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1

28.01.2005, 21:44

Priester und Erfüllung im Beruf

Im Thread "Beruf und Erfüllung" wird viel über Erfüllung im beruflichen Leben diskutiert.

>Erfüllung findet man doch im Glauben, nicht im Beruf. .... Und schließlich kann ja nicht jeder Theologe oder Lehrer werden.<

"Und schließlich kann nicht jeder Theologe werden". Was bedeuten würde, dass nur der Theologe (neben Lehrer) ein echt erfüllender Beruf ist. -)

Was ich so mitbekommen habe, sind im Forum einige Priester dabei.
Wäre ganz interessant von ihnen zu erfahren, ob man im "Beruf" Priester (so immer) Erfüllung findet. Ich meine allerdings Erfüllung bei der "Jobausübung".

Priester sein, ist wohl einer, wenn nicht der erfüllenste Berufe schlechthin, weil man hiezu wirkliche Berufung fühlen muss. Und man ständig für seinen Glauben und Christus unterwegs ist.

Aber ob es immer erfüllend ist?
Wenn man z. B. oft vor leeren Kirchenbänken die Messe ließt und predigt.
Wenn man die Kircheaustrittszahlen betrachtet.
Die Gemeinde immer kleiner wird oder wenige sich engagieren.
Wenn man bei manchen Bekehrungsversuchen nicht erfolgreich ist.
Predigten und Missionieren bei vielen nichts fruchtet.
Wenn Predigten bei manchen Gläubigen bei einem Ohr hinein gehen und kaum außer der Kirche, beim anderen Ohr hinausgehen.

Für Gott und Jesus sein Leben als Priester zu weihen und bei und für die Menschen zu wirken ist sicher erfüllend! Aber ....

Klaus
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Röm. 8.15

abbé jos

unregistriert

2

28.01.2005, 23:09

Noch bin ich nicht Priester.
Aber seit meiner Diakonenweihe vor etwas mehr als einem Monat bin ich noch jeden Abend glücklich und zufrieden ins Bett gegangen, auch wenn der Tag anstrengend und die Ernte nicht sehr einfach war.
Letztendlich ist es ja Gott, der handelt, und Ihm vertraue ich meinen Dienst an.
In Gottes Namen glücklicher weiter...

JoJo-hannes

unregistriert

3

29.01.2005, 08:52

Outing:

Ich bin zwar noch in meinem Primizjahr aber, soviel möchte ich wenigstens für einen Jung-und-(noch)-dumm-Priester sagen:

Entmutigung kommt dort wo man enttäuscht wird. Enttäuscht wird man dort, wo etwas nicht eintrifft, was man sich wünscht. Die Frage ist also: Was wünscht man sich? Wünscht man sich einige der Dinge, die Du (Klausi), aufgezählt hast, stimmt es, dass man entmutigt dastehen könnte. Wünscht man sich hingegen, sich ganz Gott hinzugeben, sind die Dinge, die einen Entmutigen können nur die persönliche Schwachheit und Sünde - die jedoch anzupacken, hängt nur von einem selber ab.

Fazit: Der Priester, der seine Augen auf die Welt richtet wird mit der Welt im Sumpf der Sünden verzweifeln. Der Priester, der seine Augen auf Gott richtet, wird über das grüne Gras des Himmels wandeln - und hinter ihm ein Rattenschwanz von Gläubigen, denen er nicht die Welt, sondern Gott gezeigt hat.


Jakoba

Meister

Beiträge: 2 814

Wohnort: Bistum Chur und bin stolz darauf!

Beruf: Pönitente

4

29.01.2005, 08:59

@ Klausi,

warum schaust du so schwarz drein, wie die Reformierten ihren Pfarrer?
Katholische Priester, dass sind immer die Weissen!

">Erfüllung findet man doch im Glauben, nicht im Beruf. .... <" alles andere ist Überfüllung?

Die Priester sind wie unsere Mütter:
sie gehen einkaufen, schleppen soviel Nahrung heran, stundenlang stehen sie in die Küche, schauen dass sie schonend und nahrhaft alles zubereiten, decken den Tisch mit Liebe und Fürsorge, warten auf Partner und Kinder, und wenn es dann soweit ist...

... ist in 5 minuten alles gegessen?

Erfüllung findet man im Glauben UND im Beruf, wenn der Beruf mit Glauben "er-füllt" wird!


edit: ... Gruss vom Rattenschwanz! :D


... ps: unsere Reformierten Brüder sollen bitte keinen Anstoss nehmen: dies ist nur ein Wortspiel wegen den Farben, sonst wirklich nichts!
Gebetsbuch: "Sakrament des Altars" bei www.aszetik.net
Suche: "Leben der Heiligen" P. François Giry

ThomasAquinas

unregistriert

5

29.01.2005, 09:36

@all

ich wünsche euch (noch-nicht-ganz-aber-fast ;) ) Priestern von ganzem Herzen alle Erfüllung, die der Himmel nur schenken kann!
Nicht aufgeben, auch wenn manchmal Enttäuschungen kommen!

Liebe Grüße, Thomasine

Jakoba

Meister

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6

29.01.2005, 09:48

Zitat

Original von ThomasAquinas
... alle Erfüllung, die der Himmel nur schenken kann!
Nicht aufgeben, auch wenn manchmal Enttäuschungen kommen!

wieso????
Die Erfüllung des Himmels enttäuscht doch nie??

Ich verstehe dein Besorgnis nicht!
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ThomasAquinas

unregistriert

7

29.01.2005, 10:07

@Jakoba

Nein, die Erfüllung des Himmels täuscht nice - das ist richtig - aber in der Gemeinde sind Menschen, und die können enttäuschen - auf rein menschlicher Ebene!
Auf "himmlischer" Ebene wird man, wenn man die Berufung zu diesem "Beruf" hat, bestimmt nicht enttäuscht!

;)

Jakoba

Meister

Beiträge: 2 814

Wohnort: Bistum Chur und bin stolz darauf!

Beruf: Pönitente

8

29.01.2005, 12:15

@ Thomasine,

Dann muss ich mich eben klarer ausdrücken:

ich will dich nicht verstehen:
es ist alsob du eine Mutter zum Neugeborenen Baby gratulierst, und dem Baby anschaust und sagt:

Willkommen auf die Erde, kleiner Mensch. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alle Erfüllung, die der Himmel nur schenken kann! Aber nicht aufgeben, auch wenn du ein paar Kinderkrankheiten bekommen wirst.
Gebetsbuch: "Sakrament des Altars" bei www.aszetik.net
Suche: "Leben der Heiligen" P. François Giry

9

29.01.2005, 16:18

Zitat

Original von Jakoba
@ Klausi, warum schaust du so schwarz drein, wie die Reformierten ihren Pfarrer?
???

Zitat

Original von Jakoba
Erfüllung findet man im Glauben UND im Beruf, wenn der Beruf mit Glauben "er-füllt" wird!
Antwort:

Zitat

Original von Klausi

Seinen Glauben auch im Beruf zu leben, darin sehe ich kein Problem. Es wäre ja traurig, wenn Glaube nur ein Lippenbekenntnis wäre. Ich wüsste nicht, was für einen Nachteil man damit hat seinen Glauben, im Beruf umzusetzen. Nämlich im Verhalten zu den Kollegen. Wo sonst, wenn nicht im Alltag.
Herzliche Grüße
Klaus
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Röm. 8.15

10

30.01.2005, 22:36

Diese Antwort hätte ich fast übersehen.

Zitat

Original von JoJo-hannes
Entmutigung kommt dort wo man enttäuscht wird. Enttäuscht wird man dort, wo etwas nicht eintrifft, was man sich wünscht. Die Frage ist also: Was wünscht man sich? Wünscht man sich einige der Dinge, die Du (Klausi), aufgezählt hast, stimmt es, dass man entmutigt dastehen könnte. Wünscht man sich hingegen, sich ganz Gott hinzugeben, sind die Dinge, die einen Entmutigen können nur die persönliche Schwachheit und Sünde - die jedoch anzupacken, hängt nur von einem selber ab.

Fazit: Der Priester, der seine Augen auf die Welt richtet wird mit der Welt im Sumpf der Sünden verzweifeln. Der Priester, der seine Augen auf Gott richtet, wird über das grüne Gras des Himmels wandeln - und hinter ihm ein Rattenschwanz von Gläubigen, denen er nicht die Welt, sondern Gott gezeigt hat.
@ JoJo-hannes

Ich denke, ein Priester der "sich ganz Gott hingibt und seine Augen auf Gott richtet", und alleine damit Erfüllung findet ist doch selbstverständlich. Das sollte aber auch auf gläubige Nichtpriester zutreffen. Aber das kann nicht die ganze Erfüllung sein. Dass ein Priester dem Rattenschwanz von Gläubigen Gott zeigt und nicht die Welt, ja, das ist seine Aufgabe. Aber wenn der "Rattenschwanz" trotzdem mehr die Welt sieht und nicht Gott, das meinte ich mit "Nichterfüllung". Wenn die Schäfchen immer weniger werden. Das ist leider Tatsache. Und das kann, muss aber nicht an der persönlichen Schwachheit und Sünde eines Priesters liegen.

Und da spanne ich jetzt den Bogen zum Thread "Erfüllung im (weltlichen) Beruf"
Dass man von seinem Beruf erfüllt, seinem Produkt überzeugt sein soll, sollte (fast) selbstverständlich sein. Aber was, wenn trotz eigener Überzeugung und Erfüllung mein Produkt nicht mehr gefragt wird, immer weniger mein Produkt kaufen. Und es gibt auch ausgezeichnete Produkte, die nicht mehr gefragt werden.

Zur Erfüllung im Job gehört auch der Erfolg am Markt.

Klaus
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Röm. 8.15

Geist aus Appenzell

unregistriert

11

31.01.2005, 15:55

Zitat

Original von Klausi
Ich denke, ein Priester der "sich ganz Gott hingibt und seine Augen auf Gott richtet", und alleine damit Erfüllung findet ist doch selbstverständlich.


Sorry, das stimmt einfach nicht. Danke jeden Tag, wenn Du so jemanden bei Dir hast!!

Zitat

Aber das kann nicht die ganze Erfüllung sein.


Du willst mehr als den Himmel???? 8o

Zitat

Dass ein Priester dem Rattenschwanz von Gläubigen Gott zeigt und nicht die Welt, ja, das ist seine Aufgabe.


Kommt denn das bei einer Ganzhingabe nicht wie automatisch? Muss man sich bemühen neben der Ganzhingabe an Gott, oder löst diese auch das andere in dem Masse aus, wie es Gott will und zulässt?

Ich sehe im Uebrigen, dass Du mit Erfüllung das meinst, was Du selber tust und erreichen kann, sozusagen Deine Leistung. Davon nehme ich Abstand mit den Worten: Herr, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!

Zitat

Zur Erfüllung im Job gehört auch der Erfolg am Markt.


Nur so hingeworfen: Priester sind berufen, die haben keinen Job...

Gottes Segen

[/QUOTE]

12

31.01.2005, 16:16

Gestern hat sich unser Kaplan für meine Familie Zeit genommen und noch einmal über die Sonntagslesungen gesprochen. Nur viel tiefer und länger, als es in der Messe möglich war.

Da sprach er darüber, was es bedeutet selig zu sein und wie man in diesem Leben - gerade angesichts der vielen Herausforderungen und Probleme - dahingelangen kann.

Er sprach explizit über Armut im Geiste, Armut vor Gott und was das für ihn als Priester bedeutet und auch für jeden Gläubigen.

Ich meine, er hat ja das ganz normale Theologiestudium genossen mit all den verweltlichten Theorien über Bibelwissenschaften etc.

Doch das scheint ihn nur noch stärker gemacht zu haben und nicht angefochten. Er kennt nun die ganzen Argumente aber widerlegt sie in so klarer Weise, dass es selbst meine Kinder verstehen.

So ein Vertrauen in Gottes Führung, in der Muttergottes.

Wow!

Allein anhand dieses Beispiels die Möglichkeit zu sehen, dass man in der heutigen Situation ein so tief gläubiger Priester sein kann...

Mensch, wenn ich früher zum wahren Glauben gekommen wäre, vor meiner Heirat, und so einen Priester kennengerlernt hätte. Wer weiß?

Meine Frau ist froh, dass es nicht so gekommen ist...
Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Hauswesen Gottes verhalten muss, das heißt in der Kirche des lebendigen Gottes, die die Säule und das Fundament der Wahrheit ist.

1.Timotheus 3:15

Geist aus Appenzell

unregistriert

13

31.01.2005, 16:20

Zitat

Original von prim_ass
Meine Frau ist froh, dass es nicht so gekommen ist...


dito, aber psst, "Feind hört mit" :D


Gottes Segen

14

31.01.2005, 21:40

@Geist aus Appenzell

eigentlich habe ich mir Antworten von Priestern erhofft. Denn die können über Ihre Gefühlslage zur Erfüllung im Beruf (hier Berufung) berufener antworten.

Du hast mich gründlich missverstanden oder besser, ich habe mich missverständlich ausgedrückt.
Erfüllung oder Nichterfüllung im Beruf(ung) ist durchaus auch ein menschliches (verständliches) Gefühl. Wenn immer weniger Menschen glauben, der Kirche den Rücken kehren, was übrigens nicht der Wille Gottes ist, dann kann dies nicht erfüllend sein. Mich stimmt es jedenfalls traurig.

Zitat

Original von Geist aus Appenzell
Ich sehe im Uebrigen, dass Du mit Erfüllung das meinst, was Du selber tust und erreichen kann, sozusagen Deine Leistung. Davon nehme ich Abstand mit den Worten: Herr, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.
Ist das nicht ein bisschen protestantisch? Vielleicht verstehe ich auch die Rechtfertigungslehre falsch.
Von meiner Leistung nehme ich nicht Abstand. Und natürlich fühle ich dabei auch so etwas wie Erfüllung, wenn ich Erfolg habe. Im Übrigen versuche ich in Gott absolute Erfüllung zu finden.

Klaus
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Röm. 8.15

15

01.02.2005, 09:26

Zitat

Original von prim_ass
Mensch, wenn ich früher zum wahren Glauben gekommen wäre, vor meiner Heirat, und so einen Priester kennengerlernt hätte. Wer weiß?

Meine Frau ist froh, dass es nicht so gekommen ist...


Da braucht sie sich keine Sorgen zu machen...... :D
Sowohl mein Mann als auch ich sind früh genug zum Glauben gekommen, um unsere Berufungen prüfen zu können (was eine besondere Gnade ist). Und trotzdem hat sich keiner von uns für ein zölibatäres Leben entschieden.

Das ist ja auch eine Berufungsfrage......


Ich kenne ein Ehepaar, wo der Mann sich in der Verlobungszeit die Frage nach dem Priestertum gestellt hat. Die Frau blieb ganz ruhig, und hat ihn einfach prüfen lassen- sie war sich eh sicher, dass er das nicht macht, weil er zur Ehe berufen ist. Sie hatte auch recht.

Geist aus Appenzell

unregistriert

16

01.02.2005, 09:31

Zitat

Original von Klausi

Du hast mich gründlich missverstanden


Entschuldigung.


Zitat

Zitat

Original von Geist aus Appenzell
Ich sehe im Uebrigen, dass Du mit Erfüllung das meinst, was Du selber tust und erreichen kann, sozusagen Deine Leistung. Davon nehme ich Abstand mit den Worten: Herr, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.
Ist das nicht ein bisschen protestantisch? Vielleicht verstehe ich auch die Rechtfertigungslehre falsch.
Von meiner Leistung nehme ich nicht Abstand. Und natürlich fühle ich dabei auch so etwas wie Erfüllung, wenn ich Erfolg habe. Im Übrigen versuche ich in Gott absolute Erfüllung zu finden.


Also, mir gehts nicht aus Etiketten, ist auch möglich, dass da noch was aus meiner Vergangenheit mitschwingt, aber ich sehe genau das umgekehrte, dass die Haltung, Erfüllung mache ich selber, protestantisch, oder besser weltlich, ist.

Vielleicht haben wir uns auch hier missverstanden?

Gottes Segen

17

03.02.2005, 17:45

Zitat

Original von Geist aus Appenzell
Ich sehe im Uebrigen, dass Du mit Erfüllung das meinst, was Du selber tust und erreichen kann, sozusagen Deine Leistung. Davon nehme ich Abstand mit den Worten: Herr, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!
Ich werde eine weitere Antwort zu Deinem Zitat hinüberstelten in den Thread "Beruf und Erfüllung". Denn dort passen diese Deine/meine Gedanken besser dazu.

Klaus
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Röm. 8.15

herzrosenduft

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Beruf: Gärtner

18

01.10.2010, 08:36

Bischof Genn, Bischof von Münster in einem Interview:

Frage: Sie fühlen sich unter den Priestern wohl, und sie sind gern Priester...

Bischof Genn: Auf jeden Fall. Ich würde niemals etwas anderes machen wollen. Ich habe es noch nie bereut, auch wenn die Last mitunter schwer ist; dies kann ich in gleicher Weise auch mit Blick auf den bischöflichen Dienst sagen. Ich bin gern Priester, weil ich in der Tiefe meinesw Herzens spüre: Das ist das, was du in deinem Leben sollst....

Frage: Wofür braucht die Kirche Priester?

Bischof Genn: Wir brauchen Priester, damit die Gläubigen immer wieder neu genährt werden von Wort und Sakrament, um so sich um die Ärmsten der Armen kümmern zu können.

Frage: Macht das den priesterlichen Dienst aus?

Bischof Genn: Ja,...Das Eigentlichge tut der Herr, und er braucht mich als Werkzeug...

Frage: Die Priester sind vielfach in der Defensive wegen der Diskussion um den Zölibat und das Frauenpriestertum.

Bischof Genn: Das Allerwichtigste ist, dass sie von Herzen die Menschen lieben, auf die Menschen zugehen und ihnen ihre Liebe schenken. Dann werden die Menschen sehen: Da ist jemand, der ist ganz für uns da, der mischt sich unter das Volk, der ist Zeuge des Evangeliums. Dann treten die Fragen nach Zöibat und Frauenpriestertum in den Hintergrund....

Frage zum Weihe-Priestertum und zum Allgemeinen Priestertum

Bischof Genn: Das Weihe-Priestertum ist dazu da, dass das allgemeine Priestertum seiner Sendung folgen kann. Und das tut das Weihe-Priestertum, indem es das Wort Gottes verkündet und die Sakramente feiert.

Frage:...Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen kann gefüllt und fruchtbar gemacht werden

Bischof Genn: ...indem die Leute wirklich Nahrung bekommen in den Predigten und durch die Gottesdienste. Sie sollen dadurch angeregt werden, darüber nachzudenken, was ihre Sendung als Christen ist.

Frage: Der Druck auf die Geistlichen wächst auch deshalb, weil sie immer weniger werden und immer komlexere Aufgaben übernehmen sollen...

Bischof Genn: Das Einzige, was ich von ihnen wirklich erwarte ist, dass sie das tun, was sie tun können - mehr geht nicht. Was darüber hinausgeht, ist zu viel. Daher sollen sie beim Wesentlichen bleiben, nämlich Wort, Sakrament und Dienst an den Armen...

Das Interview ist auszugsweise wiedergegeben worden und ist ganz nachzulesen in der Bistumszeitung Kirche und Leben, Ausgabe 3.Oktober
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Der Papst betont die Wichtigkeit eines „christlichen Stils“ der Präsenz auch in der digitalen Welt:

„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

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Wohnort: 1010, WIEN

Beruf: Kath.Priester des röm.Ritus (Stephansdom) u.Erzpriester des byzant.Ritus(für Ukrainer) / Gymnasiallehrer ( Rk ) i.R.

19

01.10.2010, 10:08

Priester sein

Als ich 17 Jahre alt war, gab mir mein Beichtvater, der damalige Domprediger des Stephansdomes das Buch: "Priesterliche Existenz" des berühmten Wiener Pastoraltheologen Michael Pfliegler, das dieser lange vor dem Zweiten vatikanischen Konzil geschrieben hatte. Nicht nur Grundfragen der priesterliche Existenz werden hier besprochen, sondern auch die verschiedenen Charaktertypen von uns Priestern dargestellt. Heute, 43 Jahre später, im 36. Jahr meines Priestertums, habe ich das Buch wieder einmal in die Hand genommen. Ich lese es heute sicher anders, wie damals als Jugendlicher vor meinem Theologiestudium.
Die Freude des Priesterseins kommt aus mehreren Quellen. Zuerst einmal die Beziehung zu Gott! Wir dürfen ein Leben lang Gott in dieser Welt präsent machen, durch die Verkündigung, die Spendung der heilige Sakramente, besonders durch die Feier der heiligen Messe. Vor fünf Jahren hatte ich meinen ersten Krankenstand in meinem ganzen Leben, ein schwerer Sturz auf dem Glatteis am Schulweg, der einen komplizierten Trümmerbruch zur Folge hatte. Das ganze wurde operiert, verschraubt und dann hieß es, ich dürfte 70 Tage lang den linken Fuß nur mit 10 kg belasten! Am fünften Tag nach der Operation bemerkte der Chirurg, dass es mir nicht ganz gut ging (dabei hatte ich bereits am zweiten Tag begonnen mit einem Gehgestell- Rollator, unermüdlich auf und ab zu gehen). So schlug der Chirurg vor, mich mit dem Rollstuhl in die Spitalskapelle zu bringen, wo ich die Messe konzelebrieren könnte .Als ich in der Kapelle angekommen war, ist der Pfarrer nicht gekommen. Weil ich kurze Zeit auf einem Bein stehen konnte, nahm ich die Messgewänder und gelangte mit dem Rollator zum Altar.Ab diesem Tag, ließ man mich jeden Tag die Messe feiern und schickte mich am 10. Tag nach der Operation nachhause. Im Stephansdom konnte ich dank der Hilfe der Mesner meinen ganz normalen Dienst wieder aufnehmen (nur Kommunion spenden konnte ich wegen der Stufen nicht, aber da gab es genügend Helfer). Am 28. Tag nach dem Unfall brachten mich die Mesner mit dem Auto in meine Schule, die einen Aufzug hat und so konnte ich auch wieder unterrichten.Warum ich gerade das erzähle? Weil mir damals bewusst wurde, dass die priesterliche Existenz sich aus der Gegenwart Gottes im eigenen Leben, im Dasein für andere verwirklicht. Ich denke an die vielen Stunden, die ich in meinem Leben schon die Beichte gehört habe, manchmal 8-10 h in der Woche, pausenlos in 4-5 Sprachen! Ich denke an junge Menschen, viele aus osteuropäischen Ländern, die hier studieren und auch ein wenig Begleitung brauchen. Ich denke an die Kranken, die alten Menschen, die Sterbenden, die ich besuchen und begleiten konnte und die mir durch ihren Mut und ihren Glauben auch sehr viel mitgegeben haben.Ich denke an die Schülerinnen und Schüler aus meinem Gymnasium, die ich auch in meiner Jugendgruppe hatte, die ich getraut habe, deren Kinder ich getauft habe, und die ich jetzt bereits unterrichte. Bei mir kommt sicherlich noch eine etwas exotische Freude dazu, da ich seit 36 Jahren auch Seelsorger für die griechisch katholischen Ukrainer bin und daher im wunderschönen byzantinischen Ritus die Liturgie zelebrieren und Sakramente spenden darf. Gerade diese Menschen aus Osteuropa, haben mich voll in ihre Gemeinde integriert und mich nie als Ausländer behandelt! Dazu kommt zweifellos auch Freude am Studium der Theologie, wohl gemerkt an einer gediegenen, katholischen Theologie, die durchaus brisante Fragen nicht ausklammert! Denn solche Fragen werden mir in der Schule und in der Gesellschaft oft gestellt. Ich halte auch seit 35 Jahren regelmäßige theologische Vorträge an meinen Dienstorten, in denen ich bewusst auf Fragen der Menschen antworten will. Priester zu sein ist kein Job, das erlebe ich auch im Urlaub, den ich immer im Gebirge verbringe, ein bisschen als Einsiedler, aber in Verbindung mit den vier Pfarren, die der dortige Pfarrer betreuen muss. Und so hat dieser Priester eine Vertretung, damit er auch einmal wegfahren kann, meist in verschiedene Städte, oder zum Weltjugendtreffen, weil er weiß, dass sein Freund und Mitbruder inzwischen seine Pfarren betreut. Und nicht zuletzt, ich habe eine Menge Leute, junge und ältere, die mich in den Dingen, die ich nicht so gut kann, beratend begleiten (zum Beispiel: Küche, Haushalt, spezielle Fragen am Computer.....). Wer alles verlässt um Christi willen, erhält viel mehr zurück. Das habe ich nicht nur in der Zeit des vorher genannten Krankenstandes bemerkt, sondern eigentlich immer! Ich wünsche allen Priestern in diesem Forum die gleichen Erfahrungen, die gleiche Freude und den gleichen Segen Gottes! Msgr. Franz Schlegl :)

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20

01.10.2010, 13:20

RE: Priester sein

Bei mir kommt sicherlich noch eine etwas exotische Freude dazu, da ich seit 36 Jahren auch Seelsorger für die griechisch katholischen Ukrainer bin und daher im wunderschönen byzantinischen Ritus die Liturgie zelebrieren und Sakramente spenden darf. Gerade diese Menschen aus Osteuropa, haben mich voll in ihre Gemeinde integriert und mich nie als Ausländer behandelt!


Monsignore,

Was ich sage ist ein wenig off topic,und ich bitte daher um Verzeihung.Aber ich war schon einmal in den 70er-Jahren in der Barbarakirche in Wien bei der hl.Messe der ukrainischen Katholiken,und habe es geliebt.

Damals lebte eine alte Tante in Wien,die sehr unter der Reform der Liturgie,die sie von klein auf kannte ,litt.Ungehorsam ,oder abgleiten in das Schisma kam für sie nicht in Frage.Daher besuchte sie damals jeden Sonntag die Liturgie der Ukrainer,und als ich sie einmal,ich war noch ein Halbwüchsiger, besuchte,nahm sie mich mit.

Es war für mich ein wunderschönes Erlebnis.
"So ist es auch nicht Liebe, wenn man die Irrlehre, die Entstellung und Auflösung des Glaubens wuchern läßt, als ob wir den Glauben selbst erfänden. Als ob er nicht mehr Gottes Geschenk, die kostbare Perle wäre, die wir uns nicht nehmen lassen."

Papst Benedikt XVI

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