21.10.2017, 06:58 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden
  • Registrieren

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: kathNews. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

corinquietum

unregistriert

1

03.12.2002, 14:20

Toleranz?!

Angeregt durch den Bericht von kath.net über ein Interview mit Kardinal Ratzinger und den Hirtenbrief von Bischof Müller von Regensburg könnte ich mir vorstellen, daß es wichtig und notwenig wäre, einmal Toleranz in allen ihren Schattierungen und Spielarten zu definieren.

2

03.12.2002, 14:29

eine deutschlehrerin

hat es folgendermaßen erklärt:
toleranz heißt in der grundbedeutung erdulden, es ist also etwas das man nicht will, aber über sich ergehen läßt..
respekt heißt eine sache ernst nehmen, auch wenn man sie nicht teilt
akzeptieren heißt eine meinung als begründet erachtem und daher annehmen

ich bin intolerant: dinge die ich ablehne toleriere ich sicher nicht!
ich versuche aber auch die meinung von anderen zu respektieren, die menscehn dahinter auf jeden fall, und wenn sich eine anschauung bewahrheitet akzeptiere ich diese meinung auch...
es gibt kein recht auf ein unrecht!


Acrimon

Schüler

Beiträge: 122

Wohnort: Bayern

Beruf: Informatiker

3

03.12.2002, 17:08

Toleranz wird aber heute nicht als "erdulden", sondern als "Rücksicht nehmen" verwendet.
Denn sonst würde man Toleranz nicht so oft fordern.

Ein Nichtraucher ist duldsam (nicht tolerant), wenn er den Rauch eine Rauchers erträgt.
Ein Raucher ist tolerant (nicht duldsam), wenn er in Gegenwart von Nichtrauchern aufs Rauchen verzichtet.

corinquietum

unregistriert

4

03.12.2002, 21:17

Stichworte zum Nachdenken:

Friedrich II., König in Preußen: "In meinem Staate soll jeder nach seiner Facon selig werden"

Der Volksmund: "Jedem wohl und niemandem wehe" ?(

5

03.12.2002, 22:23

Zitat

Original von corinquietum
Der Volksmund: "Jedem wohl und niemandem wehe" ?(


Hm, also der Volksmund meint damit ja wohl eher Schönrederei. Das ist keine Toleranz, das ist schlichtweg Feigheit :)

Für mich hat Toleranz immer geheißen: Etwas so sein lassen wie es ist, obwohl ich ne andere Meinung hab.
Den Buddhaweg erfahren heißt, sich selbst erfahren.
Sich selbst erfahren heißt, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen meint, sich in Allem wahrnehmen.
Buddhistischer Zen-Meister

Marvin

unregistriert

6

03.12.2002, 22:23

In dem World Tolerance Award für den Papst - Threat sagt Benedikt, das kommt von
tolerare - ertragen, erdulden.

Ich glaube das ist gar keine so schlechte Tugend für einen Christen. Man muss auch manchmal Ungerechtigkeiten über sich ergehen lassen können, ohne gleich zurück zu "schlagen".

Toleranz im religiösen Bereich meint vor allem den Menschen die freie Religionswahl zu ermöglichen und nicht einen Glauben aufzuzwingen. Das bedeutet natürlich auch, dass man für seinen Glauben werben/eintreten darf und das andere das auch respektieren sollten.

reto

Erleuchteter

Beiträge: 4 027

Wohnort: Bistum Chur

Beruf: Dipl. El.-Ing ETH, Primarlehrer

7

03.12.2002, 23:43

Zitat

Original von corinquietum
Friedrich II., König in Preußen: "In meinem Staate soll jeder nach seiner Facon selig werden"
Beim "aalen Fritz" kommt mir immer folgendes in den Sinn.
Quoniam si reprehenderit, nos cor nostrum:
maior est Deus corde nostro, et novit omnia. (1 Joh 3,20)

Louis-Louis

unregistriert

8

04.12.2002, 18:09

Zitat

Original von Lars
Toleranz im religiösen Bereich meint vor allem den Menschen die freie Religionswahl zu ermöglichen und nicht einen Glauben aufzuzwingen. Das bedeutet natürlich auch, dass man für seinen Glauben werben/eintreten darf und das andere das auch respektieren sollten.

(Kursivhervorhebung im Zitat von mir) Da liegst Du eindeutig falsch, Lars. Toleranz beschränkt sich auf die Ausübung. Wenngleich das Wort durch die Mode eindeutig einen positiven Touch erobert hat, ist Toleranz kein Wert an sich, schon gar kein bejahender. Sie ist eine Verhaltensweise gegenüber einem Übel, die von Fall zu Fall aus Gründen der Klugheit geboten sein kann, manchmal nicht. Oder etwas milder ausgedrückt: die edle oder klug ausgeübte Duldsamkeit dem (irrenden) Mitmenschen gegenüber. Im übrigen ist sie nicht zu verwechseln mit barer Gleichgültigkeit und/oder geistiger Schlamperei.

Louis

corinquietum

unregistriert

9

04.12.2002, 18:42

Mit den Begriffen Gleichgültigkeit/Schlamperei kommst Du, lieber Louis, der Sache schon näher, die ich mit dem Thema eigentlich im Sinn hatte.
Card Ratzinger sagt ja in dem erwähnten Interview, daß z.B. der Relativismus ein neuer Ausdruck der Intoleranz sei. Bischof Müller schreibt: "Für sich selbst fordert man Toleranz. Christen gegenüber ist man aber höchst intolerant. Doch Toleranz ist ein Prinzip, das nur auf Gegenseitigkeit funktioniert."

10

04.12.2002, 18:57

Zitat

Original von Louis-Louis
Toleranz beschränkt sich auf die Ausübung. Wenngleich das Wort durch die Mode eindeutig einen positiven Touch erobert hat, ist Toleranz kein Wert an sich, schon gar kein bejahender.


Ich bitte doch mal endlich zu berücksichtigen, dass die deutsche Sprache sich entwickelt und nicht stillsteht und man heute unter Toleranz eben etwas anderes versteht als die wörtliche Übersetzung aus dem Lateinischen. Genauso ist es mit Religion, Transzendenz und vielem anderen. Langenscheidts Fremdwörterbuch sagt:

Toleranz, die; -,-en 1. Duldsamkeit, Verständnis, Akzeptanz gegenüber einer anderen, abweichenden Meinung, Haltung oder Lebensart, Ggs. Intoleranz (1) 2. (med.) Widerstandskraft eines Organismus gegen Krankheitserreger, Giftstoffe oder Strahlen, Ggs. Intoleranz (2) 3. (tech.) Bereich, innerhalb dessen ein Maß, Gewicht oder Fertigungsmaß von einem vorgegebenen Wert abweichen darf
Den Buddhaweg erfahren heißt, sich selbst erfahren.
Sich selbst erfahren heißt, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen meint, sich in Allem wahrnehmen.
Buddhistischer Zen-Meister

Louis-Louis

unregistriert

11

04.12.2002, 19:09

Zitat

Original von oimel
Ich bitte doch mal endlich zu berücksichtigen, dass die deutsche Sprache sich entwickelt und nicht stillsteht und man heute unter Toleranz eben etwas anderes versteht als die wörtliche Übersetzung aus dem Lateinischen.


Das hat doch mit Weiterentwicklung nichts zu tun, Worte einer anderen Sprache wegen der FALSCHEN ANWENDUNG dem Slang anzupassen! Ein Esel bleibt ein Esel, auch wenn er ständig Pferd genannt würde. Wenn schon 'Weiterentwicklung ins Heute', dann bitte im logischen Sinn: so von mir aus - wenn's sein muss - zB von der Putzfrau über die Raumpflegerin zur Reinigungsfachkraft.

12

04.12.2002, 19:20

Zitat

Original von Louis-Louis
Das hat doch mit Weiterentwicklung nichts zu tun, Worte einer anderen Sprache wegen der FALSCHEN ANWENDUNG dem Slang anzupassen! Ein Esel bleibt ein Esel, auch wenn er ständig Pferd genannt würde. Wenn schon 'Weiterentwicklung ins Heute', dann bitte im logischen Sinn: so von mir aus - wenn's sein muss - zB von der Putzfrau über die Raumpflegerin zur Reinigungsfachkraft.


Wenn heute jemand von Toleranz als Wert spricht, meint er nunmal NICHT erdulden, sondern die "Akzeptanz gegenüber einer anderen, abweichenden Meinung, Haltung oder Lebensart". Sonst hast Du da was falsch verstanden.


Den Buddhaweg erfahren heißt, sich selbst erfahren.
Sich selbst erfahren heißt, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen meint, sich in Allem wahrnehmen.
Buddhistischer Zen-Meister

Louis-Louis

unregistriert

13

04.12.2002, 19:28

@oimel

Zitat

Original von oimel
... sondern die 'Akzeptanz gegenüber einer anderen, abweichenden Meinung, Haltung oder Lebensart'. Sonst hast Du da was falsch verstanden.

Ich verstehe allenfalls deswegen falsch, weil Du alles verschiebst. Ich fange jetzt aber nicht noch eine Diskussion über 'Akzeptanz' an. Acceptus: willkommen, angenehm. Netten Abend noch.

14

04.12.2002, 19:34

Zitat

Original von Louis-Louis
Ich verstehe allenfalls deswegen falsch, weil Du alles verschiebst. Ich fange jetzt aber nicht noch eine Diskussion über 'Akzeptanz' an. Acceptus: willkommen, angenehm. Netten Abend noch.


*seufz* Ich verschiebe gar nichts. Ich sage nur: Wenn jemand von der Toleranz als Wert spricht, meint er damit nicht die ursprüngliche Bedeutung der Toleranz, sondern eine andere. Sonst macht das doch gar keinen Sinn...
Den Buddhaweg erfahren heißt, sich selbst erfahren.
Sich selbst erfahren heißt, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen meint, sich in Allem wahrnehmen.
Buddhistischer Zen-Meister

15

04.12.2002, 19:41

Zitat

Original von corinquietum
Bischof Müller schreibt: "Für sich selbst fordert man Toleranz. Christen gegenüber ist man aber höchst intolerant. Doch Toleranz ist ein Prinzip, das nur auf Gegenseitigkeit funktioniert."


Leider schreibt Bischof Müller nicht, wo er die Intoleranz gegenüber Christen sieht. Ich habe ja bereits versucht zu beschreiben, dass Toleranz heute eben meist gleichgesetzt wird mit "Verständnis" und "Akzeptanz eine anderen Meinung". Dies ist wohl der Grundgedanke, wenn man Toleranz "von jemand einfordert". In diesem Sinne sollte man solche Forderungen wohl auch verstehen, denn sonst versteht man sie u.U. falsch.

Worin also besteht Intoleranz gegenüber Christen?
Den Buddhaweg erfahren heißt, sich selbst erfahren.
Sich selbst erfahren heißt, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen meint, sich in Allem wahrnehmen.
Buddhistischer Zen-Meister

corinquietum

unregistriert

16

04.12.2002, 20:59

Mein lieabs oimele,
Bischof Müller sagt es unter anderem ganz deutlich zwei Abschnitte weiter oben, (falls Du Dich der Mühe unterziehen solltest und soviel Frustrationstoleranz aufbrächtest, in kath.net. seinen Hirtenbrief zu studieren!!!):
"Wie Sie alle täglich hören und sehen, ist zur Zeit wieder einmal eine Lawine der Diffamierung gegen das Christentum losgetreten worden. In den Augen der Zeitgenossen soll insbesondere die katholische Kirche vorgeführt werden, die hinter den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft und der allgemeinen Gesellschaftsentwicklung zurückgeblieben sei. Der Jugend redet man ein, die Kirche sei etwas von gestern. Für alle negativen Erscheinungen möchte man die katholische Kirche zum Sündenbock machen, etwa nur um vom eigenen Versagen abzulenken? Eine aus der Kulturrevolution der 68er Jahre übriggebliebene Ideologie, die sich slsbt als linksliberal anpreist, gibt sich aus als die Wächterin der Errungenschaften des Sozialismus und freigeistiger Aufklärung."
Sind nicht so manche Beiträge in verschiedenen Threads dieses forum gerade zu klassische Beispiele für Intoleranz gegenüber der katholischen Lehre, und versucht nicht immer wieder einmal so ein "Schlau´le" sich in missionarischer oder provokativer Absicht einzuklicken, um es diesen katholischen Hinterwäldlern einmal wieder zu zeigen? Toleranz: andere Meinungen, Auffassungen, Lebensentwürfe gelten lassen, ja, sofern dies der andere mir gegenüber auch tut!
Aber "hic jacet lepus in papavere", man mäkelt oft nur herum und macht anderes oder andere mies.
usw.... Fortsetzung möglich!

Tschüss! :rolleyes:

17

04.12.2002, 21:29

Zitat

Original von corinquietum
Mein lieabs oimele,
Bischof Müller sagt es unter anderem ganz deutlich zwei Abschnitte weiter oben, (falls Du Dich der Mühe unterziehen solltest und soviel Frustrationstoleranz aufbrächtest, in kath.net. seinen Hirtenbrief zu studieren!!!):


Ich gebe zu, ich habe den Hirtenbrief nicht gelesen und es gerade mit dem Artikel über Kard. Ratzinger verwechselt. Mein Fehler, gestehe ich ganz offen ein.

Das die Kirche etwas "von gestern" sein soll, gut, das muss jeder für sich selbst beantworten, ob er das so empfindet. Da gebe ich Dir ja sogar recht.

Was ich nicht verstanden habe, ist, in welchen Bereichen die Kirche als Sündenbock herhalten soll?
Den Buddhaweg erfahren heißt, sich selbst erfahren.
Sich selbst erfahren heißt, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen meint, sich in Allem wahrnehmen.
Buddhistischer Zen-Meister

18

05.12.2002, 10:05

@oimel

ich bezweifle, daß in einem wort nicht auch die grundbedeutung mitschwingt,
zudem wird toleranz auch von denen gefordert, die eindeutig gegen andere menschen handeln, wie zB die raucher, fordern mehr toleranz von den nichtrauchern, und da ist es auch so, die nichtraucher sollen nämlich den gestank des nikotins und die realen gesundheitsschäden ertragen, erdulden, und das soll eine positive eigenschaft sein?
die meisten die toleranz einfordern, fordern etwas ein, das anderen unangenehm ist, und das kann ich nicht akkzeptieren.

manchmal ist weniger mehr., auch wenn ich nicht alles akzeptiere, das die kirche sagt, respektiere ich sie doch, und achte ich sie und ihre vertreter..
auch wenn ich nicht den buddhismus / islam /andere naturreligionen akzeptiere respektiere ich sie, damit ist nämlich auch eine kritik möglich...

ich bin intolerant, denn entweder es ist was gutes, dann braucht niemand meine toleranz oder es ist etwas ungutes, das werde ich nicht tolerieren...

und einfach aus bequemlichkeit meinen mund halten, werd ich auch nicht!
es gibt kein recht auf ein unrecht!


Benedikt

Meister

Beiträge: 2 878

Wohnort: Deutschland

19

05.12.2002, 11:17

Zitat

Was ich nicht verstanden habe, ist, in welchen Bereichen die Kirche als Sündenbock herhalten soll?

Ich empfehle dir einen Blick in die Kirchenberichterstattung des Spiegels. Oder ein Hinweis auf das jüngste Buch von Daniel Goldhagen. Oder auf den schaurigen Umgang mit Inquisition und Hexenprozessen.
Weblog:Speculum@kathhost
Mein Nutzername im Kath.net-Leserbereich: Nyger

Generator...

unregistriert

20

05.12.2002, 12:00

*Kopfschüttel*

Zitat

Oder auf den schaurigen Umgang mit Inquisition und Hexenprozessen.


Wenn irgendwas daran schaurig war dann die Prozesse selbst.

Und ich finde es immer wieder erschütternd wenn sich die Kirche nicht einmal dazu durchringen kann, zuzugeben, daß sie Mist gebaut hat.

Thema bewerten