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Alter Sünder

unregistriert

1

06.07.2002, 22:21

Zölibat

Da Josephus und Unwissender von der Diskussion bzgl. Homosexualität und Priestertum zu einer Diskussion über den Zölibat wechselten, ich meinerseits dazu auch Fragen habe: hier ein neues Thema zum Zölibat (erstaunlicherweise habe ich kein Thread dazu gefunden - wurde das tatsächlich noch nie im KATH.NET-Forum diskutiert? Oder habe ich es nur übersehen?)

Zitat

Lieber Grande Inquisitor,
eine Frage zum Priestertum der Ostkirche: stimmt es, dass Priester, die einer Gemeinde, einer Pfarrei, vorstehen, verheiratet sein dürfen, die höheren Ämter (Bischof) aber unverheirateten Priestern vorbehalten sind? Und wie steht die katholische Kirche zu dieser Praxis? Vielleicht sollte man das auch in einem eigenen Thread diskutieren?


Mittlerweile fand ich im Web, dass auch Priester der katholischen Kirche heiraten dürfen! Die katholische Kirche, so erstaunlich mir der Gedanke auch ist, besteht aus mehreren Kirchen, darunter die Byzantinisch-Katholische Kirche, die auch hier in Salzburg vertreten ist - anbei der Link Byzantinisch-Katholische Kirche Salzburg
Der Priester an dieser Kirche, die als katholisch anerkannt ist (Oberhaupt in Österreich ist übrigens Kardinal Schönborn), ist verheiratet und hat 2 Kinder. Und er ist katholischer Priester, der in voller Anerkennung seinem Priesteramt nachkommt.

Josephus

Erleuchteter

Beiträge: 3 277

Wohnort: Tirol, jetzt Niederösterreich

Beruf: Priester, Theologe, Webmaster

2

06.07.2002, 22:34

Lieber Alter Sünder,

Du hast vollkommen recht: Die lateinische Kirche, in der der Zölibat gilt, ist nur ein Teil der katholischen Kirche. Es gibt ja auch die mit Rom unierten Ostkirchen, welche bezüglich des Zölibats andere Regelungen haben.
Ich möchte folgende Prinzipien festhalten:
- Die lateinische Kirche hält am Zölibat der Priester fest, weil sie diesen zwar nicht als unabdingbar mit dem Priestertum verbunden ansieht, wohl aber als höchst angemessen und sinnvoll.
- Dieses Festhalten schließt keine Abwertung anderer Lebensstände ein: Die Ehe ist heilig und gottgewollt. Wer um des Himmelreiches willen darauf verzichtet, tut dies nicht aus Geringschätzung, sondern im Bewußtsein des hohen Wertes der Ehe.
- Der Zölibat kann nur gelebt werden aus der je größeren Liebe zu Gott und zu den Menschen. Dann ist dieser Stand höchst beglückend und erfüllend.

Josephus

Alter Sünder

unregistriert

3

06.07.2002, 22:51

Lieber Josephus,

danke für Deine schnelle Antwort. Da hätte ich aber schon eine weitere Frage: ist es grundsätzlich möglich, dass ein junger Mann, der glaubt zum Priester berufen zu sein, aber Sorge hat, den Zölibat nicht halten zu können, ist es also einem solchen möglich, in einer der katholischen Ostkirchen Priester zu werden?

Josephus

Erleuchteter

Beiträge: 3 277

Wohnort: Tirol, jetzt Niederösterreich

Beruf: Priester, Theologe, Webmaster

4

06.07.2002, 22:56

Dieser müßte einen Wechsel von einer Ritusfamilie in die andere vollziehen; dies ist nicht so einfach - er bleibt ja dann auch an den anderen Ritus gebunden. Vermutlich ist da der Zölibat doch leichter zu halten ...
:] Josephus

Alter Sünder

unregistriert

5

06.07.2002, 23:05

und noch eine Frage (nicht direkt zum Zölibat): aber die Sakramente, auch jenes der Eucharistie, sind voll gültig? Bzw.: kann ein römisch-katholischer Christ an einer Messe der byzantinisch-katholischen teilnehmen und kommunizieren? Vor vielen Jahre, in Griechenland, habe ich das bei einer griechisch-katholischen Kirche getan, da war aber eine römisch-katholische sozusagen nicht greifbar.

Lorenz

Fortgeschrittener

Beiträge: 494

Wohnort: Deutschland

6

07.07.2002, 10:36

Ich kenne mich nicht sehr gut mir den orientalischen Riten aus, doch auch dort gibt es keine absolute Freiheit um zu heiraten. Bei einigen Kirchen, wenn nicht alle, kann man nur bis zur Ordination heiraten. Und Bischöfe dürfen, so viel ich weiß, auch nur unverheiratete Priester werden.
Lorenz

Michelle

Fortgeschrittener

7

07.07.2002, 11:03

Von byzantinische-unierten Christen weiß ich, dass es z.B. in der Ukraine nur die Möglichkeit gibt, dass sich ein Priesteramtskandidat entscheiden muss, ob er heiratet oder ob er in einer Gemeinschaft lebt.
"Single-Priester" so wie bei uns, gibt es dort nicht.

Oft wird vom Zölibat nur der "Verzicht" herausgehoben. Das klingt doch etwas sehr einseitig. Zölibat beinhaltet mehr.
Der Zölibat ist eine ungeteilte Ganzhingabe an Gott, sozusagen eine Liebesbeziehung des ganzen Menschen, also etwas durchweg Positives, weil Liebe.

Ich kenne junge Priester, die ein Leben der Anbetung und des Gebets führen. Der damit verbundene gelebte Zölibat wirkt bei diesen Priestern als äußerst ansteckende Kraftquelle.

Der Zölibat ist durchaus nicht so schwer, wie manche meinen, freilich ist er jeden Tag neu, und man muss auch täglich um diese Gnade beten. Für mich bedeutet der Zölibat die konkrete Nachfolge Jesu, weil auch Jesus selbst GANZ und UNGETEILT den Willen des himmlischen Vaters erfüllt hat.

Ich kenne verheiratete Priester des orientalischen Ritus, doch diese können sich nicht in solch intensiver Weise der Gemeinde widmen, weil sie eben noch Familie haben.
Die Homepage Gottes ist die Schöpfung, und ein Teil davon bin ich. 8)

8

07.07.2002, 13:17

Ich denke, es ist eine falsche Einschätzung, dass ein Priester in unserer Gemeindesituation in totaler Einsamkeit lebt und in keiner zwischenmenschlichen Gemeinschaft leben kann. Es ist natürlich ein Idealfall, wenn ein Priester in der Gemeinde wirklich so eingebunden ist, dass er das Leben dort wie in einer "geistigen Familie" führen kann. Wenn ein Priester aber seine Lebensform andauernd und vielleicht auch von der eigenen Gemeinde madig gemacht bekommt, dann kann ich eine mögliche Frustration bei Priestern darüber nur zu gut verstehen
"In necessariis unitas - in dubiis libertas - in omnibus caritas!"
"Im Notwendigen Einheit - im Zweifel Freiheit - in allem aber Liebe!"

(Wahlspruch des Unitas-Verbandes)

Alter Sünder

unregistriert

9

07.07.2002, 14:50

Nachdem bei einem anderen Thema (Frauenpriestertum) eine Reihe sowohl kirchenrechtlicher als auch theologischer Gründe für die Begrenzung des Priestertums auf Männer angeführt wurden: welche Gründe sprechen für/gegen ein Priestertum von erprobten verheirateten Männern? Das Ideal mag zwar der im Zölibat lebende Priester sein, aber angesichts der heutigen Situation (Priestermangel), wäre es da nicht Zeit, die Standpunkte neu zu überdenken?

Zudem, in guten Zeiten mag die Last oder das Opfer des Zölibats leicht, ja, sogar erfüllend sein. Was aber, wenn persönliche oder berufliche Probleme auftreten? Ist da nicht der Priester in seiner Gemeinde mitunter ziemlich allein? Das werden wohl die Priester unter uns beantworten können.

10

07.07.2002, 15:22

viri probati

Die Einführung der Weihe von erprobten (verheirateten) Männern ist m.E. eine Grundsatzentscheidung, die eine enorme Auswirkung auf unser Priesterbild hätte - dessen muss man sich dann bewusst sein. "Viri probati" oder auch eine allgemeine Freistellung des Zölibates würde sicher einer kompletten Abschaffung des Zölibates gleichkommen. Welchen Grund sollten Männer - in unserer sexualisierten Öffentlichkeit - dann noch haben, auf Sex zu verzichten. Vielmehr hielte ich es dann für wahrscheinlich, dass ein freiwillig-zölibatärer Priester dann mit pauschalen Vorurteilen konfrontiert würde (kontaktarm, introvertiert, schwul, psychisch krank, traditionalistisch, ...). Ob es hier eine Mittelweg gibt, der ein solches Dilemma umgehen könnte?
"In necessariis unitas - in dubiis libertas - in omnibus caritas!"
"Im Notwendigen Einheit - im Zweifel Freiheit - in allem aber Liebe!"

(Wahlspruch des Unitas-Verbandes)

Alter Sünder

unregistriert

11

07.07.2002, 15:29

Lieber Poldi,

weisst Du zufällig, wie das in den Ostkirchen ist? Dort sind die höheren Ämter (Bischof u.ä.) den im Zölibat lebenden Priestern vorbehalten, nicht aber der Dienst als Pfarrer in einer Gemeinde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass den Bischöfen in den Ostkirchen derartige Vorurteile entgegenschlagen? Oder doch?

Sonst erschiene mir nämlich der Weg der Ostkirche als vernünftiger Kompromiss.


12

07.07.2002, 15:40

Lieber Alter Sünder

Zitat

Original von Alter Sünder
Ich kann mir nicht vorstellen, dass den Bischöfen in den Ostkirchen derartige Vorurteile entgegenschlagen?
Die Praxis in den Ostkirchen ist ja schon länger gewachsen. Ich stelle mir aber vor, wenn eine Freistellung des Zölibates hier bei uns, in unserer Gesellschaft, eingeführt würde. Da liegt doch eine ganz andere Ausgangslage vor. Ich denke, man kann unsere Situation nicht mit einer anderen Tradition vergleichen. Die ostkirchliche Praxis 1:1 zu übernehmen halte ich für nicht denkbar.
"In necessariis unitas - in dubiis libertas - in omnibus caritas!"
"Im Notwendigen Einheit - im Zweifel Freiheit - in allem aber Liebe!"

(Wahlspruch des Unitas-Verbandes)

JoJo-hannes

unregistriert

13

07.07.2002, 16:09

@Lorenz
Du hast recht. Allerdings ist dies in allen Ostkirchen uniert oder orthodox der Fall. D.h. Es kann ein Priester nicht heiraten, aber ein verheirateter Mann Priester werden. (Es gibt lokale Ausnahmen wo Zölibat erfordert wird. siehe NB weiter unten)
Auch wenn die Frau eines Priesters stirbt, kann er kein zweites mal heiraten.
Und richtig, nur ein unverheirateter Priester kann Bischof werden.

@Alter Sünder.
Bei griechisch-katholischen Gottesdiensten (Unierte) kannst du selbstverständlich kommunizieren. Selbst der Papst hat diesen Ritus schon gefeiert. Es besteht also kein Grund zur Sorge. Aber in Griechenland gibts eher wenige Unierte...war die Kirche nicht griechisch-orthodox? Hier bin ich mir nicht ganz sicher aber ich glaube von katholischer Seite ist es in gewissen Fällen kein Problem wenn Orthodoxe bei uns kommunizieren und bei ebensolchen Fällen (Unerreichbarkeit einer kath. Kirche...) für einen Katholiken bei den Orthodoxen zu kommunizieren. Allerdings sehen das viele Orthodoxe nicht gern und manche verweigern dies auch. Ein Möglichkeit ist sicher in solchem Fall auch die geistige Kommunion, wenn man in einer fremden Kirche ist (wo das Opfer Christi wirklich und gültig gefeiert wird). Dann gibt man auch keinem Grund zum Anstoß

@Michelle
Ein Studienkollege von mir ist griechisch-katholischer Priester in der Ukraine (Ruthenien) und nicht verheiratet. Er hat keine Familie ist aber auch bei keiner Gemeinschaft als solcher. Er unterrichtet am Seminar und hilft dem Bischof in verschiedenen Belangen. So etwas scheint also möglich zu sein.

@Alter Sünder II
Ein röm-kath Christ kann zwar den Ritus wechseln und sich zum Priester weihen lassen aber muss sich zum Zölibat verpflicheten wenn er aus dem röm-kath-ritus kommt. (So das Kirchenrecht, wohl um zu verhindern, dass aus unlauteren Motiven hier jemand Riten wechselt)

@ Alle NB!
Übrigens gibt es für manche Länder Sonderregelungen der Unierten. In den USA und Canada z.b. müssen auch griechisch-katholische Priester zölibatär leben, wenn sie nicht schon als verheiratete Priester in die USA oder Canada auswandern.

In Christo
Johannes

Michelle

Fortgeschrittener

14

07.07.2002, 20:22

@Jo-Johannes
danke für diese Info, das war mir nicht bekannt.

@Alter Sünder
Einen Rituswechsel wegen dem Zölibat zu praktizieren, halte ich doch für etwas seltsam.
Man muss sich doch darüber klar sein, dass der byzantinische Ritus keine eucharistische Anbetung so wie im römischen Ritus kennt. Gerade aber durch die eucharistische Anbetung werden SEHR viele Berufungen zum zölibatären gottgeweihten Leben (ob Priester- oder Ordens- bzw. Säkularberufungen) geschenkt.
Ob es da einen Zusammenhang gibt?
Die Homepage Gottes ist die Schöpfung, und ein Teil davon bin ich. 8)

Leo

Anfänger

Beiträge: 17

Wohnort: Österreich

15

07.07.2002, 20:29

Zölibat

Empfehle auch den Katechismus zu lesen
auch dort steht einiges interesantes
unter 1579 und 1580(Ostkirchen)

:)

Alter Sünder

unregistriert

16

07.07.2002, 20:59

@Michelle

Liebe Michelle,

Du hast natürlich recht: wenn nur die Angst vor dem Zölibat zum Rituswechsel bewegt, wäre das ein denkbar schlechter Grund. Es war auch nur als eher akademische Frage gedacht.

Pflegen die Ostkirchen tatsächlich keine eucharistische Anbetung? Ich dachte immer, gerade dort wären rituelle Verehrungen besonders ausgeprägt.


@Jo-Johannes

Nein, nein, es war schon eine mit Rom unierte griechisch-katholische Kirche. Ich war dort zu Besuch, weil der Sekretär des Bischofs, Pater Athanasios, einige Zeit zuvor in Salzburg war und ich ihn damals kennenlernen durfte. Ein beeindruckender Mann, der mir schon deswegen so positiv in Erinnerung blieb, da er zu sagen pflegte: Erich (das ist mein Vorname) ist ehhhrrrrlich (dieses rollende 'ehrlich' kann man leider mit Schreiben nicht ausdrücken). ;) :D :))

Ich kommunizierte damals, nebenbei bemerkt, in beiderlei Gestalt, was zu der Zeit bei uns noch relativ unüblich war.

@alle

Poldi spricht von den viri probati, der Weihe von erprobten, verheirateten Männern. Was haltet ihr davon? Seltsam, dass zur Zeit fast überall über das Rrauenpriestertum diskutiert wird. Vor 20 oder mehr Jahren ging's (fast) nur um die Weihe verheiratete Männer. Da denkt man doch an Kohelet: Alles hat seine Zeit ... selbst solche kontrovers diskutierten Themen.

Liebe Grüsse, der Alte Sünder ;)

Michelle

Fortgeschrittener

17

07.07.2002, 21:24

@AlterSünder
Eine Frage bitte, warum ANGST vor'm Zölibat?

Zu deiner Anbetungsfrage:
Am Ende der byzantinischen Liturgie wird die vorhandene hl. Eucharistie vom Priester bzw. Diakon vollständig konsumiert (es gibt dort keine Hostienform sondern die hl. Kommunion ist in "Würfelzuckerform" in das Kostbare Blut eingetaucht).

Ich denke, du verstehst, dass man eine Mischung von Kostbarem Blut und dem hl. Leib Christi nicht aufbewahrt, so wie man bei uns die hl. Hostien aufbewahrt (auch wenn selbstverständlich in jeder hl. Hostie das Kostbare Blut enthalten ist, weil ja bei jeder Kommunionform der ganze Christus diese hl. Kommunion selber ist, also mit Gottheit, Menschheit, Leib und Blut).

Nachdem es im byzantinischen Ritus als keine Hostienform gibt, gibt es auch keine Monstranz.
Als ich fragte, ob es einen Tabernakel gibt, um den Kranken die hl. Krankenkommunion zu bringen, wurde mir geantwortet, dass es wohl eine Art Tabernakel gibt (und zwar in Form einer Taube), für sehr kurzfristige Aufbewahrung der hl. Eucharistie, um die hl. Kommunion sofort nach der hl. Liturgie den abwesenden Kranken zu bringen. Ansonsten ist diese "Taube" leer.
Die Homepage Gottes ist die Schöpfung, und ein Teil davon bin ich. 8)

Josephus

Erleuchteter

Beiträge: 3 277

Wohnort: Tirol, jetzt Niederösterreich

Beruf: Priester, Theologe, Webmaster

18

07.07.2002, 21:32

Danke, daß andere schon so gut geantwortet haben auf so manche Fragen!
Der Vorschlag mit den "viri probati" mag sicher von manchen gut gemeint sein (es gibt sie ja schon bei den ständigen Diakonen); im Letzten wäre aber dann der Zölibat in der heutigen Form gefallen. Und dieser stellt - wie übrigens das 2. Vatikanisches Konzil mehrmals mit Entschiedenheit betont hat! - einen großen spirituellen Wert gerade der lateinischen Kirche dar. Die Kirche ist eben überzeugt, daß all jene, die wirklich zum Priestertum berufen sind, auch die Gnade erhalten, zum Zölibat Ja zu sagen, nicht in Zwang, sondern in innerer Freiheit. Oder umgekehrt betrachtet: Aus jenen, denen Gott die Gnade eines zölibatären Lebens schenkt, wählt die Kirche diejenigen aus, die zum Priester geweiht werden. Es ist also eine Aufgabe der für die Priesterausbildung Verantwortlichen zu prüfen, ob die Kandidaten wirklich in menschlicher und geistlicher Reife und Freiheit den Zölibat als Berufung und Geschenk annehmen und bejahen können. Zu sagen: Versprecht es halt, in wenigen Jahren wird es ohnehin aufgehoben, oder: Haltet den Zölibat nach außen hin, was ihr sonst tut, geht niemanden was an, halte ich für ganz und gar unverantwortlich (es soll leider schon an gewissen Ausbildungsstätten vorgekommen sein). Beten wir um gute Priester! Als persönlich Betroffener (nicht als leidvoll Betroffener, sondern als dankbarer Priester) möchte ich alle einladen: Betet für uns Priester! ;)

Josephus

Alter Sünder

unregistriert

19

07.07.2002, 22:10

Liebe Michelle,

danke für Deine sehr interessanten Ausführungen zum byzantinischen Ritus.

Nun zu Deiner Frage:

Zitat

Original von Michelle
@AlterSünder
Eine Frage bitte, warum ANGST vor'm Zölibat?


Eigentlich hat Josephus darauf schon geantwortet: der Zölibat ist ein Versprechen, das eben nicht nur für gewisse Zeit, ein paar Jahre oder so, sondern für immer gegeben wird. Versprechen sollte man, wie ich glaube, nicht leichtfertig geben - und wenn man sie gibt, dann mit dem Vorsatz, sich unbedingt daran zu halten. Nun kenne ich - wer mittlerweile nicht? - auch Priester, denen das nicht gelang. Und zumindest bei einem bin ich überzeugt, dass er bei seiner Priesterweihe den unbedingten Willen hatte, diesem Versprechen auch treu zu bleiben. Das ist ihm nicht gelungen. Deshalb, weil es so ein schwerwiegendes Versprechen ist, schrieb ich 'mit Angst'. Petrus selbst verleugnet dreimal den Herrn.

Zitat

Markus, Kap. 14, Vers 72

Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er fing an zu weinen.


Wer kann sich und seiner Versprechen sicher sein? Lieber Josephus, ich werde heute vor dem Schlafengehen für Dich beten!

Michelle

Fortgeschrittener

20

07.07.2002, 22:32

@Alter Sünder
Jeder Mensch macht eine Entwicklung durch im Leben.
Der Zölibat ist aber nicht etwas, was DU oder ich oder sonst jemand aus sich selbst KANN, sondern GNADE.
Darum sollen alle, die Gott dazu beruft, auch täglich darum beten, und zwar mit Vertrauen.

Weißt', wenn ich nur von mir etwas erwarte, wie sollte ich da jemals etwas schwerwiegendes versprechen? Nur im Vertrauen auf die Hilfe Gottes - womit alle Angst verfliegt - und im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes kann man JA sagen, und wenn man diese Berufung hat und bejaht, dann hat man eine innere Freude, die man in Worten gar nicht ausdrücken kann. Weil es eben nicht selbstgemacht, sondern von Gott geschenkt ist.

Wie Josephus so gut erklärt hat, ist eine Priesterberufung bzw. jede Berufung nicht nur eine Sache zwischen Gott und der Person, die eine Berufung in sich spürt, sondern die Kirche bestätigt diese Erstberufung durch Gott, indem die Kirche die Kandidaten prüft und auswählt. Das ist sehr gut so, denn nach einer solchen Prüfungszeit kann anfängliche "Begeisterungsberufung" oder "ich BIN berufen, weil ich will doch vor Gott JEMAND sein will" von einer echten Berufung unterschieden werden.
Die Homepage Gottes ist die Schöpfung, und ein Teil davon bin ich. 8)

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