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Christian1

unregistriert

1

07.01.2003, 20:24

Sünde & Beichtspiegel

Wenn ich hier dieses neue Thema eröffne, so deshalb weil es mir - und ich hoffe auch anderen - wichtig erscheint darüber auszutauschen. Auch zwischen oder gerade zwischen Katholiken. Weil, so mein Dafürhalten, bei manchen Tiefgläubigen, mehr oder weniger starke Vorurteile wirksam werden, was andere differenzierte Positionen betrifft - "sie leugnen die Sünde", lautet manchmal vorschnell das Urteil.

Ich hoffe ganz stark, dass mir niemand (wieder) unlautere Motive unterstellt, bei einem Thema, dass so bin ich überzeugt viele berührt. Von Taufscheinchristen, über Laue bis - ich sag's halt so - Tiefgläubigen. Man verzeihe mir den Ausdruck "Tiefgläubige". Ich weiß schon, für manche gibt es nur Gläubige oder Nichtgläubige. Aber trotzdem, die die mich verstehen wollen, verstehen.

Für Tiefgläubige ist Sünde, Beichte und Reue kein Problem. Wiederholte Einträge bestätigen dies.
Vielleicht bringt man es hier trotz aller eigener Ãœberzeugung doch fertig, andere Meinungen zumindest zu akzeptieren bzw. sich in andere hineinzuversetzen.

Dann möchte ich Werner hier, wie von ihm gewünscht, konkrete Sündenspiegel und Beispiele daraus bringen (ich muss sie mir erst wiederbeschaffen – in meinem Kopf sind sie). Ein bisschen wundere ich mich Werner, dass Du an der Existenz derartiger Spiegel zweifelst, es gibt sie auch heute noch.
Es gibt Kirchen wo sie am Zeitschriftenständer aufliegen, kostenlos oder gegen 1 bis 3 Euro. Auch im Gotteslob gibt es sogenannte Gewissensspiegel mit detaillierter Sündenangaben.

Vorweg möchte ich zum Sünden- und Schuldverständnis mal ganz allgemeine Anmerkungen machen:

Sünde und Schuld :

In Diskussionen mit (ideologisch) fest positionierten Menschen gibt es oft nur zwei extreme Standpunkte, nämlich zwischen Unschuldswahn und bedingungslosem Schuldverständnis. So zumindest mein Eindruck.

Ob meine nachfolgende Zuordnung jetzt so total zutrifft, weiß ich nicht. Aber die Richtung stimmt sicher.

Für Vertreter des Unschuldswahns ist für Fehlverhalten alles verantwortlich, nur nicht der Einzelne . Schuld ist die Gesellschaft, Erziehung, Umstände, Veranlagung, (tiefen)psychologische Bedingtheiten und ähnliches.

Das materialistische Schuldverständnis misst Schuld (und Sünde) ausschließlich an der Tat und Normen. Lässt subjektive Entschuldigungen (und letztlich auch objektive Gründe) nicht gelten. Motive, die erklären sind nicht zulässig.

Bei unserem Thema "Sünde und Beichte" ist die Orientierung, so scheint mir, eher am rein materialistischen Schuldverständnis ausgerichtet.

Selbst das Strafrecht kennt Schuldausschließungsgründe oder zumindest Milderungsgründe. Für das Bußsakrament gilt, so scheint es mir aber vorzüglich eine strenge Auslegung. Lediglich Jugendliche haben "Privilegien", bei entwicklungsbedingten Dingen.
Unbedingtes Bekennen und Bereuen lautet die Beicht- und Erlösungsanforderung. Und sei es prophylaktisch und über die Angstreue.

"Die menschlichen Gefühle beim Beichten sind eben nur die eine und eigentlich unwichtige Seite des Beichtens", wie Josephus Flavius geschrieben hat:

Ob erklärbare (subjektive) Verhaltensgründe vorliegen, dies wird dem Einzelnen bei der Beurteilung nicht zugestanden. Befreiung von der Sünde erfordert bedingungsloses Geständnis. Eigenverantwortliche Selbstbeurteilung von (normierten) Taten und Verhaltensweisen, Selbsteinordnung in "Sünde oder Nichtsünde" und Zurechenbarkeit zu "Schuld und Unschuld" gelten beim Bußsakrament nicht. Im Bußsakrament zählt nur das Geständnis.

Fürs Erste lass ich es und hoffe auf verständnisvolle Antworten.

Christian

corinquietum

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2

07.01.2003, 22:38

Lieber Christian, es ist zwar schon spät am Abend und ich wollte nur eben noch einmal hereinschauen, Aber weil Du mich in deinem neuen Thread direkt ansprichst, hier nur eine kurze Antwort, vielleicht morgen oder, je nach Gelegenheit und Zeit, auch später zu den anderen Sätzen:
Ich zweifle nicht an der Existenz von Beichtspiegeln! Ich wollte von Dir nur wissen, welche Art von Beichtspiegeln Deinem Zwiespalt zugrunde liegen. Da ich vermutet habe, es seien recht altertümliche (deshalb mein Beispiel Jone!), war mein Tipp: wirf sie in den Papierkorb!
Es ist freilich bei Kindern einfach, auf ihre kleinen "Bosheiten" und Verfehlungen einzugehen.
Da es so viele Wege zu Gott gibt wie es Menschen gibt (Card Ratzinger!) meine ich, gibt es ebenso viele Beichtspiegel wie es Menschen gibt.
Wenn Dein an den Weisungen des Schöpfers geschultes Gewissen Dir sagt: Dies oder das ist keine Sünde, dann brauchst Du den Sachverhalt auch nicht zu beichten. Wenn es umgekehrt ist, mußt Du es beichten. Das kann durchaus von Mensch zu Mensch anders sein. Im norddeutschen Platt heißts: wat ´n en sin Uhl, is ´n annern sin Nachtigol!
Immer vorausgesetzt, das Gewissen ist an den Weisungen Gottes, des Schöpfers orientiert; denn manche berufen sich auf ihr Gewissen und meinen nur ihren Eigensinn, weil sie es eben nicht erzogen haben.

Es wäre wohl in diesem Zusammenhang erst einmal notwendig den Begriff Sünde zu klären. Vielleicht vorher noch, wer Gott für mich ist. Dann erst kann man über das Sakrament der Versöhnung eigentlich reden.

Für heute nur so viel!
Gottes segen!
Werner :)

Antonio

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Beruf: Priester

3

07.01.2003, 23:02

Hallo Christian1!

Wollte nur noch kurz heute eine Empfehlung machen:

Beichtspiegel: Wie beichte ich richtig? Francisco Luna
Adamas Verlag

Kann ich nur empfehlen!

Gottes Segen

Antonio

"Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir, gib alles mir, was mich fördert zu dir, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir. Amen"
(Hl. N v. F)

Josephus

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Beruf: Priester, Theologe, Webmaster

4

08.01.2003, 08:44

Die Kirche hält daran fest, daß das Sündenbekenntnis beim Bußsakrament "materiell vollständig" sein muß. Was heißt das? Es sind alle noch nicht in einer gültigen sakramentalen Beichte vergebenen Todsünden ("peccata mortalia") zu beichten, deren man sich nach aufrichtiger Prüfung (Gewissenserforschung) bewußt erinnert. Hierbei ist auch auf (ungefähre) Zahl und (eventuell) erschwerende Umstände Bezug zu nehmen. Vergißt man etwas Wichtiges ohne Absicht, so wird diese Sünde auch vergeben, soll aber bei der nächsten Beichte erwähnt werden.
Wann aber spricht die Kirche von einer Todsünde? Es muß 1. eine schwerwiegende sittlich negative Sache gegeben sein ("materia gravis"), 2. wird die ausreichend klare Erkenntnis darüber vorausgesetzt und 3. die nötige Freiwilligkeit der Zustimmung.
Sogenannte "Beichtspiegel" sind sehr hilfreich, was die "objektive" Seite der Sünde betrifft, d.h. ihren sachlichen Gehalt (ihre "Materie"). Ob bei einer Person eine ausreichend klare Erkenntnis vorhanden war oder die nötige Freiwilligkeit der Zustimmung, kann ein schriftlicher oder von einem Priester z.B. in einem Exerzitienvortrag vorgelegter Beichtspiegel natürlich nicht entscheiden. Hier traut die Kirche dem Gewissen des Gläubigen durchaus Urteilskompetenz zu!
Sowohl vor Leichtfertigkeit ("Ich habe ohnehin keine schwere Sünde") wie auch vor Skrupulosität ("Jede Sünde ist schwer") sollte man sich hüten. Hier ist eine gute Gewissensbildung wichtig.
Bei nichtskrupulösen Menschen löst sich das "Problem" der Beichtmaterie am leichtesten dadurch, daß sie in Demut und Reue die wichtigsten Sünden benennen, ohne im Einzelfall zu fragen, wie schwer sie wirklich vor Gott waren. Es ist ja auch erlaubt, ja sogar gut und heilsam, auch läßliche Sünden zu bekennen. Überdies kennt niemand das Herz des Menschen ganz (auch nicht wir selber); in diesem Fall ist es sicher ratsam, im Zweifelsfall an der objektiven oder subjektiven Schwere eine Sünde einfach zu bekennen.
Vorsicht: Skrupulanten bedürfen einer Sonderbehandlung, auf die ich im Rahmen dieses Beitrags leider nicht eingehen kann!
:)

Gottes Segen und viele Gnaden im Empfang des Bußsakraments wünscht allen von Herzen
Josephus,
der sich freut, als Priester immer wieder dieses Sakrament der göttlichen Barmherzigkeit spenden zu dürfen

Christian1

unregistriert

5

08.01.2003, 21:26

10 Gebote

Zitat

Original von JoJo-hannes
Die 10 Gebote sind kein willkürliches Regelwerk, dass Gott sich einfallen ließ. Als er sie dem Volk Israel gab, sagte er: "Heute lege ich euch das Leben und den Tod vor, wählet das Leben!" So sind Gebote und "Regeln" zu verstehen. Sie existieren nicht weil Gott oder Kirche sie aufgestellt haben, sondern sie versuchen das zu schützen was der Mensch ist und sein soll(!).
Hallo nochmals JoJo-hannes,

Im Zentrum der Offenbarung steht das Zehnwort, das die Hebräer "Tora" nennen, "Weisungen zum Leben".

Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken. Heribert Fischedick, ein Theologe, hat es in seinen Büchern wunderbar ausgedrückt:

"Deshalb bedeutet die Weisung, die hier erteilt wird, keine neue Knechtschaft, sondern Weisung, die gewonnene Freiheit zu bewahren. Die Tora ist das, worauf Gott mit dem Finger zeigt, es sind seine Hinweise."

Ganz ähnlich wie Du es in Deinem Eintrag ausgedrückt hast.

Heribert Fischedick hat es auch sehr verständlich in einem Vortrag erläutert:
"Die zehn Gebote – Weisungen für das Leben".

Der Vortrag ist wiedergegeben auf der Internetseite der "Katholischen Aktion – Bildungswerk" in einem pdf-Dokument (ich weiß nicht, ob ich's schaffe es hier hineinzustellen, ich versuch's):

www.katholische-aktion.at/bildung_fischedick.pdf

LG Christian

6

09.01.2003, 18:28

Hallo zusammen,

ich schrieb es schon einmal in einem anderen Zusammenhang und schließe mich dabei auch corinquietum an: Die Zeiten des Kapuziner-Paters Jone sind vorbei (obwohl sein Kommentar bzw. Übersetzung des CIC von 1918 immer noch einen großen Stellenwert hat). - Gerade die Kasuistik war es, die den Moraltheologen - auch Jone - immer eine große Freude bereitet hat. - Aber was bringt es, sich darüber auszulassen, ob der Gebrauch von Maggi-Speisewürzer am Freitag eine Sünde darstellt?

Wir Menschen entwickeln uns immer weiter, haben andere Bedürfnisse, erleben unsere Umwelt anders als unsere Vorfahren usw. - Was aber bleibt, das ist aber eine Tatsache: Wir Menschen sind unvollkommen und handeln oft gegen Gottes Gebot, wir sündigen. - Das ist ein unbestreitbares Faktum.

Von den alten "Beichtspiegeln", die es ja noch zuhauf gibt, halte ich persönlich recht wenig. Wichtig ist nur, daß ein Mensch, der Fehler begangen hat (= gesündigt hat), sich wieder mit Gott und den Menschen versöhnt. Dabei können "moderne Beichtspiegel" (ich nenne das einfach mal so) recht hilfreich sein. - Auch der Besuch eines Bußgottesdienstes kann eine wunderbare Vorbereitung auf das Bußsakrament sein (ein Bußgottesdienst ersetzt aber niemals die hl. Beichte !!).

Das Liturgische Institut Trier gibt - soweit ich weiß - zweimal im Jahr Handreichungen für die Feier von Bußgottesdiensten heraus. In diesen Handreichungen (in Form von sogenannten "Gebetszetteln") sind gute Hilfen zur Vorbereitung auf die Beichte gegeben.

Beispiel einer Handreichung zum Thema "... der werfe den ersten Stein":

Bin ich selbst nicht auch versucht, Steine zu werfen?
Steine auf Mächtige in Politik und Wirtschaft, die ihren Einfluß in meinen Augen mißbrauchen
Aber wie gehe ich selbst mit Menschen um, die von mir abhängig, mir unterlegen sind, in der Familie, am Arbeitsplatz, im Geschäft, auf der Straße?

Steine auf Menschen, die sich hemmungslos ausleben
Aber wie verhalte ich mich selbst, wenn äußere Kontrollen entfallen: unter Alkoholeinfluß, in fremder Umgebung, im Urlaub? Treibe ich Raubbau an meiner Gesundheit: durch Maßlosigkeit im Essen und Trinken, beim Fernsehen, bei der Arbeit, beim Sport?
Ist mir mein eigenes Vergnügen wichtiger als das Wohl meiner Familie?

Steine auf Menschen, die Gott und Kirche ablehnen oder sogar verachten
Aber was tue ich dafür, daß der Glaube an Gott heute wächst und weitergegeben wird an die jungen Menschen?
Stehe ich vor anderen zu meinem Glauben, nehme ich die Kirche gegen unsachliche Angriffe in Schutz?
Praktiziere ich meinen Glauben ausreichend durch regelmäßiges Gebet, durch Teilnahme am Gottesdienst?
Bilde ich mich weiter, um Rede und Antwort stehen zu können?


Dies möge als kleines Beispiel für einen "modernen Beichtspiegel" genügen. - Er kann aber immer nur ein kleiner Anhaltspunkt sein, um dann sich wirklich im Sakrament der Beichte sich dem unermeßlich gütigen Gott zu offenbaren.

Philosophus




Christian1

unregistriert

7

09.01.2003, 20:23

Zitat

Original von corinquietum Lieber Christian, ich möchte Dich einmal ganz konkret fragen, wo gibt es denn diese "Sündenspiegel", wie Du sie nennst? Kannst Du vielleicht aus einem solchen hier einige Punkte hereinstellen? Vielleicht ist es Dir möglich einen solchen "Sündenspiegel" anzugeben, man weiß dann, woraus Dein Problem oder Zwiespalt entsteht.
Lieber Werner,

im nächsten Eintrag möchte ich die von Dir angeregte Konkretisierung zu Beichtspiegel posten. Die Auszüge, sind Beichtspiegeln entnommen, die in Kirchen, zumindest in Wien aufliegen oder vor noch nicht langer Zeit auflagen. Vieles stammt auch aus dem erwähnten Beichtspiegel "Wie beichte ich richtig?" von Francisco Luna, welcher ebenfalls auf Zeitschriftenständern bereitgestellt ist.

Es liegt mir aber zuvor - jetzt schreibe ich fast im Amtston - ausdrücklich festzuhalten, dass ich damit keineswegs die Kirche oder den Katholizismus "unter einem Deckmantel belasten will". Wie mir unterstellt wurde.

Ich liebe die Kirche. Ich will aus Überzeugung Katholik sein! Auch wenn ich manchmal an der Kirche leide. Gerade Menschen die die Kirche lieben, leiden an Unzukömmlichkeiten. An Widersprüchen, die den Gegner der Kirche willkommene Angriffspunkte bieten. Ist es nicht vorstellbar, dass viele gläubige Menschen u.a. auch wegen einer rigiden Sündenlehre oder besser manchmal unverständlichen Sündenkatalogen, die sie teilweise als widersprüchlich finden, mit ihrem katholischen Glauben ringen. Ein Ringen durchaus in positiver Absicht, um den Glauben auch innerlich zu harmonisieren.

Darum sollte man in aller Offenheit und mit ehrlicher Zielsetzung, auch unter Katholiken über die Sünde diskutieren dürfen und wenn es sein muss auch kontroversiell. Kritische Gedanken, keineswegs Kritik um seiner selbst willen, sollten nicht als gegen die Kirche gerichtet, aufgenommen werden. Durch zweifelhafte Sündendarstellungen in Beichtspiegeln wird meines Erachtens die Wirklichkeit der Sünde angetastet, die Sünde in ihrer Bedeutung geschmälert.

Um dies zu veranschaulichen, werden im nächstfolgenden Eintrag meine Zitierungen aus Beicht- und Gewissensspiegel etwas länger ausfallen. Ich glaube dass so, die von Philosophus zurecht aufgezeigte Kasuistik und was das bedeutet, jedem anschaulicher wird.

Christian1

unregistriert

8

09.01.2003, 20:35

Texte aus Beichtspiegeln

Es ist mir noch darum zu sagen, dass ich die für mich bedenklichen Sündendarstellungen herausgreife ohne die Richtigkeit vieler anderer Darstellungen zu übersehen. Auch kann man bei unterschiedlicher Interpretation durchaus andere Schlüsse bei einigen Beispielen ziehen.

Wörtliche Texte aus Beichtspiegeln:

"Glaube ich fest an Gott? Halte ich fest an der Lehre der Kirche? Bekenne ich mich [I]aufrecht und furchtlos zum Glauben an Gott und die Kirche? Habe ich ernstlich an Glaubenswahrheiten gezweifelt? Habe ich an meinem ewigen Heil gezweifelt, oder habe ich vermessen darauf vertraut, dass Gott mich nicht verlassen werde, und habe ich dann mit größerer Gelassenheit gesündigt? Habe ich wenigstens innerlich einen Akt der Sühne geleistet, wenn ich gehört und gesehen habe, wie Gott durch irgend eine Lästerung beleidigt wurde? Was tue ich und wie viel Zeit verwende ich darauf, um den Glauben, der mir seit meiner Kindheit mitgegeben ist, zu überdenken und im Gespräch mit anderen zu vertiefen? Habe ich mich bemüht, in meinem Glauben an Gottes Vorsehung zu wachsen? Habe ich an Sonn- und Feiertagen lebendig, aufmerksam und mit Andacht die Eucharistie mitgefeiert? Glaube ich alles was die katholische Kirche lehrt? [/I] "

In totalitären Regime, stand und stehen kritische Äußerungen der jeweiligen Ideologie gegenüber unter schwerer Strafe. Auch Verstöße gegenüber den Zensurbestimmungen. Bei Gott sollte das bloße kritische Denken (nicht Handeln), schon Sünde sein, schwere Sünde! Die Zwangsvorschriften die manchmal zu den ersten drei Geboten in Beichtspiegeln formuliert sind - da nehmen sich manchmal Diktaturen direkt bescheiden aus.

Fortsetzung zu anderen Geboten folgt.

Christian1

unregistriert

9

09.01.2003, 20:51

Texte aus Beichtspiegeln

Fortsetzung von Texten aus Beichtspiegeln:

"Habe ich mit meinen Geschwistern gestritten? Habe ich mit meinem Gatten gestritten? Beklage ich mich vor meiner Familie über die Last, die mir meine häuslichen Pflichten bedeuten? Habe ich mich voll eingesetzt, für meine Familie ein ausreichendes Einkommen zu verdienen, so dass ich die Kinder, die Gott mir schenken möchte, um so bereitwilliger annehme und aufziehen kann? Liebe ich wirklich meinen Nächsten? Habe ich in der Familie durch Geduld und echte Liebe dazu beigetragen, dass alle sich wohlfühlen. Sind meine Rügen oder Ermahnungen an meine Kinder gerecht und zugleich Ausdruck meiner Liebe, oder handel ich aus Egoismus, Eitelkeit, Zorn, verletztem Stolz, Überdruß, Laune, Bequemlichkeit, Verständnislosigkeit, Geltungsbedürfnis usw.?"
Wer kommt da noch der Sünde aus??

"Habe ich bei Zusammenkünften von Jungen und Mädchen in meinem Haus die selbstverständliche Wachsamkeit geübt, sie nicht alleine zu lassen?"
Wo lebt eigentlich der Autor solcher Sätze?

"Erkläre ich meinen Kindern den Ursprung des Lebens, Schritt für Schritt, immer im Einklang mit ihrer Vorstellungswelt und Fassungsvermögen, und versuche ich dabei, ihrer natürlichen Neigungen immer ein wenig zuvorzukommen? Vermeide ich Auseinandersetzungen mit meinen Kindern, indem ich Kleinigkeiten, die sich mit etwas Umsicht und guter Laune leicht überwinden lassen, keine zu große Bedeutung beimesse?"

Fragt sich aus welchem Pädagogikbuch der Autor dies alles abgeschrieben hat, um es bei Zuwiderhandeln, zur Sünde zu erklären!

"Versuche ich meine Arbeit gut zu Ende zu führen in dem Bewusstsein, dass ich Gott keine Halbheiten anbieten kann? Bin ich meinen beruflichen Pflichten gebührend nachgekommen, und habe ich mir so meinen Gehalt wirklich verdient? Verrichte ich meine Arbeit mit dem nötigen Sachverstand?"
Ich fürchte, da sind viele sündig!!

"War ich nachlässig bei der Erfüllung meiner Pflichten? Schiebe ich häufig den Beginn der Arbeit und des Studiums auf? Bringe ich meine Arbeit, meine Freude und Sorgen vor Gott."
Wer kommt da noch der Sünde aus?

Christian1

unregistriert

10

09.01.2003, 21:02

Beichtspiegeltexte zur Sexualmoral

"Unterrichte ich mich, bevor ich eine Veranstaltung besuche oder eine Zeitschrift lese, über den moralischen Wert, um mich nicht bei der nächsten Gelegenheit zur Sünde auszusetzen und um eventuell Verbildung meines Gewissens zu vermeiden? Habe ich Unkeusches getan? Alleine oder mit anderen? Wie oft? Mache ich von der Ehe nur an jenen Tagen Gebrauch, an denen die Empfängnis ausgeschlossen ist? Wende ich diese Art der Geburtenkontrolle ohne schwerwiegenden Grund an? Habe ich empfängnisverhütende Mittel gebraucht? Habe ich mich bei unanständigen Gedanken oder Erinnerungen aufgehalten? Habe ich mich von schlechten Begierden gegen die Keuschheit und die Herzensreinheit leiten lassen, auch wenn ich nicht durch Taten gefolgt bin? Wie verhalte ich mich zur geschlechtlichen Liebe als verheirateter Mann?"

"Sinnliche Zärtlichkeiten - wie Blicke und Berührungen sind auch außerhalb der geschlechtlichen Vereinigung erlaubt (!). Ist Küssen eine Sünde ? Der Kuss kann auch sittlich nicht in Ordnung sein und selbst zur schweren Sünde werden, wenn er aus niedriger und gemeiner Begierde kommt oder zu ihr führt. Selbstverständlich erlaubt sind Küsse unter Verwandten, etwa zwischen Verlobten"

Entnommen einer katholischen Broschüre an Jungverliebte.

Noch eine kleine Sündenergänzung:
"Bin ich mir bewußt, dass politische, berufliche oder weltanschauliche Meinungsverschiedenheiten mir nicht das Recht geben, schlecht über andere zu urteilen oder zu sprechen noch ihre moralischen Fehler aufzudecken, solange dies nicht mit Rücksicht auf das Gemeinwohl notwendig ist?"

Wer kommt sich angesichts dieser Anforderungen nicht als Versager vor (Selbstwert!).

Unzweifelhaft ist für mich, dass manches ein anerkennenswerter Lebensvollzug wäre, aber Sünde, in der klassischen Bedeutung bei Nichteinhaltung? Natürlich gibt es auch manche "vernünftige" Sündenqualifikationen, die aber in eine Reihe - "gleichberechtigt" - mit zweifelhaften Sünden gestellt, untergehen, wenn nicht diskreditiert werden - die Sünde überhaupt diskreditieren.

Das Skrupulanten einer "Sonderbehandlung" bedürfen ist sicher richtig. Aber wie schaut es mit skrupulösen Beichtspiegeln aus?

Christian1

unregistriert

11

09.01.2003, 22:15

Zitat

Original von Philosophus Wir Menschen entwickeln uns immer weiter, haben andere Bedürfnisse, erleben unsere Umwelt anders als unsere Vorfahren usw. - Was aber bleibt, das ist aber eine Tatsache: Wir Menschen sind unvollkommen und handeln oft gegen Gottes Gebot, wir sündigen. - Das ist ein unbestreitbares Faktum.

Von den alten "Beichtspiegeln", die es ja noch zuhauf gibt, halte ich persönlich recht wenig. Wichtig ist nur, daß ein Mensch, der Fehler begangen hat (= gesündigt hat), sich wieder mit Gott und den Menschen versöhnt. Dabei können "moderne Beichtspiegel" (ich nenne das einfach mal so) recht hilfreich sein. ..........

Stehe ich vor anderen zu meinem Glauben, nehme ich die Kirche gegen unsachliche Angriffe in Schutz?
Praktiziere ich meinen Glauben ausreichend durch regelmäßiges Gebet, durch Teilnahme am Gottesdienst?
Bilde ich mich weiter, um Rede und Antwort stehen zu können? ......................

Dies möge als kleines Beispiel für einen "modernen Beichtspiegel" genügen. - Er kann aber immer nur ein kleiner Anhaltspunkt sein, um dann sich wirklich im Sakrament der Beichte sich dem unermeßlich gütigen Gott zu offenbaren.
Lieber Philosophus,

danke, dass Du Auszüge (?) des "modernen Beichtspiegel" gepostet hast. Das scheinen mir Gewissensanforderungen zu sein, die - ich sags mal wieder so - für einen "Duchschnittskatholiken" leb- und erfüllbar sind. Womit sich auch der "gemeine" Gläubige identifizieren können müßte. Danke und lass Dich geistig umarmen.

Liebe Grüße
Christian

PS: Wie kann man zu so einem "moderen Beichtspiegel" kommen?

Josephus

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12

09.01.2003, 22:20

Zitat

Original von Christian1 Das Skrupulanten einer "Sonderbehandlung" bedürfen ist sicher richtig. Aber wie schaut es mit skrupulösen Beichtspiegeln aus?


Lieber Christian,

solche Beichtspiegel sind natürlich nicht unfehlbar und vermögen nur eine allgemeine Orientierung zu geben, auch da, wo sie ins Detail gehen. Denn jeder Mensch ist anders!

Wie wirken diese Beichthilfen auf katholische Christen?
- Ein großer Teil wird sich dadurch überhaupt nicht betroffen fühlen, da man ohnehin angeblich weiß, daß man keine Sünde hat, weil man niemanden umgebracht hat etc.
- Ein anderer Teil wird kritisch und selbständig anhand eines solchen mehr oder weniger hilfreichen Beichtspiegels über seine Gewissenslage nachdenken. Was brauchbar ist, wird angewandt; was wenig hilfreich ist, spielt keine große Rolle und belastet ihn auch nicht.
- Eine dritte Gruppe von Gläubigen schließlich nimmt solche Beichtspiegel sehr ernst und fühlt sich ihnen stark verpflichtet. Von daher ergeben sich natürlich auch spezifische Konfliktsituationen, wenn man bei bestimmten Fragen anderer Auffassung ist als der Beichtspiegel. Genau das scheint mir ja bei Dir, lieber Christian, der Fall zu sein!
Diese dritte Gruppe neigt mitunter zur Skrupulosität. Der Skrupulant will im Prinzip durch eigenes Bemühen sündenlos sein; er läßt sich nicht vergeben und Trost zusprechen und kommt eben dadurch nicht aus der Sünde heraus (in seinem subjektiven Empfinden).
Wer hingegen demütig weiß und bekennt, daß er vor Gott nie ganz fehlerfrei und nur selten ganz sündenlos dastehen kann, und zugleich ohne Vermessenheit, aber in gläubiger Hoffnung auf die göttliche Barmherzigkeit vertraut, wird das gute Bemühen nicht aufgeben, sich aber auch nicht über Gebühr belasten mit diesen Sündenkatalogen. Es wird dann einfach genügen, regelmäßig zu beichten und in aller Demut ein christliches Leben zu führen, das von der Liebe zu Gott und den Menschen durchdrungen ist!

Gottes Segen!
Josephus

P.S. Übrigens: Es gibt tatsächlich auch (schwere) Gedankensünden gegenüber Gott und dem Nächsten - ganz grundsätzlich gesprochen und Bezug nehmend auf eine Meinung von Dir in einem obigen Posting.

Christian1

unregistriert

13

09.01.2003, 22:46

Lieber Josephus,

ich danke Dir für Deine verständnisvolle Antwort. Vielleicht hast Du auch recht mit der Analyse der "dritten Gruppe von Gläubigen". Aber ich denke, sie teilt sich noch auf. Nämlich in jene, die durch eine total überzogene Sündendarstellung, in ihrem Sünden- und Schuldbewusstsein – ich sag mal so – verprellt werden. Wodurch die wirkliche Bedeutung der Sünde leidet.

Danke nochmals
Christian

Geist aus Appenzell

unregistriert

14

09.01.2003, 23:39

Lieber Christian

So wie ich das sehe, herrscht nun ein Konsens, dass diese alten Sündenspiegel nicht verpflichtend sind, Anhaltspunkte darstellten und heute durch die gewandelte Lebenssituation nicht mehr 1:1 umsetzbar sind.

Ich glaube auch, dass diese Ausschnitte aus irgendwelchen Beichtspiegeln und ä. nicht verpflichtend zu gebrauchen sind, oder?

Ich jedenfalls habe in meiner Umgebung noch nie solche Beichtspiegel gesehen oder davon gehört, Du tust mir hier also eine neue Welt auf, die mir zeigt wie materialistisch diese BS doch sind, wie Du schon mehr zurecht gesagt hast.

Eine Frage bleibt in meinen Gedanken noch hängen, die Du mir sicher erklären kannst:

Ist die Sünde zeitgebunden? War früher Sünde, was heute keine Sünde mehr ist? Ist heute Sünde, was früher noch keine war, oder keine mehr sein wird?

Gottes Segen

Philothea

Moderator

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Wohnort: Region Bonn

Beruf: Kinderkrankenschwester

15

10.01.2003, 08:47

Was ist Sünde?

Lieber Christian und ihr anderenn

Ein wenig befremdlich finde ich es, was ihr über die Beichtspiegel schreibt.
Für mich ist und war ein Beichtspiegel immer eine Hilfe in der Vorbereitung auf die Beichte.
Es hilft mir mein eigenes Leben zu reflektieren und auf Gebiete aufmerksam zu werden, wo ich ein wenig blind bin.
Die Beichtspiegel geben in gewisser Weise ein Ziel vor - daß ich hoffentlich am Ende meines Lebens auch erreiche.
Ich denke nicht, daß sie aussagen, wenn du nicht in allen Punkten so und so handelst gehst du verloren.
Aber um zu Gott zu kommen, sollte mir klar sein, in welche Richtung ich gehen will und dabei hilft auch der Beichtspiegel.
Für mich ist er konkreter, als viele Bibelstellen.(aus denen er ja oft abgeleitet wird)
Da ist dann die Frage: Was ist Sünde?
Sünde ist, sich von Gott abzuwenden.

Dadurch wird mir klar, das ein Beichtspiegel sehr allgemein gehalten werden muß.
Auf mich persönlich kann er nicht eingehen - er kann und will eben nur Hilfe sein.
Und da gebe ich dir recht, Christian, es wird zu wenig klar gemacht: Was für mich eine Sünde ist, muß für dich nicht unbedingt eine Sünde sein.
Denn zur Sünde gehört dazu, das ich es weiß und will.

Es gibt natürlich feste Anhaltspunkte, wie z.B. die 10 Gebote.
Aber auch hier gillt: Ich kann sie nur halten, wenn ich sie kenne und begriffen habe.

so das fürs Erste
liebe Grüße
Philothea
Gegen Stolz, gegen Neid, gegen Lieblosigkeit und Hass gibt es ein einziges, großes Heilmittel - die Liebe.
(Franz von Sales)
:P Philothea 8)

Josephus

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16

10.01.2003, 08:50

Zitat

Original von Geist aus Appenzell Ist die Sünde zeitgebunden? War früher Sünde, was heute keine Sünde mehr ist? Ist heute Sünde, was früher noch keine war, oder keine mehr sein wird?


Sünden geschehen zwar immer in Raum und Zeit, eingebettet in verschiedene objektive und subjektive Umstände - insofern kann man sagen, daß Sünde zeitgebunden ist.
Aber: Gott ändert sich nicht, und ebenso unveränderlich ist in seinem Wesen der Mensch, das Ebenbild Gottes, der eine unverletzliche Würde besitzt.
Von daher gibt es tatsächlich bestimmte sittlich negative Verhaltensweisen, die unabhängig von den konkreten Umständen immer unter Sünde verboten sind (d.h. es gibt in sich schlechte sittliche Handlungen).

Zitat

KKK 1756:
"Es gibt Handlungen, die wegen ihres Objekts in schwerwiegender Weise, unabhängig von dem Umständen und den Absichten, in sich schlecht sind, z.B. Gotteslästerung und Meineid, Mord und Ehebruch. Es ist nicht erlaubt, etwas Schlechtes zu tun, damit etwas Gutes daraus entsteht."


Herzliche Grüße und Gottes Segen
Josephus

corinquietum

unregistriert

17

10.01.2003, 12:53

@Christian1

Professor Anton Ziegenaus, Dogmatker in Augsburg und Schüler von Kardinal Leo Scheffczik bringt einen hervorragenden Artikel zum Sakrament der Buße in dem Band "Verantworteter Glaube" Theologische Beiträge 1
der Dir aus Deinem Zwiespalt, so meine ich heraushelfen könnte. Das Buch ist erschienen im Stell Maris Verlag e.K., Geistbergstr. 16, 86647 Buttenwiesen
Tel. 08274/6543. Fax 08274/6542.

Aus der Einleitung zu seinem Artikel:
"Der Breslauer Theologe Joseph Wittig schreibt in seinen Erinnerungen, dass der Priester den Kindern in Religionsunterricht die Liebe Christi daran erläutert hat, dass er die Beichte eingesetzt hat, so dass wir Menschen immer wieder Vergebung für unsere Sünden erhalten können. Er aber, Wittig, habe sich gedacht:Wenn Christus tatsächlich si gut ist, warum hat er dann die beichte nicht abgeschafft?
Ein scherwiegender Umschwung wird an dieser Episode deutlich: Das Sakrament als Erlösungsmittel wurde zumFolterwerkzeug, das Zeichen der vergebenden Nähe Gottes zumTrauma, das österliche Sakrament des Auferstandenen zu einerdrückenden Last. Nicht mehr die Sünde ist das Problem, sondern die Beichte.....
Ich meine, da höre ich unseren Christian !
Ich habe diese Einleitung hierher gesetzt, viellcit, dass Du neugierig geworden bist und Dir das Buch zulegst?
Auch die anderen Artikel des Buches sind natürlich von großer Klarheit und wohl auch verständlich geschrieben.

Mit Augustinus: "Nimm und lies!"

Gottes Segen!
Werner

18

10.01.2003, 15:45

Hallo Christian1 !
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass durch seltsame
Sündendarstellungen a la: Maggi oder 49 gramm Gläubige skrupulös werden, oder ihren glauben verlieren.
Ich bin solchen Dingen glücklicherweise erst begegnet, als ich gefestigt genug war, das dann nicht allzu ernst zu nehmen. Ich weiss aber nicht (und will's auch gar nicht wissen) was passiert wäre, wenn ich das ein oder andere schon früher in die Finger gekriegt hätte.

Aber wenn's denn schon mal passiert ist, ist die Ursache erstmal zweitrangig.
Wichtiger ist die Frage: Wie geht man damit um?
Dazu haben ja schon einige was geschrieben.

Alles gute!
Miss Marple

Josephus

Erleuchteter

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Wohnort: Tirol, jetzt Niederösterreich

Beruf: Priester, Theologe, Webmaster

19

10.01.2003, 16:35

Zitat

Original von Christian1 Wörtliche Texte aus Beichtspiegeln:

"Glaube ich fest an Gott? Halte ich fest an der Lehre der Kirche? Bekenne ich mich [I]aufrecht und furchtlos zum Glauben an Gott und die Kirche? Habe ich ernstlich an Glaubenswahrheiten gezweifelt? Habe ich an meinem ewigen Heil gezweifelt, oder habe ich vermessen darauf vertraut, dass Gott mich nicht verlassen werde, und habe ich dann mit größerer Gelassenheit gesündigt? Habe ich wenigstens innerlich einen Akt der Sühne geleistet, wenn ich gehört und gesehen habe, wie Gott durch irgend eine Lästerung beleidigt wurde? Was tue ich und wie viel Zeit verwende ich darauf, um den Glauben, der mir seit meiner Kindheit mitgegeben ist, zu überdenken und im Gespräch mit anderen zu vertiefen? Habe ich mich bemüht, in meinem Glauben an Gottes Vorsehung zu wachsen? Habe ich an Sonn- und Feiertagen lebendig, aufmerksam und mit Andacht die Eucharistie mitgefeiert? Glaube ich alles was die katholische Kirche lehrt? [/I] "

In totalitären Regime, stand und stehen kritische Äußerungen der jeweiligen Ideologie gegenüber unter schwerer Strafe. Auch Verstöße gegenüber den Zensurbestimmungen. Bei Gott sollte das bloße kritische Denken (nicht Handeln), schon Sünde sein, schwere Sünde! Die Zwangsvorschriften die manchmal zu den ersten drei Geboten in Beichtspiegeln formuliert sind - da nehmen sich manchmal Diktaturen direkt bescheiden aus.


Gerade die hier zitierten Beispiele sehe ich persönlich überhaupt nicht tragisch und für eine Beichtvorbereitung durchaus zumutbar. Die von Dir, lieber Christian, unterstrichenen Attribute wollen weniger eine Verschärfung sein, als vielmehr aufzeigen, daß es einerseits den Anspruch der christlichen Lehre und ihrer Gebote gibt, andererseits auch die bewußte Infragestellung, die man durchaus "ernst" nehmen soll.
Glaube muß, auch wenn er angefochten wird (und wer erlebt das nicht), dennoch immer "fest" sein, d.h. die Glaubenswilligkeit des Menschen muß bestehen bleiben und Gottes Gnade versiegt schließlich auch nicht, selbst da, wo wir sie nicht spüren. Die Notwendigkeit, alles zu glauben, was Gott geoffenbart hat und durch seine Kirche lehrt, ist an sich auch klar. Gegenüber Gott, der absoluten Wahrheit, der in Liebe dafür garantiert, kann und darf ich mir nicht einfach das, was ich für "Rosinen" halte, herauspicken. Es ist und bleibt vielmehr die ganze Heilsbotschaft, auch in ihren "dunklen Seiten" (Sünde, Gericht, Hölle), eine Frohbotschaft, da der Aspekt von Gnade, Vergebung, Rettung vonseiten Gottes immer "überwiegt"!
Ich wollte Dir nicht nahetreten, wohl aber aufzeigen, daß man solche Beichtspiegel auch durchaus unterschiedlich lesen und interpretieren kann. Auch diese Texte brauchen ein grundsätzliches Wohlwollen, denn die Verfasser sind keine machtgierigen Inquisitoren, die nur darauf warten, uns dem höllischen Feuer auszuliefern ... Am wenigsten möchte das Gott, der immer die rettende Liebe ist, gerade auch in diesem Sakrament!
;)

Gottes Segen
Josephus

20

10.01.2003, 17:08

Lieber Christian1,

ich habe schon in meinem Posting betont, daß die von mir genannten "Anregungen" als sogenannte "Gewissenserforschung" durchaus dazu beitragen können, eine Versöhnung mit Gott und den Menschen herbeizuführen.

Das von mir genannte Beispiel ist von einem Gebetszettel entnommen. Es gibt viele Gebetszettel mit derartigen Gewissenserforschungen, vom Liturgischen Institut in Trier herausgegeben. Ich habe rund 35 dieser Gebetsbildchen, weiß aber nicht, ob ich sie als pdf-Datei veröffentlichen darf (es liegt offensichtlich ein Copyright auf den Bildern).

Folgende thematische Gebetszettel gibt es (zu einem Bibelvers sind entsprechende "Gewissenserforschungen" angegeben):

Abraham
Gott ruft Abraham - Gott ruft mich (Hebr 11,8 - Jes 41,8 - Röm 4,17)

Selig, die geladen sind
Das ungewöhnliche Gebot Jesu (Joh 13,34-35)

Samariter Christus
Mit Jesus 2 Tim 2,11-13

Sprich nur ein Wort
Hauptmann / Kafarnaum - Mt 8,5-8

Öffnet dem Erlöser die Türen
Lk 19, 37.41.42.44

Für uns
Jes 53,4a.5

Mit Jesus unterwegs
Emmaus

Würdig bist du
Apokalypse (= Offenbarung des Johannes)

Christus, unser Licht
Mt 20,29-34

Gott die Ehre geben
Lk 17,11-29

Was er euch sagt, das tut.
Joh 2,1-12

Was dir Frieden bringt
Lk 19 f.

Selig seid ihr
Mt 5,1-12

Was sollen wir tun?
Lk 3,10-14

Der Prophet Jona
Gott läßt uns nicht los

Aufstieg der Erlösten zu Christus
Bibelhandschrift des Doms zu Bamberg

Das Gesetz Christi
Ex 20,2-17; Dtn 5,1-11; mt 5,17; Joh 13,34

Der barmherzige Vater
Lk 15,11-32

Der Menschensohn kommt
Mt 25.35-36.40

Sünde ist ... zu wenig Liebe

Das neue Jerusalem
Hebr 13,14; Hebr 12,22; Offb 21,10.23

Hörendes Herz
Mt 13,16 f.

Uns anvertraut
Kol 1,16 f.

... der werfe den ersten Stein
Joh 8,3.5.7

Steh auf und geh!
Lk 5,19.24.25

Leben hinter Masken
Lk 12,30-31

Sein Gewand berühren
Mk 5,25-29

Mit Jesus auf dem Weg

Christus anziehen
Gal 3,26-27

Am Ende Grenzen - Engel Gottes

Komm, Herr Jesus Joh 1,14

Augen-Blicke
Weinende Frauen - Veronika am Kreuzweg

Durchkreuzt
Verschlungen ist der Tod vom Sieg (1 Kor 15,55)

beschenkt und gerufen

Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben

Ganz bei sich - ganz bei Gott

Meine Seele preist die Größe des Herrn (Lk 1,46)


Diese "Gewissenserforschungen" können allerdings nicht die hl. Beichte ersetzen. Sie dienen - wie der Name schon ausdrückt - der Gewissenserforschung, sozusagen als "Beicht-Spiegel". - Einige Gebetszettelchen habe ich mehrfach - melde Dich doch einfach per PN oder email bei mir; ich werde Dir gerne das zusenden, was ich doppelt habe.

Aber: Eine Versöhnung mit Gott und den Menschen kann nur im Sakrament der Buße stattfinden. Alles andere, insbesondere was ich zu Bußandachten oder Gewissenserforschungen hier gesagt habe, ist nur eine gute Vorbereitung auf das Sakrament der Buße.

Philosophus







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