20.10.2017, 23:18 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden
  • Registrieren

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: kathNews. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

fono

Meister

Beiträge: 2 625

Wohnort: NRW - Sauerland

1

07.08.2002, 10:50

Vollkommener Ablass

Könnte mir jemand erklären, was es mit dem "Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit", und dem jetzt dazu gekommenen Vollkommenen Ablass auf sich hat?

Der Ablass ist ja laut KKK der "Erlaß einer zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind. Ihn erlangt der Christgläubige, der recht bereitet ist, unter genau bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin der Erlösung den Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt und zuwendet."

„Der Ablaß ist Teilablaß oder vollkommener Ablaß, je nachdem er von der zeitlichen Sündenstrafe teilweise oder ganz freimacht." Ablässe können den Lebenden und den Verstorbenen zugewendet werden (Paul VI., Ap. Konst. „Indulgentiarum doctrina" normæ 1-3).
KKK 1471

Ich muss gestehen, dass ich aus den Erklärungen des KKK in diesem Fall nicht recht schlau werde. Wie kann ich denn einem Verstorbenen stellvertretend die Sündenstrafe verkürzen?




2

07.08.2002, 11:09

Gnadenschatz der Kirche

Zitat

Original von fono
Wie kann ich denn einem Verstorbenen stellvertretend die Sündenstrafe verkürzen?
Die Verbindung zwischen der irdischen und der himmlischen Kirche bedeutet, dass wir Lebenden von unserern Verstorbenen nicht gänzlich getrennt sind, bis wir uns im Himmel wiedersehen. So, wie auch das Gebet für Verstorbene sinnvoll ist und seinen Platz im Glaubensleben hat, so können wir auch fürbittend für unsere Verstorbenen eintreten und ihnen Gottes Vergebung erflehen.

Entscheidend ist daher auch das Verständnis vom "Gnadenschatz der Kirche" - die Gesamtheit der Verdienste Christi, seiner Heiligen und auch dessen, was wir Lebenden durch unser Handeln und Opfern dazu beitragen. Die Kirche hat die Vollmacht, aus diesem (geistigen) Schatz besondere Zuwendungen zu machen, indem z.B. Gebete, Wallfahrten, Taten mit einem Ablaß verbunden werden (das soll diese Dinge auch in ihrer Bedeutung auszeichnen).

Aus der genannten Verbindung zwischen uns und unseren Verstorbenen sieht man es daher auch für sinnvoll und möglich an, die Früchte des Ablasses intentional für Verstorbene zu verwenden. Er hat dabei die gleiche Berechtigung wie das allgemein fürbittende Gebet für Verstorbene.

Aus dem Katholischen Erwachsenenkatechimus (Bd. 1, S. 372ff):

Zitat

(...) Der Ablaß kommt dadurch zustande, daß die Kirche aufgrund der ihr von Jesus Christus erteilten Vollmacht, zu binden und zu lösen, für den einzelnen Christen eintritt und ihm vollmächtig den Schatz der Genugtuung Christi und der Heiligen zum Nachlaß der zeitlichen Sündenstrafen zuteilt. Dabei will die Kirche dem einzelnen Christen nicht nur helfen, sondern ihn auch zu Werken der Frömmigkeit, Buße und Liebe anspornen. Da auch die verstorbenen Gläubigen, die sich im Läuterungszustand befinden, Glieder der einen Gemeinschaft der Heiligen sind, können wir sie in der Weise der Fürbitte beim Abbüßen der zeitlichen Sündenstrafen unterstützen. (...)
"In necessariis unitas - in dubiis libertas - in omnibus caritas!"
"Im Notwendigen Einheit - im Zweifel Freiheit - in allem aber Liebe!"

(Wahlspruch des Unitas-Verbandes)

fono

Meister

Beiträge: 2 625

Wohnort: NRW - Sauerland

3

07.08.2002, 11:46

@Poldi

Danke für die Erläuterungen, ich hoffe du magst mir die nächsten Fragen auch noch beantworten. :))

Was genau ist denn die "Sündenstrafe", die mir durch einen Ablass erlassen wird? Bedeutet es, dass meine Sünden nach der Beichte noch nicht ganz erlassen sind und ich erst noch etwas bestimmtes tun muss, um die volle Absolution zu bekommen? Oder beziehen sich diese Sündenstrafen auf das Purgatorium? Demnach wäre mir eine gebeichtete und bereute Sünde zwar vergeben, aber die Sündenstrafe müsste ich noch im Purgatorium "absitzen", bzw. für die Nachwirkungen der Sünde geläutert werden. Durch eine spezielle Tat, eine Wallfahrt oder Bußübung bekäme ich aber einen Ablass. Wäre dann ein Vollkommener Ablass der Erlass aller Sündenstrafen all meiner bisher begangenen Sünden?


4

07.08.2002, 12:50

Sündenstrafen

Lieber fono,

die Sündenstrafen hängen eng mit der Überzeugung zusammen, dass eine begangene Sünde auch eine Strafe und Wiedergutmachung verlangt. So kennen wir es ja auch aus dem zivilen Recht. Eine Sünde bedeutete ursprünglich auch einen (zeitlich begrenzten) Ausschluss aus der Gemeinde. Dies sollte als Strafe aber auch als Zeit der Besinnung und Läuterung dienen. Je nach Sünde war dieser Ausschluss zeitlich unterschiedlich. Man nutzte z.B. den Gründonnerstag vor Ostern auch dafür, die geläuterten Sünder wieder in die Gemeinde aufzunehmen.

Um diese Zeit der Trennung von der Gemeinde zu verkürzen, bot die Kirche verschiedene Bußübungen und guten Werke an, mit denen man von sich aus, aktiv die Ausschlusszeit verringern konnte. Man geht ja davon aus, dass Gebet und gute Werke wieder eine positive Disposition im Menschen schaffen, die wieder näher zu Gott hinführt. Einem Menschen, der sich durch die Sünde von Gott distanziert oder sogar trennt, dem können diese Werke helfen, den persönlichen Gottesbezug zu stärken. Wenn man sich überlegt, was z.B. mit einem Ablass versehen ist, dann merken wir, dass es sich eben um solche Gebete und gute Werke handelt (der Besuch einer besonderen Kirche, eine Wallfahrt, das Beten bestimmter Gebete, des Rosenkranzes in Gemeinschaft, ...). Ein früheres Ablassverständnis, bei dem nicht nur zwischen vollkommenen und teilweisem Ablass unterschieden wurde, zeichnete die verschiedenen Ablässe noch nach Tagen aus (z.B. 300 Tage Ablass auf ein bestimmtes Gebet). Das geht eben noch die frühe Praxis zurück, den Ausschluss aus der Gemeinde zeitlich zu staffeln.

Jetzt bleibt aber zu fragen, was mit denen ist, die für ihre Sünden nicht die entsprechende Sühne oder Wiedergutmachung geleistet haben, weil sie gestorben sind. Um eben diese Läuterung haben zu können, verwendet die Kirche das Bild des Purgatoriums, des Reinigungsortes. Der Mensch, der quasi noch nicht reif für die direkte Anschauung Gottes ist, schon aber die Gewissheit darauf hat und die Volkommenheit Gottes spürt, der bekommt im Purgatorium die rechte Disposition, die ihn wirklich alle Sünden ablegen läßt für die bevorstehende Anschauung Gottes.

Da ein Verstorbener nicht mehr aus eigener Kraft diese Wiedergutmachung und Sühne leisten kann, profitiert er in diesem Zustand eben vom Gnadenschatz der Kirche.

In der Lossprechung der Beichte sind Dir alle Deine Sünden vergeben und die Absolution ist gemäß den notwenigen Voraussetzungen (Reue, Vorsatz, nicht mehr zu sündigen, ...) vollständig. Aber die Folgen Deiner Sünden sind ja damit nicht aus der Welt. Gemäß dem ausgelobten Ablass, den Du Dir erwirbst, erhälst Du dann eben einen teilweisen oder vollkommenen Nachlass der Sündenstrafen. Natürlich ist das kein magischer Selbstläufer - die persönliche Disposition spielt da eine wichtige Rolle. Der Deutsche Erwachsenenkatechismus geht in Bd. I auf S. 374 auf diese Problematik wie folgt ein:

Zitat

(...) Ein besonderes Problem stellt sich beim sogenannten vollkommenen Ablaß, also der Nachlassung aller zeitlichen Sündenfolgen. Er setzt, soll er in dieser vollkommenen Weise wirksam werden, eine so vollkommene Disposition voraus, wie sie normalerweise wohl sehr selten gegeben sein wird - es sei denn in der Stunde des Todes, wenn ein Christ sein Leben ganz in die Hände Gottes, seines Schöpfers und Erlösers, zurückgibt. Hier haben das Sakrament der Krankensalbung und der Sterbeablaß ihren Ort. (...)
Ich hoffe, es war nicht allzu verwirrend ;)

Liebe Grüße, Poldi
"In necessariis unitas - in dubiis libertas - in omnibus caritas!"
"Im Notwendigen Einheit - im Zweifel Freiheit - in allem aber Liebe!"

(Wahlspruch des Unitas-Verbandes)

Gast

unregistriert

5

07.08.2002, 15:24

War das Thema "Ablass" nicht Grund und Auslöser der Reformation? Ich kann mich an den Geschichtsunterricht erinnern, zu Zeiten Luthers hiess es wohl: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt".

Gruss

S.

Benedikt

Meister

Beiträge: 2 878

Wohnort: Deutschland

6

07.08.2002, 15:27

@Sokrates
Nicht der Ablass war Auslöser, sondern der Verkauf von Ablässen. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Weblog:Speculum@kathhost
Mein Nutzername im Kath.net-Leserbereich: Nyger

7

07.08.2002, 16:07

@Sokrates

Und genau der Verkauf eines Ablasses steht im Gegensatz zur notwendigen Disposition. Wobei natürlich eine Spende (als wirkliches Opfer) auch ein gutes Werk sein kann. Aber aus berechtigtem Grund achtet die Kirche heute besonders darauf, dass Sakramente, Sakramentalien oder Gnadengaben nicht erkauft werden können.
"In necessariis unitas - in dubiis libertas - in omnibus caritas!"
"Im Notwendigen Einheit - im Zweifel Freiheit - in allem aber Liebe!"

(Wahlspruch des Unitas-Verbandes)

Geist aus Appenzell

unregistriert

8

17.12.2002, 18:47

Wann?

Hallo zusammen

Ich greiffe hier ein älterer Thread auf, damit die Uebersicht nicht verloren geht!

Wann kann man denn einen vollk. oder teilw. Ablass gewinnen?

Wer bestimmt die Dauer, die Häufigkeit und die Anzahl und den Text?

Eine Möglichkeit war ja um Allerheiligen, publik gemacht auf kath.net.

Gottes Segen

9

24.04.2003, 21:10

Wenn ich ganz ehrlich bin, so ganz versteh ich das ganze Ablasswesen trotz aller gut gemeinter Erklärungen nicht. Naja, aber so eine ganz zentrale Glaubenswahrheit ist das ja wohl nicht. Biblisch gibts da wohl auch nichts zu dem Thema, denke ich.

Weiß jemand, ob die orthodoxen und altorientalen Kirchen auch die Lehre vom Ablass haben oder hat sie sich erst nach den Schismen entwickelt? Wann ist das ganze überhaupt entstanden?


Toula :]
Bei Gott ist nichts unmöglich!

FraFran

unregistriert

10

25.04.2003, 00:47

Tiefer greifen

Die Schuld der Stammeltern zog nicht "nur" die Vetreibung aus dem Paradies nach sich, auch weitere Folgen: die Notwendigkeit zur Arbeit, die Neigung zur Sünde, die Kenntnis von Gut und Böse, der Tod usw.

Durch den Kreuzestod wurden ewigen Folgen - Unmöglichkeit in das Himmelreich zu gelangen - gelöscht, die zeitlichen Strafen sind geblieben.

So ist es auch mit unseren Sünden.
Die ewigen Folgen werden durch Reue gelöscht, es bleibt aber ein Teil, der durch Gebet, Opfer und Sühne "geheilt" werden muß, geheilt im Hinblick auf die Gerechtigkeit Gottes.

Dies ist ein Geschenk der Barmherzigkeit Gottes, dass wir sie heilen können und so z.B. durch Leid und Opfer Christus ähnlich werden können.

Insoweit können auch Geldopfer, wenn sie in dieser Gesinnung gegeben werden, diesem Ziel dienen - nicht aber der Sündevergebund, also kein Ersatz für die Reue.

Die Kirche hat nun, ausgestattet mit der Löse- und Bindegewalt, definiert, dass für bestimmte Taten/ Gebete zeitliche oder auch vollkommene Ablässe gewährt werden.
Gewonnene Ablässe dürfen! auch - und nur diesen - den Armen Seelen zugewandt werden.

Ein vollkommener Ablass ist daran gebunden, dass man neben einem bestimmten Werk (Beispiel Wallfahrt nach Altötting) noch folgende Bedingungen erfüllt:
1. Besuch der Hl Messe und Kommunion
2. Beichte in enger zeitlicher Nähe zur Hl Messe des Tages
3. Gebet für den Papst
4. Den ernsten Vorsatz, nicht wieder sündigen zu wollen
Anm: einen vollkommenen Ablass kann man max. einmal am Tag erlangen!

Das außergewöhnliche erscheint mir beim Fest der Barmherzigkeit zu sein, dass, wer die Novene in liebender Gesinnung verrichtet und die Bedingungen 1 - 3 erfüllt erhält den vollkommenen Ablass aller zeitlichen Sündenstrafen - heißt: stirbt er so, kommt er direkt in den Himmel!

Der Ablass gehört zum unveränderlichen Glaubensgut!
Die Rechtfertigungslehre war entscheidende Erstursache für die protestantische Kirchenspaltung.
(Anm.: Luthers "Gastgeber" bezog einen Großteil seine Einkünfte aus dem Ablasshandel).

Bibilisch ist das Opfer der armen Witwe mit den beiden Kupfermünzen zum Beispiel zu nennen und "das an meinem Leib ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt".


Das Gewinnen von Ablässen gab es von jeher!
Die orthodoxen haben diese Praxis bewahrt, der Protestantismus nicht.





Samuel

unregistriert

11

12.05.2003, 19:37

Zum Thema Ablass haben mir folgende Gedanken geholfen, die ich bei Karl Rahner gelesen habe (irgendwo in seinen Schriften zur Theologie):

1. Wenn der gerettete Mensch stirbt, hat er i.A. noch nicht die Vollkommenheit erreicht, zu der er berufen ist, und die er in der Anschauung Gottes haben wird. Das Böse, das nach wie vor in mir ist, (meine schlechten Angewohnheiten...) kann nicht einfach abgewaschen werden, da dies ein Teil von mir ist, sondern es bedarf einer Transformation, die auch sehr schmerzhaft sein kann. Das ist es, was mit Fegfeuer gemeint ist.
So verstanden kann das Fegfeuer natürlich keinem Menschen "erspart" werden, da er sonst eben nicht zur Vollkommenheit gelangen würde.

2. Diese Transformation kann aber unter verschiedenen Modi geschehen:
a) Der Mensch kann dabei mit dem ganzen Ausmass seiner Schuld konfrontiert werden. Normalerweise ist ja eine der ersten Auswirkungen der Sünde die, dass wir wegsehen. In dem Licht Gottes gibt es aber kein Wegsehen mehr. Das kann sehr schmerzhaft sein. Wie schon Platon sagte: Böses tun ist schlimmer als Böses leiden - nur spürt das der Übeltäter normalerweise nicht, eben weil er sich über seine Tat nicht volle Rechenschaft ablegt.
b) Der Mensch kann die Transformation auch in der Vorfreude auf die Glückseligkeit erleben, in der Vorfreude darauf, dass diese Bosheit in ihm nun verwandelt wird in Güte.

3. Die Gemeinschaft der Menschen, in der wir einander helfen können (auch bezüglich unseres ewigen Heiles) reisst mit dem Tod nicht ab. So können die Lebenden den Christen im Fegfeuer helfen - eben dazu hin, dass sie diese Transformation in einem freudevolleren Modus vollziehen. Diese Hilfe ist der Ablass.

Zugegebenermassen enthalten diese Erklärungen eine gewisse Kritik an der herkömmlichen Ablasslehre - mir jedenfalls haben sie geholfen, einen positiven Zugang dazu zu finden und auch selbst für andere den Ablass zu erbitten, wenn ich dazu Gelegenheit hatte.

Petrus

unregistriert

12

13.05.2003, 11:38

Zitat

Original von Toula Weiß jemand, ob die orthodoxen und altorientalen Kirchen auch die Lehre vom Ablass haben oder hat sie sich erst nach den Schismen entwickelt? Wann ist das ganze überhaupt entstanden?

"Praxis und Lehre vom Ablass sind erst seit dem 11. Jahrhundert in der Kirche entstanden."

Quelle

Die orthodoxen und wohl auch die altorientalischen Kirchen haben das nicht (im Orthodoxen Glaubensbuch habe ich jedenfalls nichts dazu gefunden).

Es dürfte sich um "lateinisches Sondergut" handeln.

noch gefunden: "mindmap": Geschichte des Ablasses

FraFran

unregistriert

13

13.05.2003, 12:02

Sie hat soviel geliebt, darum wurde ihr soviel verziehen"

Der Ablass als solches besteht doch auch dann - und bestand auch immer - wenn nicht durch die kirchliche Autoriät festgesetzt wird, welcher zeitliche Ablass konkret gewährt wird durch die Kirche, durch Gott.

Darum heisst es auch
"es ist ein wahrhaft heilsamer Gedanke, für die verstorbenen zu beten "

Dann wären unsere guten Werke, Opfer, Gebete nur mehr allein eine Schuld an Gott. Sie sind aber verdienstvoll, wie vorgenantes Schriftzitat zeigt.
Dieser Galube ist nicht erst im 11 Jahrhundert entstanden oder würde von der orthodoxie nicht geteilt.

Ansonsten näherten wir uns sehr der Lutherischen Fehlauffassung, dass all unsere guten Werke nichts nützen.

Dies anzunehmen wäre - neben vielen anderen Folgen -ein wahrlich schmerzlicher Verlust.

14

15.05.2003, 00:57

Ablass? hmmmmm.......

Hallo,

ich komme mit dem Ablass auch nur schwer zurecht. Aber vielleicht habe ich mich auch nur bisher zuwenig damit auseinander gesetzt.

Wie und wann entstandt eigentlich der Ablass? Wer hat ihn und die entsprechenden Bedingungen die erfüllt werden müssen aufgestellt?

Liebe Gruß

Yella
Zeichen setzen ... und die Welt wird ver-rückt!

Bischofsmütze

Fortgeschrittener

Beiträge: 506

Wohnort: österreichisches Montecassino

Beruf: Ordensmann

15

15.05.2003, 13:28

Zitat

Original von Yella
Hallo,

Wie und wann entstandt eigentlich der Ablass? Wer hat ihn und die entsprechenden Bedingungen die erfüllt werden müssen aufgestellt?

Liebe Gruß

Yella

Zur Geschichte des Ablasses

Für die Lehre vom Ablass gibt es keinen direkten Schriftbeleg. „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit, wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm” (1 Kor 12,26). Dieses Wort des Apostels Paulus gilt als eine biblische Stütze für die Lehre vom Ablass.

Praxis und Lehre vom Ablass sind erst seit dem 11. Jahrhundert in der Kirche entstanden. Sie haben aber ihre Wurzeln in der Geschichte des Bußsakramentes des 1. Jahrtausends. Dem Ablass liegt die tiefe Erfahrung der gegenseitigen Solidarität der frühen Christen in Schwachheit und Schuld zugrunde. Nach den Christenverfolgungen mussten jene, die sich durch schwere Schuld von der Kirche getrennt hatten, harte Kirchenstrafen auf sich nehmen. Aufgrund der Fürbitte der treugebliebenen Christen konnten ein Nachlass oder eine Erleichterung der Strafe gewährt werden. Für die Entwicklung der Lehre vom Ablass wird wiederum die Überzeugung leitend, dass die Tilgung einer Schuld vor Gott nicht deren Straffolgen verschwinden lässt. Diese müssen vielmehr durch Bußwerke mühsam aufgearbeitet werden. Dabei aber kann die Gemeinschaft der Kirche dem Büßenden hilfreich zur Seite stehen. Den einzelnen Sünden entsprachen klar bemessene Bußleistungen, die die negativen Folgen der Sünden ausgleichen und den aufrichtigen Willen zur Besserung zeigen sollten. Die auferlegte Buße (z.B. Fasten) konnte mit Zustimmung der Kirche stellvertretend von anderen übernommen werden oder unter bestimmten Bedingungen ganz oder teilweise „abgelassen” werden. Hier gründet die heutige Unterscheidung von vollkommenem Ablass und Teilablass. Auch eine Spende für karitative Zwecke wurde als angemessener Ersatz für andere Bußwerke anerkannt.

Der Geistliche Sinn des Ablasses
Der Ablass ist nach katholischer Lehre eine freiwillige geistliche Übung zur Tilgung „zeitlicher Sündenstrafen”. Die Vergebung der Schuld erfolgt nicht durch den Ablass, sondern durch den Empfang des Bußsakramentes. Jeder Ablass setzt nämlich den Empfang des Bußsakramentes und der Eucharistie voraus. Somit trägt der Ablass nicht zur Vergebung der Sünden oder zur Rechtfertigung des Sünders vor Gott bei, vielmehr kann er im Sinne des fürbittenden Gebetes die innere Erneuerung und die Bereitschaft zur Änderung des Lebens, die mit dem Empfang des Bußsakramentes einhergehen sollen, unterstützen und fördern. Dieses Ziel des Ablasses bringen ja auch die „Voraussetzungen für den Empfang des Ablasses” zum Ausdruck. In diesem Sinn ist auch der theologische Ausdruck der „zeitlichen Sündenstrafen” zu verstehen. Er meint nicht eine von außen dem Menschen auferlegte Strafe, die Gott ähnlich einem irdischen Gericht verhängt, sondern die Folgen und Nachwirkungen der im Bußsakrament bereits vergebenen Sünden, die Menschen belasten und unter denen sie zu leiden haben. Diese Sündenfolgen, die „zeitlichen Sündenstrafen”, werden ganz - vollkommener Ablass - oder teilweise - Teilablass - überwunden. Auf diesem Weg der Bekehrung und der Heiligung, der bereits von der schrankenlosen Annahme durch Gott ermöglicht und getragen ist, sind wir als Glaubende nicht allein gelassen. In Christus und durch Christus ist unser Leben durch ein geheimnisvolles Band mit dem Leben aller Christen in der Einheit des mystischen Leibes Christi verbunden. So kommt es zwischen den Gläubigen zu einem wunderbaren Austausch, in dem die Heiligkeit des einen den anderen zugute kommt, und zwar mehr als die Sünde des einen dem anderen schaden kann (vgl. Apostolisches Schreiben „Incarnationis mysterium” 10). Was damit gemeint ist, wissen wir aus Erfahrung: Wir glauben, dass unser Gebet anderen Menschen hilft und vertrauen uns selbst dem Gebet anderer an. Um unser Leben zu ändern oder gar zu bessern, sind wir angewiesen auf die Unterstützung anderer, die unsere Schwäche nicht ausnutzen, sondern uns neuen Lebensraum gewähren, die uns mit ihrem Vorbild, ihrem Rat, ihrer aufbauenden Kritik und ihrer Ermutigung begleiten. Diese Erfahrung wird im Ablass auf die ganze Kirche ausgeweitet, die die Gemeinschaft mit den Verstorbenen einschließt.

Der Ablass ist also verbunden mit dem Geheimnis der Kirche als Leib Christi und als Gemeinschaft der Heiligen, die in Freude und Leid, in Gnade und Schuld miteinander verbunden sind und füreinander Verantwortung tragen.


16

20.05.2003, 11:20

Ich möchte gern die fragen des geistes neu aufgreifen, da sie noch nicht wirklich beantwortet wurde.

Zitat

Original von Geist aus Appenzell
Wann kann man denn einen vollk. oder teilw. Ablass gewinnen?

Wer bestimmt die Dauer, die Häufigkeit und die Anzahl und den Text?

Eine Möglichkeit war ja um Allerheiligen, publik gemacht auf kath.net.

Gottes Segen

Der Barmherzigkeitssonntag ist eine Gelegenheit- nach dem Beten der Barmherzigkeitsnovene, Beichte (in welchem Zeitraum eigentlich?) und Empfang der eucharistie.

Allerheiligen ist eine möglichkeit-

Wann sonst noch?

Gibt es ohne Anlass durchs Kirchenjar einfach so die Möglichkeit zu einem Ablass?

Schliesslich sollte man grosse Geschenke auch nutzen....

Bischofsmütze

Fortgeschrittener

Beiträge: 506

Wohnort: österreichisches Montecassino

Beruf: Ordensmann

17

20.05.2003, 14:26

Zitat

Original von miss marple

Der Barmherzigkeitssonntag ist eine Gelegenheit- nach dem Beten der Barmherzigkeitsnovene, Beichte (in welchem Zeitraum eigentlich?) und Empfang der eucharistie.

Allerheiligen ist eine möglichkeit-

Wann sonst noch?

Gibt es ohne Anlass durchs Kirchenjar einfach so die Möglichkeit zu einem Ablass?

Schliesslich sollte man grosse Geschenke auch nutzen....


Im Buch: "Der Ablaß, in Lehre und Praxis" findest du alle Abläße die es gibt, hier ein Link zum Buch , derzeit ist eine Neuauflage in Arbeit.

Ljc Bischofsmütze

Beiträge: 1 591

Wohnort: Wien

Beruf: Computertechniker

18

20.05.2003, 16:05

Zitat

Original von miss marple
Beichte (in welchem Zeitraum eigentlich?) und Empfang der eucharistie.
Diese Frage hab ich mal anläßlich der "ersten Samstage" verfolgt und bischöfliche Aussagen (weiß nicht mehr wo) gefunden, die "möglichst zeitnahe" nahelegen und in einer konkreten Aussage bis zu acht Tage (plusminus) "erlauben". Übersetzung: Es sollte am gleichen Tag sein, kann aber - wenn's nicht anders geht - auch an einem anderen Tag sein. Wichtig ist wohl die innere Haltung und die ernsthafte Bemühung um einen baldigen Termin.

Zitat

Gibt es ohne Anlass durchs Kirchenjar einfach so die Möglichkeit zu einem Ablass?
Eigentlich ständig und jederzeit. Jedes noch so kleine Stoßgebet, Verzicht etc. kann aufgeopfert und damit in den Kirchenschatz eingezahlt werden. ;) Du meinst freilich einen "vollständigen" Ablass - in Ablassologie bin ich nicht sattelfest, aber ich glaube, auch das geht im Prinzip jeden Tag, und die "speziellen Feste" sind einfach "besondere Einladungen" dazu...

Zitat

Schliesslich sollte man grosse Geschenke auch nutzen....
Nett gesagt. 8) So schafft man sich Freunde im Jenseits, und wer weiß, wozu die gut sind...

Liebe Grüße,
Georg

Bischofsmütze

Fortgeschrittener

Beiträge: 506

Wohnort: österreichisches Montecassino

Beruf: Ordensmann

19

20.05.2003, 16:40

@ miss marple

Hier eine kurze Aufzählung der von der kath. Kirche gewährten Ablässe:

Die Ablässe des Rosenkranzgebetes

Der marianische Rosenkranz kann die Ablässe der Dominikaner, der Kreuzherren und die päpstlichen erhalten.

Auch die Birgittenablässe werden damit verbunden, sind aber nur gewinnbar,wenn man den einzelnen Gesätzen das apostolische Glaubensbekenntnis anfügt; da das meist nicht geschieht, werden die Ablässe hier nicht erwähnt.

Geweihte Gegenstände verlieren die Ablässe nur dann, wenn sie gänzlich zugrunde gehen oder verkauft werden (Kanon 924. § 2).

Ferner hören die Ablässe auf, wenn der geweihte Gegenstand verkauft wird. Wenn man jedoch den Gegenstand beim Verkäufer bestellt und durch seine
Vermittlung weihen läßt. ust der -gegenstandt bereits vor der Weihe verkauft und behält daher die Ablässe, wenn er auch erst beim Empfang bezahlt wird

I. Allgemeine Ablässe für fünf Rosenkranzgesätze
Man gewinnt diese Ablässe, auch wenn man beim Beten keinen Rosenkranz zur Hand nimmt.
Teilablaß jedesmal bzw. einmal täglich für das gemeinsame Rosenkranzgebet; an jedem Tag des Oktobers
Vollkommener Ablaß an jedem Tage, so oft man 5 Gesätze vor dem ausgesetzen oder im Tabernakel verschlossenen Allerheiligsten betet; ferner muß man beichten und kommunizieren;

II. Die Dominikanerablässe
Teilablaß für jedes Vaterunser und jedes Gegrüßet seist du, Maria
Vollkommener Ablaß jedes Jahr nach dem Empfang der hl. Sakramente, wenn man täglich fünf Gesätze betet.

III. Die Kreuzherrenablässe
Teilablaß für jedes einzelne Vaterunser oder Gegrüßet seist du, Maria
Man muß jedoch dabei einen mit diesem Ablaß versehenen Rosenkranz in der Hand halten, und zwar auch beim gemeinsamen Beten. Man braucht aber nicht
ein ganzes Gesätz oder gar den Rosenkranz zu beten und auch nichts zu betrachten.

IV. Die päpstlichen Ablässe
Sie gehören eigentlich nicht zum Rosenkranz, sondern können auch anderen Andachtsgegenständen, nämlich Kreuzen, Kruzifixen, kleinen Statuen und Medaillen verliehen werden, die Gott oder einen Heiligen
darstellen.
Es sind jene Ablässe, die nach der Erklärung des Papstes diesen Gegenständen anhaften, wenn er oder ein bevollmächtigter Priester sie segnet; diese Ablässe werden von jedem Papste bald nach seiner Wahl bekanntgegeben.

Vollkommene Ablässe
An den bedeutenderen Festen des Jahres ist ein vollkommener Ablaß gewinnbar:
Erscheinung des Herrn (Dreikönigsfest), 6. Januar
Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmeß), 2. Februar
Matthias, 24. Februar
Joseph, 19. März
Verkündigung des Herrn, 25. März
Osterfest
Sonntag der Göttl. Barmherzigkeit (Sonntag nach Ostern)
Philippus und Jakobus, 3. Mai
Christi Himmelfahrt
Pfingstfest
Dreifaltigkeitsfest
Frohnleichnamsfest
Herz-Jesu-Fest
Johannes der Täufer, 24. Juni
Petrus und Paulus, 29. Juni
Thomas, 3. Juli
Jakobus, 25. Juli
Mariä Himmelfahrt,15. August
Bartholomäus, 24. August
Mariä Geburt, 8. September
Matthäus, 21. September
Simon und Judas, 28. Oktober
Allerheiligen, 1. November
Andreas, 30. November
Mariä unbefleckte Empfängnis, 8. Dezember
Weihnachtsfest, 25. Dezember
Johannes der Evangelist, 27. Dezember

Teilablässe
an den obengenannten Festen, wenn man, ohne hl. Sakramente zu empfangen, reumütig nach der Meinung des Hl. Vaters betet.
für die Priester, sooft sie die hl. Messe feiern.
täglich für das Breviergebet.
sooft man eines der unter Vollkommene Ablässe genannten Werke verrichten, z.B. der hl. Messe beiwohnt oder den Rosenkranz betet.
morgens, mittags und abends für den Engel des Herrn oder Freu dich, du Himmelskönigin in der österlichen Zeit.


20

20.05.2003, 18:14

Ich muß Bischofsmütze korrigieren. Denn seit 1967 ist das Ablaßwesen mit der Apostolischen Konstitution "Indulgentiarum doctrina" neu geordnet worden.

In dem Werk "Handbuch der Ablässe" heßt es u.a. in einem Aufsatz von Herbert Vorgrimler (Fettdruck von mir):

"Papst Paul VI. Empfand es als seine Pflicht, das Ablaßwesen in die Kirchenreform einzubeziehen. Er veröffentlichte dazu am 1.1.1967 die Apostolische Konstitution „Indulgentiarum doctrina“. Darin versuchte er in der Art eines Kompromisses, sich die beiden genannten Positionen zu eigen zu machen. Aus Gottes Offenbarung stellt der Papst die Gedanken vor, daß aus den Sünden Strafen folgen, die duruch Leiden, Not, die Mühsal des Lebens und schließlich den Tot abzubüßen oder auch im Jenseits noch durch Läuterung abzugelten sind. Dabei versteht er die Sünde als Störung der übernatürlichen Ordnung. Aus der Liturgie werden viele Zeugnisse für das Gebet und die Bemühungen um Läuterung und Wiedergutmachung angeführt. Der Papst weist nachdrücklich auf die übernatürliche Verwandtschaft der Glaubenden hin, mit der es gegeben ist, daß die Sünde des einen auch die übrigen schädigt. ...

Der Papst verfügt dann in der Reform des Ablasswesens, daß es künftig „vollkommene“ (eigentlich: volle, plenaria) und Teil-Ablässe geben werde und daß bei letzteren die Bemessung nach Jahren und Tagen entfalle . 20 Normen regeln die Einzelheiten. Nachdem seit 1967 verschiedene kirchliche Neuregelungen erfolgten, insbesondere 1983 das neue kirchliche Rechtsbuch (vgl. cc. 992-997, CIC/1983) erschien, fasste die Apostolische Pönitentiarie 1986 die Normen neu. ...“


Philosophus

Thema bewerten