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Beiträge: 1 683

Wohnort: Deutschland, NRW

1

30.09.2002, 15:07

Bibel - Welche Ãœbersetzung? & mehr...

Das Thema, was ich Euch nun gerne vorlegen möchte, liegt mir persönlich sehr am Herzen. Ich finde, in diesen Bereich der „Tips und Tricks“ gehört unbedingt ein allgemeiner Thread mit dem Thema Bibel. Besonders interessieren mich dabei folgende Punkte, vielleicht ergeben sich aber für Euch und von Euch auch noch andere – kein Problem! Ich hoffe, dass viele Interessierte hier Anregungen finden und Tips für einen guten Zugang zum Wort Gottes erhalten. Auch ist ja das nächste Jahr (2003) der Bibel „gewidmet“...

1. Es gibt viele unterschiedliche Bibelübersetzungen. Welche Vorteile bzw. Grenzen haben die einzelnen Übersetzungen? Welche sind besonders zu empfehlen? Welche ist für Euch die beste bzw. geeignetste? Habt ihr Lust, über Eure Erfahrungen zu berichten? Welche ermöglicht einen tiefen Zugang? Welche ist dem historischen Orginial am nächsten? - Euch fällt bestimmt noch mehr dazu ein!

2. Gibt es bestimmte Tips und Tricks, oder evtl. kleine Schriften oder ähnliches, die besonders zu empfehlen sind, um einen besseren Zugang zum Wort Gottes zu bekommen? Besonders das Alte Testament bleibt einem doch oft sehr unverständlich. Ich habe z.B. mal gehört, jede Person des NT hätte ein alttestamentliches Vorbild? Wisst ihr mehr? Was ist besonders empfehlenswert für die Exegese und was gelten für Grundprinzipien? ...

3. Tips und Tricks für den Einstieg in die Tiefe, nämlich in die wirkliche Bibelbetrachtung. Kennt ihr vielleicht Passagen, was grosse Heilige sagen oder wisst Ihr ansonsten etwas? ...

Ich glaube, Ihr spürt ganz gut den Rahmen, den ich meine. Es gibt schon ein paar Threads zu diesem Thema. Dennoch habe ich mich zu diesem hier entschlossen, denn erstens finde ich die Bibel grundlegend wichtig und ich finde einen umfassenden Thread, wo genau diese Dinge angesprochen sind sehr wichtig, damit man sich sich nicht Einzelheiten aus den anderen Threads herauspicken muss und doch noch einiges offen bleibt. Wenn die Moderatoren oder Admins das anders sehen, müsst Ihr den Thread halt schliessen... :)

Ich freue mich schon auf Eure Postings!
Und wenn Ihr es nicht aus Liebe zu mir tun wollt, dann bitte wenigstens aus Liebe zu Jesus und Seinem Wort... :D

Es grüsst Euch ganz herzlich Seraphus

Nachschub: Danke, Benedikt!!! Sehr übersichtlich. Vielleicht schreibt Ihr auch allgemein ein Zeugnis über Euren Zugang zur Bibel. Schreibt vielleicht auch einfach, wenn Ihr denkt, dass es sich zu sehr überschneidet mit den vorhandenen Threads.
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Benedikt

Meister

Beiträge: 2 878

Wohnort: Deutschland

2

30.09.2002, 15:29

Nur der Vollständigkeit halber an dieser Stelle ein paar ähnliche Threads:
Bibelübersetzungen
Bibeljahr 2003
Bibel-Software
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Dominicus

Fortgeschrittener

Beiträge: 311

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3

30.09.2002, 15:48

Also ich persönlich benutze die Kombination Einheitsübersetzung, eine alte Bibel auf Deutsch aus dem 17Jhdt die ich @home gefunden habe (sogar kath.)
und die Vulgata. So glaube ich (der ich leider Latein nicht halb so gut kann wie ich es gern möchte) eine gute Mischung aus Verständnis und Originizität zu haben. (Der Sinn aus der Einheitsübersetzung (Einheizübersetzung :D ) überprüft mit dem komischen Deutsch aus 17hundert und der Vulgata)
-*-
Que ne ferois-je pour elle (pour la foi)

Cyril

Fortgeschrittener

4

30.09.2002, 20:02

Ich habe in einem andern Thread in einem andern Zusammenhang mal über den Bereich Bibelübersetzungen geschrieben. Vielleicht darf ich das hier nochmals anfügen, da die Frage Uebersetzungen konkret angesprochen wurde:

Eine wertfreie Uebersetzung gibt es ganz einfach nicht. Jede Uebertragung aus einer der alten Sprachen in unsere modernen Sprachen ist immer nur bestmögliche Annäherung, ist ein Stück weit Auslegung. Die Problematik der Bibelübersetzung ist ein sehr weites Feld. Kurz gesagt: bleibt man wörtlich an der Vorlage und übersetzt man jedes griechische Wort überall dort wo es vorkommt im Deutschen mit dem gleichen Ausdruck, erhält man die sogenannten konkordanten Uebersetzungen: eine Qual zum Lesen, für den normalen Bibelleser praktisch unbrauchbar - auch missverständlich, weil ein griechischer Ausdruck (in jeder andern Sprache analog) eine Menge von Bedeutungsinhalten haben kann. Daraus dann die richtige zu wählen ist oft aus dem Kontext ersichtlich, aber nicht immer - und welche dann genommen wird, das hängt eben schon auch damit zusammen, durch welche weltanschauliche (oder konfessionelle) Brille der Uebersetzer schaut. Ein Beispiel: das Wort ekklesia im griechischen Originaltext wird in den katholischen Uebersetzungen durchwegs mit Kirche wiedergegeben - in freikirchlichen Uebersetzungen, z.B. der Elberfelder Uebersetzung, mit Gemeinde. Am andern Ende des Spektrums stehen die 'freien' Uebersetzungen. Wählt man z.B. 'Hoffnung für alle', dann liest sich das zwar flüssig wie eine Tageszeitung, aber vom Sprachduktus des Originals bleibt nicht mehr viel übrig; dass eine solche Uebersetzung viel mehr der Gefahr der interpretativen Uebertragung ausgesetzt ist als eine wörtlichere, liegt auf der Hand.

Die Einheitsübersetzung (AT katholisch; NT + Psalmen ökumenisch) ist imo eine sehr gute Uebersetzung, die flüssig zu lesen ist und sich trotzdem sehr eng an die hebräischen und griechischen Sprachmuster hält. In ihr findet auch die ganze lange Tradition katholischer Bibelübersetzung ihren Niederschlag. Zudem vermeidet sie die sogenannte 'inclusive language', die um der political correctness willen wo immer möglich geschlechtsneutrale Ausdrücke verwendet (und damit natürlich den Originaltext verfälscht). An einem Beispiel versuche ich deutlich machen, dass dies nicht nur eine kleinliche Wortklauberei ist: Ps 1,1ff lautet (Einheitsübersetzung) : Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt etc etc.
Psalm 1 wird seit den Kirchenvätern traditionell als eine messianische Prophezeiung auf Christus betrachtet. Uebersetzt man nun :'Wie glücklich ist ein Mensch, der sich nicht verführen lässt etc etc', wie wir in der Guten Nachricht-Bibel lesen, dann wird klar, dass mit dieser (feministischen) Textveränderung burschikos gesprochen die ganze 'relecture chrétienne' im Eimer ist.

Gruss,
Cyril
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Aurelius Augustinus

tobias

unregistriert

5

30.09.2002, 20:42

@ Seraphus

Ich weiß garnicht was für eine Übersetzung ich habe, ich habe einfach die genommen, die bei uns stand ;)
Ich habe schon ein bisschen im AT und NT gelesen, angefangen bin ich mit dem Buch "Tobias" weil mich eigentlich nur die Geschichte meines Namenspatrons interssiert hat, bin dann aber hängengeblieben. Die 5 Bücher Moses sind ganz interssant, von der Schöpfung bis hin zu Josua, der Israel in das Heilige Land bringt. In Genesis findest du ja auch viele interssante Geschichten...
Ich muss aber auch sagen das das AT nicht immer ganz leicht ist.

Benedikt

Meister

Beiträge: 2 878

Wohnort: Deutschland

6

30.09.2002, 20:43

@Seraphus
Sage mal, wußtest du eigentlich vorher, dass heute der Gedenktag des hl. Hieronymus ist, der die Schrift ins Lateinische übersetzte und damit die Vulgata schuf?

Ein schönes Zitat von ihm: Wenn, wie Paulus sagt, Christus die Macht und die Weisheit Gottes ist, und wenn der Mensch, der die Schrift nicht kennt, auch die Macht und Weisheit Gottes nicht erkennt, dann ist die Unkenntnis der Schrift die Unkenntnis über Christus.

For if, as Paul says, Christ is the power of God and the wisdom of God, and if the man who does not know Scripture does not know the power and wisdom of God, then ignorance of Scriptures is ignorance of Christ.

(Meine Ãœbersetzung ist ziemlich holprig)
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SurrexitVere

unregistriert

7

01.10.2002, 01:21


Eine sprachlich höchstinteressante Übersetzung alttestamentarischer Texte gibt es von Buber-Rosenzweig ... einer meiner Freunde, der Judaistik und Semitistik studiert hat, wies mich darauf hin, dass in dieser Übersetzung nicht nur auf große Textgenauigkeit geachtet wurde, sondern sogar Sprachduktus und -melodik beibehalten wurden ... flüssige Lektüre ist da zwar nicht möglich, aber spannend ist es auf jedenfall

Beiträge: 1 683

Wohnort: Deutschland, NRW

8

01.10.2002, 14:47

An dieser Stelle möchte ich gerne noch einmal den Kirchenvater Ephräm, den Syrer, zitieren. Dieser Beitrag ist für mich eine schöne Grundlage für die Bibelbetrachtung.

„Herr, wer könnte mit seinem Geist auch nur eines von Deinen Worten ganz verstehen? Das, was wir nicht erfassen, bleibt größer als das, was wir verstehen, wie Dürstende, die an einer Quelle trinken. ... Gott hat in Seinem Wort Schätze von vielerlei Art niedergelegt; jeder von uns, der sich darum bemüht, soll daran reich werden können.

Das Wort Gottes ist ein Lebensbaum, der dir auf allen Seiten gesegnete Frucht anbietet, darin ähnlich jenem Felsen, der sich in der Wüste auftat und nach allen Seiten einen geistlichen Trank darbot. Der Apostel sagt: „Alle aßen die gleiche gottgeschenkte Speise, und alle tranken den gleichen gott-geschenkten Trank.“ (1 Kor 10,3-4)

Wer also einen Teil aus dem Schatz bekommt, meine nicht, das Wort enthalte nur das, was er selbst gefunden hat. Er soll sich vielmehr darüber klar sein, daß er aus dem reichen Inhalt nur diesen Teil finden konnte. Er sage nicht, das Wort selbst sei dürftig und unfruchtbar, weil er nicht weiter kam und nur einen Ausschnitt zu finden vermochte. Er verachte das Wort nicht, sondern sage Dank für seine Reichtümer, die er selbst nicht zu fassen imstande ist. Freu dich, daß du besiegt bist, und sei nicht traurig, weil das Wort dir überlegen ist. Der Dürstende freut sich beim Trinken und trauert nicht darüber, daß er die Quelle nicht austrinken kann. Die Quelle besiege deinen Durst, nicht dein Durst die Quelle. Denn wenn dein Durst gestillt wird, ohne daß die Quelle erschöpft ist, kannst du aufs neue trinken, falls du wieder Durst hast. Wenn die Quelle ausgetrocknet wäre, nachdem du deinen Durst gestillt hast, dann wäre dein Sieg zum Unheil für dich geworden.

Danke für das, was du erhieltest, und betrübe dich nicht wegen des Reichtums, der übrigblieb. Was du bekommen und erreicht hast, ist dein Anteil. Was übrig ist, wirst du einst erben. Was du infolge deiner Unzulänglichkeit in dieser Stunde nicht erlangen kannst, bekommst du in einer anderen. Du mußt nur durchhalten. Versuche nicht fälschlicherweise mit einem einzigen Schluck zu nehmen, was man nicht auf einmal schlucken kann. Aber höre auch nicht aus Feigheit auf, von dem zu nehmen, was du nur nach und nach empfangen kannst.“
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Cyril

Fortgeschrittener

9

01.10.2002, 16:14

Zitat

Original von tobias
@ Seraphus

Ich weiß garnicht was für eine Übersetzung ich habe, ich habe einfach die genommen, die bei uns stand ;) ...



Zitat

Original von tobias
@ Seraphus

Ich weiß garnicht was für eine Übersetzung ich habe, ich habe einfach die genommen, die bei uns stand ;) ....
Ich habe schon ein bisschen im AT und NT gelesen,


Wenn Du auf Vollständigkeit achten willst, dann schau darauf, dass Du eine katholische Bibel (Einheitsübersetzung - der 'kirchenoffizielle' Text in den Bistümern deutscher Sprache -, Hamp/Stenzel/Kürzinger, Herder oder Allioli, um nur die bekanntesten zu nennen, verwendest. In protestantischen Bibeln sind meist nicht alle Bücher des Alten Testaments enthalten. Es handelt sich dabei um folgende:

Baruch
Judith
1. Makkabäer
2. Makkabäer
Jesus Sirach (Ecclesiasticus)
Tobias
Weisheit
und einige Zusätze zum Buch Daniel.

Gruss,
Cyril

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Aurelius Augustinus

Cyril

Fortgeschrittener

10

01.10.2002, 16:53

Zitat

Original von SurrexitVere

Eine sprachlich höchstinteressante Übersetzung alttestamentarischer Texte gibt es von Buber-Rosenzweig ... einer meiner Freunde, der Judaistik und Semitistik studiert hat, wies mich darauf hin, dass in dieser Übersetzung nicht nur auf große Textgenauigkeit geachtet wurde, sondern sogar Sprachduktus und -melodik beibehalten wurden ... flüssige Lektüre ist da zwar nicht möglich, aber spannend ist es auf jedenfall


Ich stimme Dir bei - die Buber/Rosenzweig-Uebertragung - ich verwende hier bewusst das Wort Uebersetzung nicht, da Buber mehr geleistet hat als nur zu übersetzen - lässt einem einen tiefen Einblick in die faszinierende Fremdartigkeit der Welt des AT tun. Allerdings sollte man sie nicht als alleiniges Altes Testament benützen. Die Textvorlage Bubers ist die auf der jüdischen Synode von Jamnia im Jahre 98 kodifizierte jüdische Bibel. Sie weicht manchmal doch erheblich, sowohl was Umfang wie Inhalt anbelangt, von der griechischen Septuaginta ab, die das für die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen und altorientalischen Kirchen verbindliche Alte Testament ist.

Die evangelischen Christen berufen sich, wenn ich richtig bin, eher auf den Kanon von Jamnia und dessen Textüberlieferung. Zumindest benutzten die Reformatoren für ihre Uebersetzung des AT im 16. Jahrhundert die damals vorliegenden (jüdischen) hebräischen Bibeln, die auf Jamnia zurückgehen. Die katholischen und orthodoxen Kirchen hielten an der Septuaginta fest, so wie sie zur Lebenszeit Jesu in der jüdischen Diaspora, z.B. in Alexandrien, in Gebrauch war.

Der Umfang des Alten Testaments, das Jesus selbst benutzte, ist heute nicht mehr ganz sicher festzulegen. Es besteht aber berechtigter Grund zur Annahme - und die katholischen und orthodoxen Kirchen sind dieser Ansicht - dass Jesus die gleichen Bücher in ihrer hebräischen Version als AT kannte und benutzte, die uns heute in ihrer griechischen Form als Septuaginta vorliegen (Uebrigens darf angenommen werden, dass Jesus zmindest griechisch - die lingua franca seiner Zeit - fliessend beherrschte. Aber dies nur nebenbei).

Während das Judentum zur Zeit Jesu den Umfang der Heiligen Schriften nicht abschliessend und verbindlich definiert hatte - diese wurden eingeteilt in die Thora, die Propheten und die Ketubim (die 'übrigen' Schriften, über deren Umfang durchaus verschiedene Meinungen herrschten) - , wurde nach dem Fall des Tempelkultes in Jerusalem und zur Abwehr der anfänglich als jüdische Sekte geltenden Christen eine - restriktive - Definition des Kanons der Heiligen Schriften durch das nunmehr zur reinen Buchreligion gewordene Judentum notwendig.

Cyril
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Aurelius Augustinus

Cyril

Fortgeschrittener

11

01.10.2002, 17:58

Zu den Fragen der Auslegung der Bibel möchte ich auf dasjenige Dokument aus dem Jahre 1993 hinweisen, das die Meinung des Lehramtes zu dieser Frage widergibt:

Päpstliche Bibelkommission
Die Interpreation der Bibel in der Kirche
Libreria Editrice Vaticana, ISBN 88-209-1929-X
(136 Seiten).

Da die Bibel sowohl einen göttlichen wie auch menschliche Autoren hat (Inspiration) müssen wir sie auch anders lesen als irgendeinen andern Text.

Zuerst bemühen wir uns, die Worte und Redewendungen, die die biblischen Autoren benutzten, im wörtlichen Sinne (sensus literalis) so zu verstehen, wie sie die Adressaten in ihrem zeitlich/geographischen Umfeld verstanden haben. Das heisst unter anderem, dass wir nicht einfach 'buchstäblich' lesen, als ob sich die Heilige Schrift nie bildlicher oder symbolischer Redeweise bedienen würde. Vielmehr bemühen wir uns, den Text entsprechend seiner literarischen Gattung - Erzählung, Gedicht, Brief, Gleichnis etc - zu uns sprechen zu lassen, um herauszufinden, was die inspirierten Autoren ihrer Leserschaft mitteilen wollten.

Der wörtliche Sinn ist jedoch nicht der einzige Sinn des geschriebenen Heiligen Textes; wir interpretieren den inspirierten Text auch gemäss seinem geistlichen Sinn (sensus spiritualis). Wir versuchen zu verstehen, was der Heilige Geist uns durch diesen Text mitteilen will - über das hinaus, was die menschlichen Autoren uns bewusst mitteilen wollten. Während der Literalsinn - der buchstäbliche Sinn - eine historische Realität vermittelt, enthüllt der geistliche Sinn tiefere, in der Erzählung verborgene Wahrheiten.

Der geistliche Sinn verhält sich zum Literal-(=buchstäblichen)Sinn wie die Seele zum Körper. Man kann sie unterscheiden; aber wenn man sie trennen will, bedeutet das Tod. Der Apostel Paulus ist der erste, der uns vor einer Trennung von wörtlichem Sinn und geistlichem Sinn warnt (2 Kor 3, 5-6).

Die katholische Tradition unterscheidet im geistlichen Sinn:

den allegorischen Sinn, der den Vollsinn und die prophetische Bedeutung der geschichtlichten Ereignisse enthüllt - so weisen Personen und Ereignisse der Schrift oft über sich hinaus auf grössere, noch zu erwartende Ereignisse. Die christliche Tradition von den Kirchenvätern bis in die Neuzeit haben die Bibel auf diese Weise gelesen, um zu entdecken, wie das Geheimnis Christi im Alten Bund vorgebildet war (Typologie) und wie es schliesslich im Neuen Bund zu seiner ganzen Bedeutungsfülle gelangte. Der allegorische Schriftsinn lehrt uns den Glauben.

den tropologischen oder moralischen Sinn, der uns anhand der Geschichte des Volkes Gottes im Alten Bund und am Beispiel des Lebens Jesu im Neuen Testament auf die christlichen Tugenden hinweist und uns lehrt, wie wir unser Leben zu leben haben.

den anagogischen Sinn, der uns auf die eschatologische Vollendung hinweist. Er zeigt uns, wie zahlreiche Ereignisse der Bibel Abbilder unseres Seins bei Gott in der Ewigkeit sind. Der anagogische Sinn zeigt uns, wie auf Erden geschaute Dinge Bilder himmlischer, ungeschauter Realitäten sind.

Ein Merkvers geplagter Theologie-Studenten aus dem Mittelalter fasst in Kürze das Wesentliche zusammen:
Die Buchstaben lehren die Ereignisse; die Allegorie lehrt uns, was zu glauben ist; die Moral, was wir tun sollen und die Anagogie, nach welchen letzten Gütern wir streben sollen.

Dies alles bedeutet, dass die in der Bibel geschilderten Ereignisse einen weit höheren Sinngehalt haben, als dem Leser beim ersten Lesen in die Augen springt. Die Bibel ist ein Buch der Kirche - allein in ihrem Schoss kann sie richtig ausgelegt und verstanden werden.

Dass dem so ist, zeigen die ca. 25'000 protestantischen Gemeinschaften, die sich alle auf ihre eigene Erkenntnis und Auslegung der Heiligen Schrift berufen.

Cyril



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Aurelius Augustinus

Augustinus

unregistriert

12

01.10.2002, 18:54

Die Bibel und der Hl. Paulus

Also wenn ich die Bibel lese, greif ich gerne zur Vulgata. Natürlich habe ich auch die Einheitsübersetzung zu Hause.

Aber um besser mit den gewünschten Bibelzitaten schnell und präziese arbeiten zu können, habe ich mir eine Software zugelegt, die "Quadrobibel". Es handelt sich um eine Sammlung von vier Bibelübersetzungen, einer Textversion des »Lexikon zur Bibel« von Rienecker-Maier und eine etwas abgeänderte Form des bekannten Bibelprogrammes Elbiwin von M.Frey. Bei den Bibelübersetzungen handelt es sich um die Einheitsübersetzung, der Lutherbibel, der Gute Nachricht Bibel und der Elberfelder Bibel. Das läßt in einer Diskussion auch Übersetzungsvergleiche zu.

Das Ganze wird von einer ziemlich guten Suchmaschine abgerundet, zu den gesuchten Stellen, Begriffe, Texte werden Kommentare des Lexikon und diverse Textverweise dargestellt. Wahlweise wählt man zwischen Büchern, Kapiteln, Themen oder einzelnen Versen. Außerdem habe ich den Katechismus auch auf meinem Computer, so ist ein Thema schnell nachgelesen.

Ich habe da gute Erfahrungen machen können, allerdings ist die Software nicht billig. Aber zum lesen und betrachten greife ich IMMER noch zu den Büchversionen, ich bin ein kleiner Bücherwurm! Und noch was lustiges: Über meinem Bett hängt eine Paulusikone von einer genialen Griechenlandreise 8) mit den "amici di dio" (DANKE!! :) ), und ich bitte den Hl. Paulus, falls ich einmal die Bibel total falsch interpretiere und daher grobe Fehler passieren, er möge doch die Bibel, die er in seiner Hand dort hält, mir in diesem Fall über den Kopf ziehen ;( !! Das täte dann zwar sehr weh, wäre aber heilsam.

Der Hl. Paulus als mein Bibelaufpasser!! :D 8) :D

Viel Freude am lesen, lernen und motivieren!
Augustinus

Benedikt

Meister

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13

01.10.2002, 19:10

Ein nettes Zitat:
"Verkünde immer das Evangelium, wenn notwendig, verwende dazu Worte!" :)
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14

01.10.2002, 19:48

Ich danke Euch zwischenzeitlich allen herzlich!
Bei Cyril würde ich gerne in die Schule gehen... :)

Ja, Benedikt. Ziel der Lehre ist wohl das Leben des Wortes Gottes und das Zeugnis-SEIN.

Später mehr...
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Cyril

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15

01.10.2002, 20:52

Zitat

Original von Benedikt
Ein nettes Zitat:
"Verkünde immer das Evangelium, wenn notwendig, verwende dazu Worte!" :)


....aber sprich niemals kananäisch! :D
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Aurelius Augustinus

16

02.10.2002, 08:30

Also ich verwende auch die Einheitsübersetzung - allerdings gehöre ich (leider noch) zu den etwas faulen Bibellesern. Vielleicht auch eine katholische Altlast.

Einen guten Zugang bringt mir der ausgezeichnete Bibelkalender mit täglichen Abreisszetteln (Schrift und kurze Auslegung).

Sprachlich ist natürlich die Lutherbibel was ganz gewaltiges, das muss man auch als 100%iger Papist, wie ich einer bin, neidlos zugeben.

Weiss übrigens jemand eine gute Taschenbuchausgabe der Bibel, so für den Hosensack?

Benedikt

Meister

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17

02.10.2002, 09:59

@Stephanus
Ich habe das Bundeswehr-NT (mit Psalmen). Das passt tatsächlich in eine Hosentasche.
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spectator

unregistriert

18

02.10.2002, 10:15

also ich verwende meistens die familienbibel des pattloch verlages oder "meinen " rösch von 1935
wie von allem nachkonziliaren halte ich mich auch von der einheits(z) übersetzung fern:)

Benedikt

Meister

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19

02.10.2002, 10:27

@Spectator
Das ist ja eine richtige Phobie bei dir. ;)
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Cyril

Fortgeschrittener

20

02.10.2002, 11:12

Zitat

Original von spectator
also ich verwende meistens die familienbibel des pattloch verlages oder "meinen " rösch von 1935
wie von allem nachkonziliaren halte ich mich auch von der einheits(z) übersetzung fern:)


Gibts die Rösch-Übersetzung auch für das AT? Ich habe nur ein NT-Exemplar.
Danke für den Feedback,
Cyril
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Aurelius Augustinus

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