigkeit bei den Gläubigen führt, sie geradezu einschläfert. Es kommt doch nicht von ungefähr, dass sich der Anteil der Messbesucher unter den deutschen Katholiken seit 1970 GEFÜNFTELT hat, von 50% regelmäßigen Kirchgängern auf 10 %.

Und der eingeschläferte Gläubige, der den Herrgott einen guten Mann sein läßt und all die Gnadenmittel der Kirche nicht nutzt, der läuft halt tatsächlich Gefahr, dass der Herr in seinem Krug kein Öl findet, wenn er einmal vor seinem himmlischen Richter steht.

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1 508

29.07.2017, 17:56

@Thaddäus Öllenstroth

Ganz richtig! Die Weichen werden hier und jetzt gestellt und genau auf dem Gleis, auf das die Weiche gestellt ist, fährt der Mensch weiter. Das zeigt sich auch klar in Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus.Msgr.Franz Schlegl

Klomb

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1 509

29.07.2017, 18:13

Das ist natürlich schon ein ungewöhnlicher, zum Nachdenken anregender Satz, wie er im geistlichen Tagebuch der hl. Schwester Maria Faustyna steht, dass nur die Seele verdammt werden wird, die auch verdammt werden will. Ich verstehe diesen Satz so, dass Glaube natürlich in erster Linie ein Geschenk ist, aber Glaube ist eben auch ein Willensakt.

Es ist ein Willensakt, wenn du sagst, so, jetzt bete ich den Rosenkranz; es ist ein Willensakt, wenn du sagst, ich gehe jetzt zur Beichte; es ist ein Willensakt, wenn du sagst, so, auf geht's zur heiligen Messe. Mit all diesen Gnadenmitteln unserer heiligen Mutter Kirche "reißen wir das Himmelreich an uns".


Man kommt hier ziemlich nah an die Frage, wie sich menschliche Freiheit und göttliche Gnade zueinander verhalten. Diese Frage ist und bleibt letztendlich offen, siehe diese Predigt. Vielleicht "überlädt" man auch die Aussage der hl Maria Faustyna auch leicht etwas. Beispielsweise ist es sicher schwierig zu sagen, daß der Mann in der Predigt informiert eingewilligt hat, lieber im Suff zu verunfallen als selig zu werden.

El Dakhel

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1 510

30.07.2017, 11:09

Eine sehr schöne, weise Haltung der Kirche besteht darin, daß sie Menschen heilig spricht, aber niemanden unheilig. Die Kirche lehrt, daß es eine Hölle gibt und daß die furchtbare Möglichkeit besteht, verloren zu gehen, aber sie hat niemals einem Menschen namentlich das ewige Heil abgesprochen.
Ja, das ist sehr gut und wichtig zu erwähnen. Nicht mal Judas ist unheilig gesprochen worden, obwohl oft behauptet wird, er sei (fast sicher) in der Hölle. Überhaupt ist der Gedanke der "Hölle für die/den anderen" gefährlich. Die Hölle sollte eigentlich immer für einen selber Mahnung sein, das eigene Leben nicht zu verpielen. Kierkegaard hat einmal gesagt: Für mich bleibt die Sache beständig die: die anderen alle, die Werden schon selig, des ist sicher genug – nur mit mir mag es seine Mißlichkeit haben.
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Ps 124,8

El Dakhel

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1 511

30.07.2017, 11:48

siehe diese Predigt
Ich habe ein bisschen auf der Seite von Prof. May gestöbert und mir kurz eine Predigt über Luther durchgelesen. Junge, der geht aber ganz schön ins Geschirr, für eine Sonntagspredigt jedenfalls.

Du hast geschrieben, dass du selber einige Priester kennst, die unbequeme Themen anfassen. Mein Pastor hat letzten Sonntag einmal angelegentlich von der Hölle gepredigt. So flächendeckend eingeschüchtert kann unser Personal wohl nicht sein, wenn wir schon Leute in unserem Umkreis kennen. Der Freund von mir, von dem ich in anderen Threads erzählt habe, ist jetzt die Tage im Entscheidungs- workshop zum Priesterseminar angenommen worden und fängt in zwei Monaten mit der Priesterausbildung an. Der hat auch einen aufrechten Gang gelernt. Dass der Nachwuchs an gottesfürchtigen Priestern ausbleibt kann man wohl also auch nicht sagen. Man muß nur das Gute in der Kirche einmal sehen und nicht nur immer Prophet des Niedergangs und des Verfalls spielen.
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