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corinquietum

Moderator

Beiträge: 1 597

Wohnort: Bad Waldsee

Beruf: Kath. Priester i.R

1

11.08.2006, 12:08

Joh 6,68 "Wohin sollen wir gehen?"

Unterschwellig kommt in anderen Threads immer wieder so etwas wie ein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass heute im Glaubensleben so manches aus dem Ruder gelaufen ist.

Inwieweit ist die Kirche in ihren offiziellen Vertretern selbst daran beteiligt oder gar schuld?

z.B. Kirchenmusik: warum gibt es so viele "flachen" Texte und gefühlsduselige Melodien?

z.B. Katechese: welche wirklich religiöse Inhalte vermittelt sie oder wieweit ist sie lediglich Anleitung zu sozialem Verhalten?

z.B. Erziehung: wie wird Kindern wirklich Glauben weitergegeben?

etc.

Haben wir Menschen nicht allzu oft alleingelassen, so dass sie sich anderen "Heilslehren" zuwenden?


C.
Wo immer Beifall für menschliches Machen in der Liturgie aufbricht, ist dies ein sicheres Zeichen, dass man das Wesen der Liturgie gänzlich verloren und sie durch eine Art religiös gemeinter Unterhaltung ersetzt hat." Card. J. Ratzinger

Anfänger

unregistriert

2

11.08.2006, 14:51

Meines Erachtens ist das grosse Problem - brutal ausgedrückt - , dass in der Verkündigung (im Religionsunterricht wie von der Kanzel etc.) versucht wird, Gott erfahrbar zu machen, ohne das dafür absolut notwendige Glaubenswissen zu vermitteln. Wo aber das Glaubenswissen fehlt, da "verdunstet" der Glaube, wie es Bischof Dr. Kurt Koch ausdrückt.

Haben wir alle vielleicht vergessen, dass die erste Aufgabe der Kirche ist: "Lehret alle Völker". Oder wie Paulus es sagt: "Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts (oder nur die Hälfte) gehört haben?

Beiträge: 714

Wohnort: Deutschland Bistum Limburg

3

11.08.2006, 15:36

Nach meinem Empfinden liegt die Mehrheit der "offiziellen Vertreter" in den Ortskirchen seit mehr als 30 Jahren sozusagen im Wachkoma. ;( :rolleyes:
Meine Glaubensinfos mußte ich mir selbst zusammensuchen, wobei mir kath.net damals wie vom heiligen Geist gesandt erschien. :D

Unser Pfarrer jammert z.B. gerne über den Rückgang des Glaubens, den er und viele (nicht alle) seiner Mitbrüder wohlwissentlich selbst verschuldet haben, indem sie unter anderem laue und kuschelige Predigten bringen, um bloß niemanden zu verletzen. Ich kann mich nur leider nicht erinnern, wann das Dogma "Du sollst niemanden verletzen" verkündet wurde.
Ebenso sinnvoll erscheint es mir, sich darüber aufzuregen, warum eine Blume eingeht, wenn man sie nicht mehr ausreichend gießt.
Wer nicht sät kann auch nicht ernten.

Ich warte schon eine Ewigkeit darauf, mal hier in einer gewöhnlichen Pfarrei etwas über die ewige Verdammnis oder die verbindliche Sexualmoral der heiligen alleinseeligmachenden Mutter Kirche zu hören. Man könnte ja auch mal einen Einstiegsschocker bringen, wie z.B.: Wußte ihr schon, dass Protestantismus eine Irrlehre ist und wer einer solchen anhängt nicht gerettet wird? 8o :D

Ich begebe mich schonmal in Richtung Luftschutzbunker, denn hier werden vermutlich bald Bomben der emotional Entrüsteten einschlagen.

Zitat

Original von corinquietum
Haben wir Menschen nicht allzu oft alleingelassen, so dass sie sich anderen "Heilslehren" zuwenden?


Menschen, die auf der Suche nach Gott sind und ihn bei uns nicht finden, was in den Gemeinden Vorort leider recht oft der Fall sein dürfte, suchen ihn eben in anderen Konfessionen, Religionen oder versuchen die innere Leere mit Drogen zu betäuben.
Wer Glück hat, erlebt einen Weltjugendtag (wie ich z.B. mit Totus Tuus), ein Prayerfestival der Jugend 2000 oder fährt sogar nach Medjugorje zum Jugendfestival (war für mich eine positive Erfahrung), wo er/sie den katholischen Glauben mal von der lebendigen Seite erfährt.
"Der Bischof ist ein Missionar, aber keiner im Auftrag des Bistums, sondern im Auftrag Roms."
(Bischof emeritus von Limburg, Prof. Dr. theol. Franz-Peter Tebartz-van Elst)

"Der Besitzlose ist nicht der bessere Mensch, Formenflucht ist kein Gottesbeweis."
(Dr. phil. Alexander Kissler)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Erzmagier« (12.08.2006, 21:04)


Anfänger

unregistriert

4

11.08.2006, 15:54

@ Erzmagier

Zitat

Ebenso sinnvoll erscheint es mir, sich darüber aufzuregen, warum eine Blume eingeht, wenn man sie nicht mehr ausreichend gießt.


Sehr richtig!!!

Mir ist eben ein anderes Bild in den Sinn gekommen:

Der Glaube ist eben kein überzüchtetes hors-sol-Pflänzchen, das sich mit Wasser und einer spezialisieren Düngergabe begnügt, sondern eine vielfältige Blumenwiese, die den nährstoffreichen Boden der ganzen Glaubenslehre nötig hat.

5

11.08.2006, 16:25

Wenn man sich mit Leuten unterhält, egal welches Alter, haben die meisten keine Ahnung.
Ich habe vor zwei Jahren noch Religionsunterricht im Abendgymnasium in Innsbruck "genossen".
Einer der Religionslehrer (ein ehemaliger Pfarrer) hat folgende Praxis in der Benotung:
Wer anwesend ist, bekommt ein Plus. Da muss er aber gar nicht anwesend sein. Es genügt, wenn er in den anderen Stunden da ist.
Der RL schaut nämlich immer in der nächsten Woche nach, ob der Schüler anwesend war und wenn er in den anderen Stunden da war, wird er auch bei ihm als anwesend vermerkt.
Bei den Jahresprüfungen bekommt man fast automatisch eine 1.
Bei der Matura ist die schlechteste Note, die man bekommen kann, eine 3.
Wenn man sich ein Thema aussucht, und ein paar Sachen weiss, bekommt man eine 1. Man sollte sich dabei aber kein frommes Thema aussuchen, da kennt er sich nämlich nicht aus.
Soviel zur Katechese im Unterricht.
LG
Arwen
Jesus, ich vertraue auf Dich!

Gandalf

Administrator

Beiträge: 25 889

Wohnort: Mittelerde

Beruf: M+M (Medien+Management)

6

12.08.2006, 18:55

RE: Joh 6,68 "Wohin sollen wir gehen?"

Zitat

Original von corinquietum
... Inwieweit ist die Kirche in ihren offiziellen Vertretern selbst daran beteiligt oder gar schuld?...

...

C.


Früher dachte ich schon ganz schnell: Die Kirche und ihre Vertreter sind schuld. Aber so einfach ist die Welt auch nicht. Denn in einem gewissen Sinn sind wir alle schon "ein wenig" Kirche und damit sind wir alle ein wenig "mitschuldig", wie es um die Kirche steht.

Daher müssen wir uns alle selbst fragen: Was habe ich getan, um der Kirche und Gott zu dienen? Und jeder kann auf seinem Platz etwas bewirken, wobei der persönliche Gebetssturm das Wichtigste ist.

Die Heiligen waren in einem gewissen Sinn immer auch Einzelkämpfer für Gott und für die Kirche. Nur das ist der Weg, den wir gehen müssen.

G.
MARY'S MEALS - 10 EURO für ein Kind - Rettet Kinder vor dem Hungertod!
Mit Kath.Net nach IRLAND: Juni 2012 - Papstbesuch - Eucharist. Weltkongress

Padre Pio: "Überlege gut, was du schreibst, denn der Herr wird dich darüber zur Rechenschaft ziehen."

geo-freak

Fortgeschrittener

Beiträge: 239

Wohnort: Bayern

7

13.08.2006, 15:31

Dieser Theard greift eigentlich das auf was mich persönlich seit vielen Jahren in unterschidlicher Art und Intensität beschäftigt und da es so gar nicht meine Art lange Berichte zu schreiben fällts mir auch entsprechend schwer.
Mein persönlicher Glaubensweg war und ist alles andere als eindeutig und gerade, vielmehr vergleichbar mit einem schlechten, geschlängeltem Feldweg incl. jeder Menge Schlaglöcher und Gräben.

Der Blick auf die offiziellen Vertreter war wärend einer bestimmten Wegstrecke bei mir extrem negativ. Alles was an negativem bekannt wurde (und wenig ist das ja nicht unbedingt) ist von mir damals entsprechend aufgenommen worden. Nur war das wirklich der Grund warum ich mich mehr und mehr distanzierte? Ich denke es hing eher mit meiner persönlichen Unzulänglichkeit zusammen, daß ich nämlich nicht auf jemandem zuging und mich mit dem Thema ernsthaft auseinander gesetzt habe. Allerdings gibt es Themen die von der kath. Kirche ungünstig in der Öffenlichkeit behandelt werden und sowas bleibt halt in vielen Köpfen hängen.
Das Thema Kirchenmusik wird ja immer wieder heiß diskutiert. Ich denke daß flache Texte bei mir sicher nicht zu einer Distanzierung beigetragen haben.
Bei der Katchese sehe ich eher Anhaltspunkte die zu einem besseren Glaubensleben beitragen können. Allerdings bin ich der Meinung daß es nicht nur durch eine gute Predigt am Sonntag erfolgt sondern eigentlich die Möglichkeit geben sollte daß man darüber diskutieren kann. Also an einem Abend dieses Thema in einer Gruppe nochmal aufnimmt und vertieft. Was fehlt ist hier vermutlich die Zeit der Verantwortlichen.
Bei der Erziehung von Kindern kann ich aus meiner Erfahrung heraus nur sagen daß diese Erziehung ein Distanzieren vom Glauben definitiv nicht verhindert oder wirklich beeinflusst. Wenn überhaut, dann trägt die Erziehung eher dazu bei daß man sich möglicherweise nach einer gewissen Zeit wieder ensthaft damit auseinander setzt.

Ich denke daß der Glaubensabfall damit zusammenhängt daß jeder nur auf seinen persönlichen Vorteil, seine Ausbildung, seine Karriere usw. fixiert ist. Ein einfaches Beispiel sind z.B. Vereine die das Gemeinschaftsleben fördern. Wieviele sind denn heute noch bereit sich in einem solchen Verein einzusetzen und zum Wohle anderer zurückzustecken? Ist nicht auch das Scheitern von vielen Ehen ein Indiz auf das Ausleben von persönlicher Individualität? Das Gymnasium das heute als die einzig richtige Schulausbildung dargestellt wird fördert diese Sichtweise von "ich kann alles machen" und "ich brauche niemanden" nicht unwesentlich. Noch viele solcher Beispiele könnten aufgeführt werden.
In dem Punkt daß Menschen mit Ihren Problemen oft alleine gelassen werden und sich so alternativen suchen liegt sicherlich viel Potenzial. Allerdings möchte ich auch hier den offiziellen Vertretern nicht einfach nur die Schuld zuweisen sondern denke auch daß sich solche Menschen ernsthaft mit einem geistlichen Vertreter auseinander setzen sollten. Nur hier ist oft eine unüberwindbare Barriere. Auch die Lehre der kath. Kirche ist für den Ottonormalverbraucher oft nicht verständlich und trägt dadurch zur Distanzierung bei.
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Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt.

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