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Josephus

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1

03.06.2002, 20:07

Herz-Jesu-Verehrung

Der Monat Juni gilt traditionellerweise als "Herz-Jesu-Monat". Am Freitag nach der (liturgisch nicht mehr bestehenden) Fronleichnamsoktav feiert die Kirche das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Was ist der eigentliche Sinn der Herz-Jesu-Verehrung? In die Anbetung Jesu Christi, des wahren Gottes und Menschen, ist alles einzubeziehen, was zu seiner Menschheit gehört, so auch das Herz Jesu, obwohl in dessen Verehrung nicht so sehr auf das physische Herz als vielmehr auf die durch das Herz symbolisierte Person und Liebe Jesu geachtet wird, wie Papst Pius XII. in seiner berühmten Herz-Jesu-Enzyklika "Haurietis aquas" vom 15. Mai 1956 ausführt, siehe http://stjosef.at/dokumente/haurietis_aquas.htm

Litanei vom Heiligsten Herzen Jesu - siehe http://www.stjosef.at/herzjesu/litanei.htm

Wie ist Euer persönlicher Zugang zur Herz-Jesu-Verehrung? Wie kann man den Menschen unserer Zeit das Heiligste Herz Jesu als Quelle der Liebe und Barmherzigkeit neu erschließen? Gibt es da ermutigende Erfahrungen?

Gottes Segen wünscht allen
in Corde Iesu et Mariae
Josephus

SpanishInquisition

unregistriert

2

03.06.2002, 20:32

hindernis

ich denke, ein erster schritt, für die heutige zeit den zugang zu erleichtern wäre die beseitigung so mancher furchtbar kitschiger herz-jesu-darstellung.

fono

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3

03.06.2002, 21:13

@Josephus
Es wird dich vielleicht nicht wundern, dass mir die Herz-Jesu-Verehrung etwas fremdartig vorkommt. :) Ich konnte in dem Text nichts darüber finden, wie diese Anbetung praktisch ausgeführt wird oder ich habe es überlesen. Mache ich das zu Hause oder in einer Kirche und muss/kann ich dabei ein Jesus-Bild ansehen? Gibt es weitere spezielle Gebete wie die Jesus-Litanei? Da du bestimmt weisst wie das geht, bin ich voller Erwartung auf eine Erklärung.

@Inquisition
Diese Darstellungen sind Geschmackssache und eigentlich auch kein Kitsch im eigentlichen Sinne. Das tolle Jesus-Bild aus der Litanei könnte ich mir gut als weiteres und erstes christliche Tattoo vorstellen.


Josephus

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4

03.06.2002, 21:18

@SpanishInquisition

Was für den einen Kitsch darstellt (und das manchmal aus guten Gründen!), ist für den anderen vielleicht eine sehr hilfreiche Hinführung zum Glaubensgeheimnis der Liebe Gottes.
Was hältst Du vom Bild des barmherzigen Jesus, wie es nach Angaben der hl. Schwester Faustyna angefertigt wurde? Siehe http://www.fatima.ch/Barmherziger_Jesus.jpg

Ich kenne sehr fromme Leute, die sagen, es sei Kitsch; andere wiederum finden hier einen Zugang zum Glaubensgeheimnis der Liebe des Herzens Jesu.


@Fono
Die Frage lautet, ob die Herz-Jesu-Verehrung eine "Spezialandacht" ist oder ohnehin in jeder christusförmigen Frömmigkeit mitenthalten ist!
Natürlich dürfen wir den Herrn unter dem Bild seines heiligsten Herzens auch ausdrücklich verehren, etwas durch das Beten der Litanei oder in persönlichem Gebet. Wer aber einmal begriffen hat, daß im Gegenüber zu Gott letzlich immer nur die Liebe zählt, der wird die Herz-Jesu-Verehrung nicht als einen äußeren Zusatz zum ansonsten schon recht angefüllten Glaubensleben ansehen, sondern als weitere Entfaltung (Explikation) des bereits Gegebenen: Der Herr Jesus Christus ist ja derselbe geblieben; wenn er sein Herz in Liebe öffnet, dann lädt er uns eben aufs neue ein zu Glauben und Vertrauen!

Gottes Segen!
Josephus

fono

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5

03.06.2002, 21:41

@Josephus
Verzeih mir bitte, wenn ich etwas begriffsstutzig bin. Wenn ich zu Jesus bete versuche ich (meist) nachdem ich ihm meinen Kram an den Kopf geworfen habe auch darauf zu hören was er mir sagen möchte. Ist das schon Herz-Jesu-Anbetung oder noch nicht?


Josephus

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6

03.06.2002, 21:58

Ich glaube, man muß nicht immer direkt an das Heiligste Herz Jesu denken!
Beim Beten ist übrigens etwas vom Wichtigsten auf Gott zu hören (!), wie Du es ja auch tust. Ich würde meinen, bleib ganz locker und unverkrampft und bete so, wie es das Herz eingibt. Da würde ich meinen, daß dies durchaus mit Herz-Jesu-Verehrung etwas zu tun hat.

;)

Josephus

fono

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7

03.06.2002, 22:07

@Josephus
Regelmässiges und richtiges Gebet gehört imo zu den schwersten christlichen Handwerken überhaupt. Leider muss ich mich in dieser Hinsicht auch noch als Lehrjunge bezeichnen. Das Hören auf Gott gehört für mich dabei zum schwierigsten Teil. Oft knalle ich ihm nur meine Probleme vor den Latz und gehe dann schnell wieder...
In letzter Zeit habe ich aber einige katholische Gebetspraktiken als sehr praktisch und kraftgebend erfahren. Vielleicht "erwische" ich so ja auch noch das Herz (und damit das Innerste) von Jesus. :))

Danke für den Herz-Jesu-Tipp!

PS: Was bedeutet eigentlich "Corde Iesu et Mariae "? - Jesus und Maria kann ich noch heraus lesen...


Josephus

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8

03.06.2002, 22:20

Zitat

Original von fono PS: Was bedeutet eigentlich "Corde Iesu et Mariae "? - Jesus und Maria kann ich noch heraus lesen...


Als ich in der Grußformel schrieb "in Corde Iesu et Mariae" meinte ich: wir sind geborgen "im Herzen Jesu und Mariens", wobei hier wohl zu unterscheiden ist:
Das Herz Jesu dürfen wir anbeten (Jesus ist ja wahrer Gott und Mensch), während wir das Herz Mariens verehren mit jener Liebe, die ihr als Gottesmutter und unsere himmlische Mutter gebührt!

Josephus

abbé jos

unregistriert

9

04.06.2002, 14:16

persönlich mag ich die Herz-Jesu-Verehrung (HJV), obwohl lange zeit schien sie mir als kitsch, eben wegen der vielen darstellung, die heute nicht mehr jedem gefallen. aber in der pfarrei wo ich gross geworden bin, hatte die liturgische feier des festes oder des ersten freitag das eben nicht und so konnte ich es als ein zugang zu der Liebe Gottes erfahren. und so freue ich mich auf diesen monat wo ich nochmal zweimal Fronleichnam "nachfeiern" darf. Fronleichnam und Herz-Jesu hängen ja eng zusammen. ist es nicht die Liebe Christi, die uns die Eucharistie zur stärkung gegeben hat.

zum thema "kitsch"
es wird ja gerade der HJV vorgeworfen, sie sei sehr verkitscht. und wie oben bereits gesagt, hatte ich als jugendlicher meine probleme damit. vor einiger zeit sagte der emeritierte ordinarius für kunstgeschichte an der uni des saarlandes, msgr. franz ronig, einen satz, der mich zum nachdenken gebracht hat: "im spanischen gibt es das wort kitsch nicht - auch kein synonym. der spanier nennt es "arte sentimental"." sentimentale kunst aus dem glaubensgefühl entstanden, das hilft mir eben mit der künstlerichen gestaltung der HJV zurecht zu kommen, auch wenn es mir von der ästhetik nicht gefällt.

fono

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10

05.06.2002, 21:16

@abbé jos
Sentimentale Kunst trifft es ganz gut. Bist du mal mit einem durchschnittlichen mexikanischen Taxi gefahren? Solche Wagen bestehen fast ausschließlich aus "arte sentimental"! Überhaupt scheinen Südamerikaner keinerlei Scheu zu haben sich mit "Kitsch" zu umgeben. Vielleicht liegt es nur an der deutschen Wesensart (die ich auch den Österreichern unterstelle), dass ein röhrender Hirsch über das Sofa kommt, ein "sentimentales" Jesus-Gemälde jedoch nicht. Trotzdem wäre es mal interessant moderne Herz-Jesu-Bilder anzufertigen.


Josephus

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11

06.06.2002, 22:05

Am 19. Juni 1675, in der Fronleichnamsoktav, erschien Jesus Christus der heiligen Margareta Maria Alacoque, als sie vor dem Tabernakel kniete. Er zeigte ihr sein Herz und sagte:

"Sieh hier das Herz, das die Menschen so sehr liebt, daß es nichts gespart hat, um sich zu opfern, und zu erschöpfen in Liebesbeweisen; und als Dank empfange ich von den meisten Menschen nur Kälte, Unehrerbietigkeit, Verachtung und Sakrilegien in diesem Sakrament der Liebe. Was mich aber am meisten schmerzt, ist, daß Herzen, die Mir besonders geweiht sind, Mir auf diese Weise begegnen. Darum verlange Ich von dir, daß der erste Freitag nach der Fronleichnamsoktav ein besonderer Festtag zur Verehrung Meines Herzens werde; daß man an dem Tage sich dem heiligen Tische nahe, und einen Ehrenersatz leiste, zur Sühnung all der Beleidigungen, welche Meinem Herzen, seit es auf den Altären weilt, zugefügt wurden, und ich verspreche dir, daß Mein Herz diejenigen im reichsten Maße den Einfluß seiner Liebe fühlen lassen wird, die es verehren, und die sorgen, daß es auch von andern verehrt werde."

Morgen feiern wir das Herz-Jesu-Fest, das die Kirche nach langer Prüfung im Jahre 1856 eingeführt hat, nachdem man sich vergewissert hatte, daß das Anliegen der Herz-Jesu-Verehrung sich nicht allein aus einer sog. Privatoffenbarung herleitet, sondern sich auch aus den eigentlichen Quellen der allgemeinen Offenbarung (Schrift, Tradition) erheben läßt!

Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, Lesejahr A

Tiroler Herz-Jesu-Bundeslied

Gottes Segen an alle Herz-Jesu-Verehrer
Josephus

abbé jos

unregistriert

12

07.06.2002, 09:10

mit mexikanischen durchschnittstaxen bin ich bisweilen noch nicht gefahren, weil ich noch nie in mexiko (oder sonst wo in südamerika) war. aber eben dieser "kitsch" hat es verstanden gerade den einfacheren leuten, die sich keine grosse kunst leisten konnten, die Liebe Gottes näher zu bringen.

Heute am Herz-Jesu-Fest feiern wir in "meinem" priesterseminar ewig-gebet. um 6h45 war festamt und um 18h30 schlussandacht. Jesus, den von Herzen Liebenden, wollen wir anbeten und Ihm unser lob singen.

im gemeinsamen gebet verbunden.
a+j

orier

unregistriert

13

07.06.2002, 15:20

O Abbé Jos, wéi fromm!!

Benedikt

Meister

Beiträge: 2 878

Wohnort: Deutschland

14

07.06.2002, 20:09

@Orier
Aja ?(
Weblog:Speculum@kathhost
Mein Nutzername im Kath.net-Leserbereich: Nyger

abbé jos

unregistriert

15

10.06.2002, 10:59

@ orier, du intebinni.

guck deine frömmigkeit und bete für meine bekehrung.


orier

unregistriert

16

10.06.2002, 11:39

ES BLEIBT VIEL ZU TUN - BETEN WIR AN.

orier

unregistriert

17

25.06.2002, 18:28

Schon der 5. Evangelist, Antoine de S. Exupéry , legt dem kleinen Prinzen die Worte in den Mund: "Man sieht nur mit dem Herzen gut."

Michelle

Fortgeschrittener

18

26.06.2002, 22:46

@orier

aha, der 5. Evangelist...

Bist du dann der 6. Evangelist (und dein Evangelium ist das AMEN)? ;)
Die Homepage Gottes ist die Schöpfung, und ein Teil davon bin ich. 8)

Marvin

unregistriert

19

26.06.2002, 22:58

und obendrein war Antoine Atheist.

alex mitra

Fortgeschrittener

Beiträge: 350

Wohnort: Neunkirchen, Nö

20

27.06.2002, 16:43

DIE HERZ-JESU-VEREHRUNG


Der Mensch in all seinen Schichten und Dimensionen ist erlösungsbedürftig.

Auch in seinem Herzen, in seiner innersten Mitte kann er heillos sein, verwundet, fehlgeleitet, verwirrt und erstarrt. Doch der innerste Kompass des Menschen ist auch nach dem Sündenfall nicht tot. Selbst wenn aus dem Herzen des Menschen böse Gedanken, vergiftete Pläne und gefährliche Untaten aufsteigen,so kommt von dort doch zutiefst auch der Schrei nach Erlösung, nach wahrer Liebe, nach echter Freiheit.

Erlösung, angefangen mit dem Wandel unseres Herzens, ereignet sich nur von Gott her: wenn Gottes Liebe unser Herz trifft. Im Herzen Jesu begegnet uns Gottes Liebe leibhaftig, greifbar, spürbar.

Jesus, der dem Herzen des Vaters am nächsten ist, zeigt uns den Vater und den Weg zum Vater. Er will uns in die Liebe des dreieinigen Gottes hineinnehmen.

Nichts tut der Welt von heute so sehr not wie diese Botschaft.

Die moderne Gottlosigkeit ist vor allem eine Verirrung und Verwirrung der Herzen, der Verlust der eigentlichen Mitte des Menschen. Diese Wahrheit, die schon Blaise Pascal so mächtig auf das Herz Jesu hinwies, gilt es heute deutlich herauszustellen. „Herz" ist ein Urwort der Menschheit.

Kaum ein anderes Wort kommt in der Heiligen Schrift so oft und mit einem so sinnträchtigen Reichtum vor wie „Herz". Es ist die Rede vom menschlichen Herzen in seinem innersten Sinnen und Sehnen, aber auch vom Herzen Gottes,von Gott, der seine erbarmende und anziehende Liebe herzergreifend offenbart.

Herz steht für Gewissen und Ganzheitserfassung, vor allem für die tiefstgehende Erfahrung, wenn Herz zum Herzen findet. Das heile Herz ist Ausdruck geglückter zwischenmenschlicher Beziehungen.

Ursymbol Herz

Vom Herzen spricht man vor allem, wenn man von der Liebe des andern zutiefst getroffen ist, aber auch, in einem gegenteiligen Sinn, wenn eine grosse Liebe verschmäht wird; wenn jemand sein Herz angesichts der Not oder der Liebe der andern verschliesst.

Überall, wenn von letzten Tiefen und Untiefen, von letzter Ergriffenheit oder auch von schwerster Entartung und Lieb-losigkeit, vom Drama des Menschen die Rede ist, kommt man ohne das Ursymbol „Herz" nicht leicht aus.

Bleibt das Ursymbol „Herz" im vornehmsten Bereich, in dem des Glaubens und Betens, unbesetzt, so besteht Gefahr, dass es von einer oberflächlichen Sen-timentalität beschlagnahmt wird.

In der Herz-Jesu-Verehrung, wie sie sich im Verlauf der Jahrhunderte in reicher Vielfalt entfaltet hat, geht es um bewusste Konzentrierung auf dieses menschliche Ursymbol in der Begegnung unseres Herzens mit dem Herzen unseres Herrn und Erlösers. So erstrahlt die ganze Offenbarung und das Leben der Erlösten im Lichtglanz der gottmenschlichen Liebe.

Zutreffend nennt Pius XII. die Herz-Jesu-Verehrung „Zusammenfassung des ganzen Geheimnisses unserer Religion" und den „Kult der Liebe". Hier feiern wir den Triumph der Erlöserliebe Gottes mit dem Ziel des Triumphes eben dieser Liebe in unseren Herzen, und zwar so, dass die Erlösten eben diesen Sieg auch angesichts von Herzenshärte, Hass, Feindschaft, Terrorismus und Kriegsdrohung sichtbar machen oder dochankündigen.

Kultur der Liebe der Erlösten

Es geht um den Lobpreis der barmherzigen und machtvollen Liebe Gottes,die uns Menschen und alle menschlichen Beziehungen umgestalten will.

Echte Herz-Jesu-Verehrung ist alles andere als eine Verniedlichung oder Privatisierung der Religion. Im Herzen Jesu offenbart sich die Liebe des dreieinigen Gottes zur ganzen Menschheit, zur ganzen Schöpfung. Es geht um nichts Geringeres als um die Heimholung der ganzen Menschheitsfamilie in eben diese Liebe Gottes, um die Kultur der Liebe der Erlösten, um einen Ruf zu umfassender Heilssolidarität.

Diese Andacht sagt uns, wie herzinnig Gott uns Menschen liebt, aber auch wie unerhört und verheerend es ist, wenn Gottes Liebe, die sich im Herzen des menschgewordenen Wortes so machtvoll an uns wendet, verschmäht wird. Von dieser Form der Frömmigkeit ist der tief empfundene Schmerz über die BeleidigungGottes durch die Sünde nicht wegzudenken.

Gerade heute bedürfen wir der gläubigen Aufmerksamkeit auf diese Schicht der Erfahrung, die sich in herz-licher Reue, im Schmerz über das Sündenelend der Menschheit und im Verlangen nach Sühne und Wiedergutmachung ausdrückt. Die Herz-Jesu-Vereh-rung, die lange Zeit so viel Segen stiftete, ist in den letzten Jahrzehnten vielerorts zurückgegangen. Die Ursachen sind vielschichtig.

Ein Grund ist das Erkalten der Liebe bei vielen, eine mangelnde Begeisterungsfähigkeit für alles, was nicht unmittelbar greifbar ist, die Verhaftung an Besitzstreben und Genuss, das Besetztsein des Gedächtnisses und der Einbildungskraft durch eine Flut von Bild- und Tonangebot, nicht selten wohl auch ein mangelndes Verstehen der theologischen Grundlage und der echten Gestalt dieser biblisch begründeten Frömmigkeitsform.

Jeder Versuch einer Wiederbelebung und Sinnerschliessung muss sich dieser Schwierigkeiten bewusst sein. Ausgangspunkt und Grundlage der Herz-Jesu-Verehrung sind die Heilige Schrift, die Liturgie und die Weisungen der Päpste, vor allem Pius XII. in seiner grossartigen Enzyklika Haurietis aquas vom 5. Mai 1956. Dabei halte ich es jedoch für besonders wichtig, den Beitrag der überaus reichen und vielgestaltigen Überlieferung, angefangen mit der Väterzeit, einzubringen. So bedeutsam die Rolle der heiligen Margareta Maria Alacoque für die neuere Herz-Jesu-Verehrung und ihre liturgische Feier auch sein mag, so wäre es doch weit gefehlt, zu meinen, diese Andacht gehe allein oder hauptsächlich auf sie zurück. Die Gesamttradition zeigt eine grössere Spannweite und erlaubt einen hohen Grad an Anpassung.

Die Kirchenväter blicken vor allem auf die geöffnete Seite des Gekreuzigten. Sie sehen in der Herzwunde Jesu die geöffnete Pforte des Heils, aus der die Kirche und ihre Sakramente und alle Ströme der Gnade uns zufliessen. Ebenso schauen sie gern auf Johannes, den Evangelisten der Jesus-Liebe, der „am Herzen Jesu ruhte" und dem die Geheimnisse eben dieses Herzens kundwurden. In diesem Lichte betrachteten sie die zahlreichen Aussagen des Alten und Neuen Testamentes, in denen die herzwarme Liebe Gottes und seines Gesandten zu uns spricht: die Bilder von Gott als dem Vater Israels, vom göttlichen Gemahl, der trotz aller Sünden Israels seiner ersten Liebe treu bleibt, das Bild vom guten Hirten.

Fortsetzung folgt

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